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Letzte Klimmzüge in Kirgisistan

Wenn, wie ihr schreibt, für euch unser Wildnistrip in Kirgisistan wie ein Krimi wirkt, will ich euch die letzten zwei Tage nicht vorenthalten. Letztes Ziel war ein Tal in der fast 5000 Meter hohen Ala Archa Region etwa eine Stunde Autofahrt südlich von Bishkek.

Es ist Herbst geworden. Das heißt kalter Wind, kühle Abende und kalte oft auch frostige Nächte. Am Talschluss sind die meisten Jurten für den Winter abgeräumt.

Doch weil die Kirgisen am 31.8. ihre Unabhängigkeit feiern, gibt es einiges an Tourismus. Meine Sehnsucht nach einem Hotel ist vergeblich angesichts der Preise. 169 € pro Nacht ist mir die warme Dusche dann doch nicht wert.

Sascha ist angetan vom Schlafplatz, einer lehmigen ehemaligen Stellfläche einer Jurte: “ In den Alpen könnte man nirgendwo mit dieser Aussicht so zelten.“ Georg schimpft: “ Trostlos, überall Viehscheiße und Dreck!“ Ich schluchze nur: „Badewanne“ und ziehe mir seufzend lange Unterhose, zerissene Qutdoorhose und Mütze an.

Meine Versuche mit einem verbliebenen Hirten ins Gespräch zu kommen, um 3 Pferde zu leihen und am nächsten Tag zu reiten, bleiben ergebnislos. Er hat nur ein Pferd, dass würde er mir auch leihen. Aber zu dritt auf einem Pferd… lassen wir mal lieber.

Sascha überzeugt uns früh aufzustehen, um die 1600 Höhenmeter, von denen er sich eine phantastische Aussicht auf die ganz hohen Berge verspricht, zu schaffen. Wir einigen uns auf 6:00 Uhr (seufz).

Die Nacht ist wie erwartet kühl. Für einen Tee ist es zu windig. Ich träume von einer Badewanne (seufz).

Sascha hat einen Weg durch ein kleines Tal ausgekundschaftet. Von dort wollen wir den Aufstieg auf den 3400 Meter hohen Berg starten. Anfangs gibt es einen guten Weg, doch bald wandelt sich dieser zu einem schmaler und dünner wedenden Pfad. Das dornige Gestrüpp wird stetig dichter und dichter. Andauernd müssen wir den Bach queren, um weiter zu kommen. Das Tal wird schließlich so steil und eng, dass klar wird: Hier ist kein Durchkommen mehr. Mittlerweile ist auch der Rest eines Pfades zur Gänze verschwunden.

Zurück wollen wir auch nicht, so versuchen wir, irgendwie an den steilen Seitenwänden hoch auf den Bergrücken zu gelangen, in der Hoffnung dass es dort wegsamer sei. Erst klettern wir über ein Blockfeld und dann hinein ins Gestrüpp. Was für Sascha mit links geht und für mich ein kleines Ärgernis ist, ist für Georg fast unüberwindlich. Immerhin ist sein Oberschenkelhalsbruch noch kein Jahr her. Sich unter Dornengestrüpp über Baumstämme in steilem Terrain fortzubewegen, ist für ihn eine kräftezehrende Tortur, was er uns auch mit jedem Schritt wissen lässt. Aber ähnlich wie wenn man plötzlich mit dem Auto auf einer schwierigen Offroadstrecke gelandet ist und nicht wenden kann; hier gibt’s nur weiter. Irgendwie durch, denn zurück geht für Georg gar nicht mehr. Zu steil.

Irgenwann haben wir die schweißtreibende Arbeit geschafft und sind auf dem Bergrücken.

Kein Vieh hat die Vegetation kahl gefressen und der Weiterweg ist einfacher durch wunderschöne bunte herbstfarbene Vegetation. An einem Pass lassen wir Sascha mal wieder alleine ziehen. Georg ist vom unwegsamen Aufstieg zu sehr geschafft. Ich leiste ihm Gesellschaft. Oft auf dieser Reise hat uns der Spagat zwischen einem 18 jährigen Abenteurer und einem 69 jährigen Exoperierten herausgefordert. Wir verpassen also den Blick auf die Eiswände, von denen uns Sascha später vorschwärmt.

letzter Schlafplatz

Doch am letzten Tag gelingt uns noch eine gemütliche Familientour, mit für uns angemessenen 400 Höhenmetern auf einen nur 2300 Meter hohen Berg. Mit Aussicht auf die Gletscherberge in der Ferne. Zurück in Bishkek lassen wir noch unser Auto waschen. Für 5,50€ wienern 3 Leute se von innen und außen. Georg fühlt sich an seine Kindheit erinnert, wo er am Wochenende als Sohn eines Tankstellenbesitzers 20 – 30 Autos herausputzen musste. Er stellt anerkennend fest, dass die Autowäscher ihre Arbeit gut machen. Einer der Wäscher erzählt, dass er eigentlich einen Doktor hat, damit aber keinen Job bekommen hat… Ein wenig nervös sind wir schon bei der Rückgabe des Leihwagens, denn ein paar Kuhkratzer sieht man nach der Wäsche wieder. Doch trotz Flutlichtanlage in der Tiefgarage gibt es noch keine Beanstandungen.

Die Dusche im Hotel ist herrlich. Danach wandern wir noch über den Oshbazar. Die orientalischen Bazare sind immer einen Ausflug wert. Es gibt unglaublich viel zu sehen. Nur beim Kaufen müssen wir uns zurück halten, weil unser Gepäck aus allen Nähten platzt. Kurzzeitig verirren wir uns in ein sehr traditionelles Lokal. Aber da mal wieder die Speisekarte nicht lesbar ist und keiner ein Wort englisch kann, sitzen wir etwas ratlos da. Als es dann nichtmals eine Cola zu trinken gibt, sondern nur selbstabgefülltes, warmes, etwas trübes Wasser, das in alten Flaschen auf dem Tisch steht, nehmen wir reißaus. Lieber nicht soo traditionell. Trotz Feiertag gelingt es uns durch das Abklappern einer ganzen Reihe von Lokalen in dieser Millionenstadt irgendwann eines zu finden, das geöffnet hat.

Der Taxifahrer am Morgen um 4 Uhr rast mit 130km/h zum Flughafen, unangeschnallt natürlich. Leider gibt es auch keine funktionierenden Anschnallgurte für Georg und mich. Wäre doch blöd, wenn Sascha jetzt noch Waise würde. Der Blinker unseres Taxifahrers funktioniert auch nicht, weswegen er mit seiner Warnblinkanlage fährt, worauf jemand neben ihm braust, ihm bedeutet das Fenster runterzukurbeln um ihn darauf hinzuweisen, was unser Fahrer aber mit einem Grunzen und noch mehr Gas geben, das in einem kleinen Autorennen endet, ignoriert.

Nach fünfmaligen Gepäckdurchleuchten und Abgetastetwerden sitzen wir im Flieger. Sascha freut sich schon aufs kommende Jahr, wenn er auf seiner Weltreise Kirgisistan nochmals bereisen wird. Georg ist froh mit mir deutlich gemütlicheren Urlaub zu machen (oder doch erstmal zu Hause zu bleiben). Ich fand es ein tolles Abenteuer und freue mich auf meine Badewanne 😀

Nächstes Jahr werden wir an dieser Stelle Saschas Reiseberichte finden, der sich dann alleine aufmacht, die Welt zu entdecken und uns hoffentlich auf dem Laufenden hält.

Im Tal der Schmuggler

Von dem unliebsamen nächtlichen Besuch habe ich ja schon berichtet. Die „Straße“ auf der wir in dieses Tal hineinfuhren führte durch scheebedeckte Berge ganz nah an Kasachstan. Im Internet machten wir uns schlau, dass der Schmuggel zwischen den beiden Ländern, sehr zum Ärger von Kasachstan, blüht, worauf Kasachstan seine Grenzen komplett verrammelt hat (nun, an dieser Stelle wohl nicht) An einer Stelle haben Schmuggler Wodka mittels eines Schlauches durch einen Fluss geschleust.

Wir wissen nicht, was hier geschmuggelt wird aber die Menschen, die wir hier treffen sind anders, als wir es bisher kennengelernt haben unfreundlich, unangenehm, verwahrlost.


Unerwartet sind wir mit dem Winter konfrontiert. Der Wetterumschwung hat in den Bergen Schnee gebracht und es herrscht ein schneidend kalter Wind.

Schneeregen
Neuschnee auf den Bergen

Da aber das Tal so schön und wild ist, mit Granitblöcken sowie einem reißenden Fluss und das Wetter für den nächsten Tag wieder schön gemeldet ist, beschließen wir diese hardcore Kälte durchzustehen.

Hoch ins Schmugglertal

Als wir unser Mittagessen im Auto (wegen der Kälte) einnehmen kommt ein Auto, es hält und 3 Männer steigen aus. Sascha und ich verlassen unseren Geländewagen ebenfalls, um die unvermeidliche Unterhaltung zu führen. Die drei sind anders als die freundlichen und an Kontakt interessierten Hirten. Einer, offensichtlich berauscht, der andere aus Pakistan oder Afghanistan (die Äußerungen dazu waren nicht ganz eindeutig) der dritte ein Jugendlicher, der mit großer Aufdringlichkeit und Begehrlichkeit in unser Auto linst. Die drei wollen alles von uns: Ob wir Geld hätten, kasachisches oder kirgisisches oder Dollar, ob wir ihnen Bier oder Wodka geben könnten, ob wir vielleicht Fotoapparate oder anderes Interessantes hätten. Sie wirken nicht gewaltbereit, aber unangenehm schmierig und wir haben den Eindruck, wenn sie unser Auto ohne uns angetroffen hätten, hätten sie es komplett leergräumt. Nachdem wir die drei nach fünfundzwanzigfachem Händeschütteln endlich losgeworden sind, beschließen wir, das Auto lieber nicht alleine in dieser Gegend stehen zu lassen und zeitversetzt zu wandern. Sascha morgens um 5 und wir dann wenn er zurück ist.

Die Nacht war eisig und am Morgen ist alles gefroren, bei bestimmt -5 Grad Außentemperatur. Zu völlig absurden Zeiten kam noch ein Auto mit Männern, die uns finster musterten. Es war eine unruhige Nacht. Sascha und ich überlegten, ob es so klug war sich hier aufzuhalten und ob es sicher sei, wenn er alleine unterwegs ist beziehungsweise alleine am Auto auf uns wartet. Georg dagegen meint, wir hätten eine zu blühende Phantasie. Ich denke eher er hat eine zu geringe Vorstellungskraft. Dieses ganze Tal ist merkwürdig, Hirten grüßen nicht, sondern sehen nur stur geradeaus, wenn sie vorüberreiten. Es gibt weder Jurten noch Frauen oder Kinder, stattdessen Reiter, die ganz offensichtlich nicht gesehen werden wollen und uns ausweichen. Sascha macht am Morgen seine Wanderung zu einem See, ist aber etwas nervös. Georg und ich besteigen einen Berg direkt vor unserem Zelt, so dass wir das Auto und ob sich diesem jemand nähert fast die ganze Zeit im Blick haben. Von oben haben wir einen guten Überblick. Ein kleiner „Schützengraben“ ermöglicht, die zwei Pässe nach Kasachstan gut einzusehen ohne von diesen aus bemerkt werden zu können. Mal wieder kommt der kleine weiße Lada, der mit den drei unangenehmen Gesellen, fährt die Passstraße hinauf, dreht und wartet. Worauf? Vielleicht auf einen Drogenkurier? Keine Ahnung. Ganz sicher passt es diesen Menschen hier nicht, dass Touristen in ihrem Tal sind. Wir steigen zügig wieder ab und machen uns aus dem Staub. Eine grandiose Gegend, aber genießen konnten wir sie unter diesen Umständen nicht.

Wanderung auf einen namenlosen Gipfel 3580 Meter hoch

Die letzten Tage in Kirgisistan tröpfeln so dahin. Gestern gingen wir zu einem See,

heute zu einem Wasserfall.

Der Herbst ist da

Die Landschaft ist nach wie vor großartig, wild und gewaltig. Doch was mich angeht, ich bin gesättigt, habe viel erlebt und freue mich auf zu Hause. Georg sehnt sich schon lange danach. Sein Fazit: Zu strapaziös, zu viel Staub, zu ungemütlich im Zelt und ohne Stuhl.
Mein Fazit: Ich bin begeistert von diesem Land und seinen Naturschönheiten. Die sechs Wochen waren prall gefüllt mit Abenteuern, völlig neuen Eindrücken und unglaublich abwechslungsreich. Die Gastfreundschaft der Menschen hat mich berührt, die Weite und Stille genährt, die Gewaltigkeit der Berge manchmal überwältigt.
Ja und selten bin ich auf einer Reise so verlottert. Alles ist dreckig, staubig, die Kleider zerissen, Ausrüstung zerschlissen. Die Freuden der Zivilisation erwarten uns. Saschas Fazit, ihr müsst ihn selber fragen, aber ich vermute Hunger nach mehr: Tiefer in die Berge, höher hinauf, länger weg. Es wird Zeit, dass er auf seiner Weltreise eigene Wege geht, nicht mehr begrenzt von den Eltern, die vieles nicht mehr können und wollen.

Brotverkauf in alten kinderwagen

Die letzte Woche in Kirgisistan

Wir sind in unserer letzten Woche in Kirgisistan. Zwei Tage haben wir an dem Stausee Toktugul verbracht, dort war es heiß und wir konnten einfach mal abhängen, das hat sehr gut getan.

Der See liegt in einer wüstenähnlichen Badland- Landschaft. Tagsüber geht kein Windhauch und die Wasseroberfläche ist spiegelglatt. Zum Abend kommen Wind und Wellen.

Abendessen am Strand
Schatten ist nötig

Mal wieder polieren wir an unserem Auto Kuhschrammer von der letzten Kuhmassenpanik weg. Es tauchen 2 Schweizer auf, die sich sehr über die verrückten Deutschen wundern. Wir kommen ins Gespräch und stellen schnell gegenseitige Sympathie fest. Nach einem gemeinsamen 2. Frühstück haben wir Tipps ausgetauscht und machen schon Späße miteinander. Die beiden sind als Bergsteiger unterwegs und von daher für Sascha sehr interessant. Als wir uns verabschieden laden Sie ihn ein, in die Schweiz zu kommen und vielleicht mal eine gemeinsame Tour zu machen. Es fällt uns schwer, uns vom See loszureißen. Einfach mal fast nichts tun hat schon etwas.

Aber nach 2 Tagen wird es langweilig. Irgendwo vor dem Toktugulpass, der uns wieder zurück nach Bishkek führen wird, biegen wir eine Schotterpiste in ein Seitental ab. Sascha hat auf der Karte einen See entdeckt, wo wir hinlaufen wollen. Am Ende des Weges stehen ein paar Jurten. Gerade haben wir die Bergschuhe an als ein älterer Kirgise kommt und uns in seine Jurte einlädt. Also Schuhe wieder aus.
Gemütlich ist es in seiner Jurte, alles mit bunten Decken, sowohl an den Wänden wie auf dem Boden ausgelegt, in der Mitte ein großer noch nicht abgeräumter Fühstückstisch um den wir auf dem Boden sitzen. 3 seiner kleinen Enkelkinder sind bei ihm und bestaunen uns neugierig.

Wir bekommen mal wieder gegorene Stutenmilch, die meinen Magen 2 Tage beschäftigen wird.

Wir bekommen fleißig Kumiss, gegorene Stutenmilch eingeschenkt und er erklärt uns wie unglaublich gesund dieses Getränk sei. Seine Enkeltochter habe es sehr hübsch gemacht und gewachsen wäre sie auch. Sascha muss 2 Schalen trinken, damit er Kraft in den Bergen hat. Er ist erstaunt, dass Sascha mit seinen 18Jahren noch nicht verheiratet ist und schlägt gleich vor es doch mit seiner Enkelin zu versuchen (Sie ist etwa 5.) nur ein Spaß, er lacht selber herzhaft darüber. Er selbst zumindest trinkt niemals Tee, sondern immer nur Kumiss und als er hört dass ich nur zwei Kinder habe (Gasha du musst jetzt gerade auch als meine Tochter herhalten, das bekomme ich auf russisch nicht anders hin) meint er das liegt auch zweifelsohne an der fehlenden Stutenmilch. Und als ich dann noch mit meinem Enkelchen aufzutrumpfen versuche, meint er hätte zehn Enkel…

Kühe und Pferde gibt es in allen Musterungen, aber gepunktet wäre vielleicht eines für Pippi Langstrumpf


Nun irgendwann kommen wir dann doch los und laufen durchs Tal zu einem türkisen See. Sascha macht mal wieder einen Gipfel im Alleingang und wie immer bin ich nervös. Man verliert jemanden so schnell aus den Augen und Berge sind so groß, ich wüsste nie wo ich ihn suchen sollte, wenn mal was schief geht. Das Schweizer Pärchen hat uns ein GPS Gerät mit Satelliten Notfall Nachrichten empfohlen. Das funktioniert auch da wo Handys kein Empfang mehr haben. Ist zwar nicht ganz billig, wird er aber für die Weltreise auf jeden Fall verpasst kriegen.

Bis wir die Tour beendet haben und einen Zeltplatz suchen können, steht die Sonne schon tief, kein Wunder wenn man bedenkt wie spät wir dank des gastfreundlichen Hirten losgekommen sind. Wir finden zwar einen Platz, aber es ist kühl und ungemütlich trotz der geringen Höhe. Ein vorbeikommender Reiter erklärt mir, dass es am nächsten Tag regnen und noch kälter werden wird. Etwas missmutig blucken wir dem nächsten tag entgegen. Ich fange an, mich sehr auf zu Hause zu freuen: Ein Frühstückstisch, leckeres selbstgebackenes Baguette, ein gemütliches Bett, eine Badewanne, mein armer verdorrter Garten. Wir sind jetzt so lange unterwegs und ich habe keine Lust mehr, jeden Abend das Zelt aufzubauen in dem Auto herum zu wühlen um irgendetwas zu finden, den ganzen Staub zu ertragen.

Die Wanderung am nächsten Tag wird im Schneetreiben beendet. Es gibt zwei Tage schlechtes Wetter. Wir flüchten schleunigst aus dem Bergen und decken uns auf einem Markt mit massenweise frischem Obst ein, ein Eimer Pflaumen, ein Eimer Aprikosen, zwei Kilo Himbeeren ( für umgerechnet 2€). Unten im Tal ist es wieder heiß.

Zu spät, jetzt müssen erstmal die Schafe durch den 3 Kilometer langen Tunnel. Als nach einer dreiviertel Stunde die Durchfahrt wieder frei ist, überholen uns 6 Autos rechts und links um als erste in den Tunnel zu gelangen.

Noch ist das Wetter gut.
Schneeregen bricht die Wanderung ab.
Wieder im Tal

Wir biegen wieder in ein neues Tal ab und halten tapfer durch, die letzten Tage in Kirgisistan.

In dieser Nacht bekommen wir zum ersten Mal in Kirgisistan unerwünschten Besuch. Mindestens zwei Männer rütteln an unserem Zelt und leuchten mit einer Lampe. Mit lauten, bösen Schreien vertreiben wir sie. Keine Ahnung, was sie wollten. Vielleicht ausrauben? Vielleicht hat es damit zu tun, dass der Weg an dem wir stehen nach Kasachstan führt. Schmuggler? Vielleicht aber auch nur neugierige Leute.

Sonntagsausflug auf kirgisisch

Nachdem wir das heiße Ferghana Becken durchquert haben, biegen wir wieder ab in die Berge. Auf der Karte ist eine Offroadstrecke eingezeichnet, die würde uns mindestens 60 km ersparen. Allerdings haben wir keine Informationen darüber. Am Abend fahren wir ein wenig in das Tal hinein und finden einen Schlafplatz am Fluss. Auch hier wird massenweise das Vieh heruntergetrieben. Anscheinend beginnt für die Kirgisen der Herbst. Am nächsten Morgen, wir sitzen gerade gemütlich beim Frühstück, erscheinen kirgisische Sonntagsausflügler. Im ersten Auto sitzen nur fünf, aber im zweiten wir glauben unseren Augen nicht zu trauen krabbeln so nach und nach 13 Personen heraus. Wie immer werden wir mit Handschlag begrüßt, alle sind neugierig woher kommen wir, was wollen wir. Wir versuchen herauszufinden, ob die Straße, die wir geplant haben, fahrbar ist. Ungefähr zehn Leute studieren jetzt unsere Karte, diskutieren, studieren, diskutieren studieren, und als ich sie wegpacken will, kommen noch mal ein paar andere, die auch noch mal auf die Karte schauen wollen. Anscheinend kann man die Straße nicht fahren, aber wir sollten mit ihnen kommen, denn sie würden zu einem tollen See fahren und dort Picknick machen. Natürlich wird ein Foto gemacht mit uns und uns wird ein Kilo Trauben als kleines Geschenk in die Hand gedrückt. Nach und nach finden wir heraus, dass es wirklich ein toller See ist zu dem sie fahren und da sie den Anschein machen auf uns zu warten frühstücken wir sehr schnell zu Ende, packen ein und springen ins Auto. Leider kann man das was wir jetzt fahren keine Strasse nennen. Es ist eher eine Geröllpiste und wären nicht diese beiden Autos vor uns, die auch immer schauen ob wir hinterher kommen, würde ich sofort umdrehen. Das erste Hindernis sind die Kühe die durch eine enge Schlucht genau die Straße hinunter getrieben werden, die wir hinauffahren wollen. Diese ist an beschriebener Schlucht sehr schmal und die Kühe wissen nicht wo sie an unserem Auto vorbei sollen. Die Hirten treiben aber beherzt weiter. Das bewirkt bei den Kühen eine kleine Panikattacke, die sich so auswirkt, dass sie sich irgendwie alle auf unser Auto drauf stürzen und irgendwie gleichzeitig versuchen rechts oder links dann noch dran vorbeizukommen. Sozusagen eine Stampede. Das Auto wackelt bedrohlich und obwohl keine Hörner eingesetzt werden, wissen wir, dass wir vor Rückgabe mal wieder polieren müssen. Nerv!

Massenpanik vor unserem Auto


Die weitere Auffahrt benötigt fahrerisches Können von Georgs Seite und viel Nerven von meiner. Irgendwann sind wir auf einem Pass; alle krabbeln aus den Autos machen Fotos mit uns natürlich. Tatsächlich taucht ein Jugendlicher auf, der etwas Englisch kann und wir erfahren dass es noch 10 km weiter geht und dann auch dies nur noch zu Fuß. Obwohl der See auf Bildern toll aussieht, geben wir an diesem Punkt auf. So eine Strecke jetzt noch mal 800 Höhenmeter hinunter zu fahren, scheint uns einfach zu viel Aufwand, wir laufen lieber durch die Berge. Das Picknick (und jetzt Nico kannst du schon mal den Tierschutzverein anrufen) wird übrigens makaberer Weise lebendig auf dem Dachgepäckträger mit geführt. Erst jetzt sehen wir dass dort zwei Schafe draufgebunden sind.

Deswegen, weil der Rest zum See ja zu Fuss geht und das Picknick dann selber hochläuft und wahrscheinlich oben geschlachtet wird. Wir trennen uns von dieser Großfamilie und wandern ein bisschen den Grat entlang. Schade, sie hätten uns wirklich sehr gerne mitgenommen. Aber ich brauche meine Nerven für diese Runterfahrt und hoffe, dass wir herunterkommen und das Auto heile zurückgeben können.

Oben am Pass. Hier geben wir auf.
Da wollten wir eigentlich hin

ich bin heilfroh, dass wir die schwierige Abfahrt samt Auto gut überstanden haben. Jetzt müssen wir doch um die Berge herum fahren.

Eindrücke vom Markt in irgendeiner Kleinstadt

Vis à Vis mit den 7000ern

Es ist unglaublich schön hier wir sind jetzt seit zwei Tagen im Antlitz der 6000 und 7000. Direkt aus der Ebene schiessen diese gewaltigen weissen Berge in die Höhe. Sascha hat wie immer perfekte Touren ausgesucht.

Aussichtsberge vor diesen imposanten Eiswänden. Selbst Georg der über Wind und Staub manchmal jammert kann nur noch den Fotoapparat zücken. Er spricht von dem Höhepunkt der Reise. Doch vielleicht haben wir nur die Eindrücke die uns am Anfang so begeistert haben vergessen, weil sie von neuen überlagert werden. Ich habe noch nie eine solche Landschaft gesehen. Und wenn unsere Reiseberichte auch schon mal etwas mühevoll klangen, ist es denn Aufwand absolut wert. Wir stehen gerade im absoluten Niemandsland, eine Strasse die weiter nach China Xing yang führt aber kaum gefahren wird. Von der sind wir abgebogen über eine holprige Fahrspur und stehen jetzt direkt vor den 6000, die sich in die Höhe erheben. Wir sind auf 3700 m Höhe die Sonne scheint und es ist gemütlich warm, zumindest noch. Mal sehen wie es in der Nacht wird. die letzte Nacht haben wir an einer bizarren Gegend verbracht, wo sich überall hügellandschaft kleine Seen gebildet haben.

Wir sind auf einen bordeauxroten Berg mit fantastischer Aussicht auf den Piic Lenin auf diese bizarre Seenlandschaft.

Roter Aussichtsberg

Bei den Serpentinen den steilen Berg hinauf konnte ich mich nie entscheiden welche von diesen beiden Aussichten mir besser gefällt.

Unten im Tal gab es tatsächlich mal Touristen. Wahrscheinlich in das basislager vom Lenin Peak gefahren spazierten sie dann im Tal ein wenig herum. Dank Saschas Planung haben wir davon mal wieder gar nichts mitbekommen.

An diesem See schlafen wir
Pic Lenin im Hintergrund
An der Grenze zu China
Auf Bilderjagd
Hier frühstücken, weil es in den hohen Bergen zu kalt istq

Am nächsten Morgen wachen wir bei minus 4 auf. Wolken hängen tief über den Bergen. Die heutige Genußtour auf einen weiteren Aussichtsberg sagen wir leider leider kurzfristig ab. Unser Benzinkocher streikt, obwohl wir ihn schon mehrfach auseinandergebaut und gereinigt haben. So packen wir ein und flüchten von den hohen Bergen. Wir scheinen nicht die einzigen zu sein. Überall werden Jurten abgebaut und die Straße ist ständig von Kühen Pferden, Schafen, Ziegen und Eseln verstopft. Ich frage mich wo dieseMassen von Tieren überwintern werden. Wir fahren zurück nach Osch, im Süden des Landes. Ich hoffe dort Campinggas zu bekommen, um statt des Benzinkochers den Gaskocher nutzen zu können. Wäre doch etwas trist in der letzten Woche nur noch kalt zu essen. Zumal uns die hier üblichen Wurst und Käsesorten inzwischen zum Hals raushängen. Sascha ist der schlimmste, er träumt uns immer vor welche europäische Delikatesse er jetzt gerne verspeisen würde

Vom Militär aufgegriffen

Wir haben einen wunderschönen kleinen See gefunden, den wir nur mit ein paar Pferden teilen. Es tut gut mal wieder zu schwimmen und sich den Staub, der überall sitzt abzuwaschen. Der See ist ein kleine Zwischenetappw bevor es zum Pic Lenin und den ganz hohen 7000ern geht.

Die Läden in denen wir einkaufen werden immer kleiner und staubiger und die Auswahl geringer. Wir sind jetzt im tadschikischen Grenzbereich, für den es wieder eine Sondergenehmigung braucht. Sadcha hat sich in den Kopf gesetzt nach Altyn Mazar zu fahren um dort einen 5000er zu besteigen. Das ist ungefähr der weit entfernteste Ort in Kirgisistan den wir von der Hauptstadt Bishkek aus erreichen konnten. Es gibt hier keinen Tourismus und keine Infrastruktur. Wir planen zunächst eine Wanderung in ein Seitental zu einer hohen Eiswand. Als wir unser Auto etwa 109 Meter von einer kleinen Hütte geparkt haben, werden wir vom Hausbesitzer persönlich begrüßt und zum Tee eingeladen. Wir lehnen dankend ab, schließlich wollen wir ja wandern. Kurz drauf schickt er seinen Sohn mit einm Tablett zu uns mit einem selbstgebackenen Brot, Yoghurt und sefrischer Butter. Wir sind sehr gerührt.

Die Freundlichkeit der Menschen hier ist wirklich besobders . Oft werden wir eingeladen und immer teilen die Nenschen hier dass was sie haben mit uns. Wir essen mit Appetit das Brot samt Yoghurt und Butter und füllen das Tablett dann mit Dingen, von denen wir hiffen Ihnen damit eine Freude zu machen: frisches Obst und Gemüse aus tiefer liegenden Regionen und unser selbstgemachtes Aprikosenkompott. Später auf unserer Wanderung treffen wir Vater und Sohn beim Kuhtrieb. Wir versuchen ein wenig Konversation, so erfahre ich, dass die 4 Kinder ab September wieder zur Schule gehen, dass der Sohn die Berge mehr liebt als die Schule und dass die Familie 150 Kühe hat. Der Vater zeigt uns verschiedene Kräuter und ich erfahre dass die Schlange die ich gestern gesehen habe ( und ihm ein Bild auf den handy zeige) sehr giftig ist.


Irgendwann lassen wir die beiden hinter uns und wandern höher Richtung Eisfeld. Doch mir ist nicht gut, ein wenig Durchfall, seit letzter Nacht. Sascha plagt sich schon länger dsmit rum und Georg beginnt am Abend auch. So hat es uns alle ein wenig erwischt. Sascha möchte morgen seine weite Tour machen aber mir ist nach auskurìeren und ausruhen. So wird er denn morgen mal wieder alleine losziehen.

Sascha startet um 5:00 morgens. Man könnte mir einen 1000er schenken. Ich ziehe es vor im warmen Schlafsack zu bleiben. Georg und ich maschieren gemütlich um 10:30 los. Wir kommen bis zu der Stelle, wo Sascha in ein Seitental abgezweigt ist um seinen 5000er zu erreichen. Der Berg sieht gewaltig und glücklich bin ich nicht seine Abenteuer so hautnah mitzukriegen. Doch dann kommen 2 Männer auf uns zu und wollen unsere Papiere sehen. Wir sind wieder im Grenzgebiet zu Tadschikistan aber unsere Papiere liegen im Auto. Wir dprfen nicht weitergehen und werden von dem Grenzsoldaten mit Maschinengewehr zum Auto begleitet. Hier stellt sich heraus, dass unsere Genehmigung für diese Region nicht gilt. Das Sascha, dessen Pass sie auch gesehen haben nicht da ist, passt Ihnen gar nicht. Wir sollen das Gebiet sogort verlassen. Wollen wir aber nicht ohne Sascha. Jetzt sitzen wir zu dritt im Auto und warten auf Sascha. Es ist gerade 1 uhr. Ich rechne frühestens um 4 mit ihm.
Ich sage dann, dass wir was essen wollen was uns gnädig gewehrt wird. Anscheinend bekommen die Soldaten dann auch Hunger.zumindest verziehen sie sich. Ein wenig später schleichen wir uns vom Auto weg zu einer schönen Quelle.

Wo das Wasser aus dem Berg strömt und einen kleinen Badegumpen bildet. Kurz drauf kommt Sascha zum Glück von seiner Bergtour. Er ist sehr begeistert von seinem ersten 5000er ( Bericht folgt)

kleine Brücke über gewaltigen Fluss
passt so gerade
irgendwo rechts um die Ecke ist Sascha drauf gewesen
Bunt gestreifte Berge
Pic Lenin 7135 Meter

Krise in der Reisefamilie

Wir haben ein wenig die Entfernungen unterschätzt, was zur Folge hat, dass wir 2 Tage von morgens bis abends auf schlechten Straßen durchgeschüttelt worden sind. Als wir am ersten Abend einen
2900 Meter hohen Pass erreichen, von dem Sascha am nächsten Tag eine Tour machen will streikt Georg, zu kalt, zu windig und zu ungemütlich. So fahren wir an der anderen Seite hinunter ins Ferghanatal. Doch am nächsten Tag wird es nicht besser. Der südliche Teil Kirgisistans ist dicht bevölkert und der Verkehr ist katastrophal. Man fühlt sich ein bisschen wie in Indien,: Stau, jeder hupt und wenn man nicht schnell genug abbiegt, findet sich auf der einspurigen Abbiegespur plötzlich rechts und links jeweils noch ein Auto, dass einem⁹ beim Abbiegen überholen will. Wir brauchen statt der erwarteten 2h 4 h bis Osch. Dort wollen wir den Markt besuchen. Es soll der größte orientalische Markt sein. Doch wir sind enttäuscht. Für das Obst und Gemüse sind wir wohl zu spät und der Markt ist zwar riesig, aber hauptsächlich mit chinesischer Massenware überflutet. Relativ erschöpft starten wir anschließend die Weiterreise in die Berge. Es soll eine gute Straße sein, weil sie auch von Minenfahrzeugen genutzt wird.

Gut ist relativ. Schlaglöcher in denen man versinken kann, Bodenwellen, dass man seekrank wird und vor allem viel zu weit und zu lang. Ja und die Lkw, die leer hineinrattern und mit Kohle beladen rausrattern und uns so sehr in Staub einnebeln, dass ich zwischendurch am Fluss die Windschutzscheibe mit Wasser reinigen muss, macht die Sache auch nicht gerade romantischer. Endlich um 7:00h abends kommen wir am Ausgangspunkt unserer Wanderung an. Mal wieder auf 3400 Meter Höhe. Es ist kalt und windig. Georg hat keinen Bock mehr! Er schläft in der Nacht kaum, weil er friert und möchte am Morgen die Reise abbrechen.

Wir wandern zu einem kleinen See mit fantastischer Aussicht auf 60 Meter dicke Eishänge eines 5000ers, aber Georg kann der Schönheit der Landschaft nichts mehr abgewinnen. Es macht sich nun bemerkbar, dass die größte Begeisterung für das Land und diese Reise bei Sascha und mir liegt. Georg hat sich davon anstecken lassen aber die Unanehmlichkeiten, die Sascha und ich wegstecken sind für ihn zu beschwerlich. Die Knochen tun weh, es ist für ihn mühsam ins Zelt zu kriechen und nachts raus zu müssen und ja, er ist nun mal ein paar Jährchen älter. Das macht sich bemerkbar. Wir sind etwas ratlos und die Stimmung ist bescheiden. Sascha schlägt vor alleine weiter zu reisen. Er möchte unbedingt noch ein paar Touren machen. Aber so unvorbereitet gefällt uns Eltern das auch nicht. Ich suche eine Zwischenlösung, die möglichst jedem gerecht wird. Zunächst haben wir das so gelöst, dass Sascha seine Sachen gepackt hat und die Straße weiter hinauf getrampt ist, um dort morgen eine Tour alleine zu machen. Georg und ich sind das Tal hinunter gefahren und haben einen wärmeren, geschützteren Platz für uns gefunden, wo wir morgen ein wenig wandern und Sascha uns dann nach seiner Tour hoffentlich wiederfindet. So wollen wir es die nächsten Tage halten. Mal sehen, ob es klappt.

Nach einer warmen Nacht auf 2800 Meter starten Georg und ich eine Bergtour. Es ist sehr schön. Wieder picknicken wir vor der malerischen Kulisse eines eisgepanzerten 5000ers in Gesellschaft einer halbwilden Pferdeherde. Georg zieht es noch weiter hinauf. Mir reicht es und mich zieht es nach unten, wo ich hoffe auf Sascha zu treffen. So gebe ich Georg noch ein paar gute Ermahnungen auf den Weg, keine Risiken einzugehen etc. und wandere die 1000 Höhenmeter zurück zum Auto. Leider noch kein Sascha. So ist nun jeder dieser Familie in diesem großen weiten Land irgendwo anders. Alle Stunde kommt ein Minenlkw vorbei. In jedem könnte Sascha sitzen.

Am Abend sind wir dann alle wieder vereint. Sascha hat ein wenig das Leben der LKW Fahrer kennengelernt, nach dem er 3,5 Stunden mit seinen 30 Wörtern russisch mit einem gefahren ist. Sie brauchen 8 h für eine Fahrt in das Tal. Er war auf einem fast 5000er.(4935m) Es war wohl anstrengend. Georg hat seinen Gipfel auch fast geschafft.

Wunderschöner, einsamer See zum übernachten und schwimmen.

Zwischen Naryn und Osh, Jäger und Badlands

Wir fahren vom Arabelpass hinunter nach Naryn. Das sind 200 Kilometer durch immer wechselnde Landschaften. Während der erste Teil, das Burkhan Valĺey, geprägt ist von einer tundraartigen Landschaft mit Nomadenjurten und Vieh, geht es dann durch Wüstenlandschaft mit gelegentlichen kleinen Oasenartigen Dörfern ( immer dort wo es Wasser gibt)

Kinder für die ein vorbeifahrendes Auto eine Abwechslung ist

Es gibt anscheinend grob geschätzt auf jeden Kirgisen ungefähr 100 Tiere. Es sind unzählige Pferde, Schaf- und Kuhherden, die frei über die steppenartige Landschaft streifen, gelegentlich auch Yaks, Esel und Ziegen. Ich glaube jeder Kirgise kann reiten. Die ganz Kleinen beginnen auf den Eseln.

Nach der Wüstenlandschaft geht es durch eine steile, grüne und wunderschöne Schlucht und wir fühlen uns plötzlich wieder in die Alpen versetzt. In Naryn wollen wir dann für meinen Geburtstag einkaufen aber die „Supermärkte“ geben nicht viel her und nichts Frisches, so besteht das Geburtstagsmahl dann aus Weißkohlsalat, Tomatensalat und ein paar Kartoffeln.

Von Naryn aus fahren wir in eine Marslandschaft mit roten Lehmhügeln, die im Licht der Abendsonne sehr surrereal aussehen.


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Am nächsten Tag lockt uns eine kleine Seitenstraße; die wir ausprobieren ohne etwas darüber zu wissen. Wir landen an einem Felskessel mit einer weiten Aussicht über die Landschaft und das Naryn Tal tief unter uns. Wir versuchen diese Felswand zu durchsteigen, wobei Sascha und ich endlich mal wieder etwas Kletterfeeling genießen können. Wir erreichen eine kleine Spitze, aber die gesamte Felswand scheint doch zu steil und unwegsam.

Plötzlich zerreißen Schüsse und Geschrei die Luft und wir fragen uns, ob hier Wilderer unterwegs sind und wir vielleicht in Gefahr geraten. Zurück beim Auto kommt dann tatsächlich irgendwann ein Jäger auf uns zu. Irgendwie anders als die Hirten, die stets freundlich und zurückhaltend waren, ist dieser sehr aufgedreht, neugierig und uns erstmal nicht geheuer. Anscheinend sucht er seinen Partner mit dem er gejagt hat. Später kommt seine Schwester mit ihren Kindern und ihrem Mann dazu um ihn abzuholen. Die Familie macht ein Picknick und lädt uns ein. Wir versuchen miteinander zu kommunizieren und haben einiges dabei zu lachen. Zum Beispiel: Kirgise: “ germania, Angela Merkel? Ich: niet (nicht) Angela Merkel. Er: Angela Merkel kaputt! Allgemeines Gelächter.
Anscheinend handelt es sich nicht um Wilderer, sondern Wolfsjäger. Anders als bei uns sind Wölfe hier sehr zahlreich und nicht geschützt und haben nicht diesen positiven Ruf wie bei uns. Uns tun die Wölfe natürlich leid. Aber wir wissen nicht, ob sie welche bekommen haben.

Feuertaufe auf einer Level 4 Route (vorletzter Schwierigkeitsgrat von offroadrouten) heiße Quellen und Perlensee

Ein letztes Mal baden wir im Issyk kul, dann geht es wieder in die Berge. Auf einem Markt haben wir uns mal wieder mit frischen Lebensmitteln eingedeckt und den Tank bis zum Rand vollgetankt. 

Diesesmal geht es auf den Arabelpass, 3830 Meter hoch. Von da aus wollen wir dann in die südlichen Teile des Landes. Zu Beginn geht es eine frisch gegradete Minenstraße hinauf. Das ist bequemer, als die üblichen Offroadstraßen, aber nicht so schön und relativ viel Verkehr. Inzwischen sind wir es ja gewohnt auf 100 Kilometern maximal einem Auto zu begegnen. Weil mal wieder ein Gewitter droht, übernachten wir noch im Tal und fahren erst am nächsten Morgen auf den Pass. Von diesem geht es weglos über rutschiges Geröll auf einen 4512 Meter hohen Berg. Wir sind also höher als das Matterhorn.  Ich merke die Höhe, leicht schwindelig krauche ich diesen elend steilen Geröllhang hoch. Ein Schritt vor und dann rutscht einem der Berg die Hälfte wieder unter den Füßen zurück. Es ist mühsam. Georg kämpft auch mit dem schwierigen Terrain. Zwischendurch will ich aufgeben. Zu aufreibend scheint mir das Unterfangen. Nur Sascha sprintet mit einer Leichtfüßigkeit nach oben, da kann ich nur neidisch werden. Nachdem aber 700 von den 830 Höhenmetern geschafft sind, will ich auch ganz nach oben. Die Aussicht ist mal wieder grandios inmitten von Gletscherbergen. Zurück wandern wir aussichtsreich über den Grat, doch der elende Geröllhang ist auch nach unten kein Zuckerschlecken. Während Sascha wie ein Skifahrer im Galopp nach unten wedelt, kraxeln Georg und ich recht mühsam wieder bergab. 

Fazit: Es war schön, muss aber nicht wiederholt werden.

Danach geht es über eine unfassbar weite Hochebene mit vielen Seen, von hohen Bergen eingefasst unschwer zum Arabelpass. Wir übernachten oben am Pass, oberhalb des Arabelsees.

Abendessen kochen in Hagel, Sonne, Regenbogen, Gewitter und dann wieder friedlichem Sonnenschein. Wir genießen die Stille und Weite und zumindest ich krieche um 19:00 Uhr müde und zufrieden in meinen warmen Daunenschlafsack auf den Sternen nahen 3830 Metern Höhe über dem Meer. 

Ich sitze gerade auf dem pass Arabel an einem wunderschönen See und schaue auf einen Berg, den Sascha heute morgen um 5 Uhr angegangen ist. Es ist nach woe vor unfassbar schön in Kirgisistan. Ich genieße es, dass den Augen so viel Raum gelassen wird. Gerade wurde ich beim Schreiben unterbrochen, weil ein Hirte zu Pferd hinter mir aufgetaucht ist. Wir haben ein Schwätzchen gehalten, soweit dass mit meinen russisch Kenntnissen möglich ist. Zumindest weiß ich jetzt, dass die Wölfe seine Schafe auch tagsüber angreifen und er sein Messe rverloren hat ( und meines gerne hätte)wie alt er ist und dass er schonmal in Deutschland war… dann hat er mir „kirgisische Cola“ angeboten. Ich nehme mal an gegorene Schafsmilch. Georg mochte sie nicht aber ich fand es hatte einen interessanten Geschmack. Mein Blick schweift immer wieder zu dem Berg, wo ich Sascha vermute. Ich habe viel Vertrauen in ihn und weiß, dass er vorsichtig und umsichtig ist. Doch wenn ihm was passieren würde, wüsste ich weder genau wo ich suchen sollte, noch wie ich Hilfe organisieren könnte. Die Entfernungen sind soviel größer und weiter, als dass was wir von den Alpen kennen und ich müsste bestimmt 4 h fahren um überhaupt ein handynetz zu bekommen. Und wen sollte ich dann anrufen? Ich glaube nicht, dass esin Kirgisistan eine Bergrettung gibt.

Also lieber entspannen und vertrauen. Der Pass auf dem wir geschlafen haben ist über 3800 meter hoch. Ein Hochplateau mit vielen Seen umgeben von noch höheren Bergen. Morgens war das Zelt gefroren und Georg hatte eine furchtbare Nacht, weil sein Schlafsack nicht warm genug ist.

Ich war noch nie soweit weg von der Zivilisation und die Welt ist einfach leer, leer an Menschen, leer an menschlicher Einflussnahme, kein Müll, keine Häuser, keine Autos, kein künstliches Licht, nichtmals Flugzeuge. Das tut der Seele gut.

Ich fürchte wieder in den Alpen zu sein, die zwar wunderschön aber eben sehr voll sind, wird mir sehr eng vorkommen.

Inzwischen ist Sascha wieder wohlbehalten zurückgekehrt. Wir sind den pass hinunter gefahren durch ein weites, tundrenartiges Tal. So stelle ich mir Landschaften in Tibet vor. Es gibt einige brenzlige Flussüberquerungen. Wir hören von Fahrradfahrern, dass weiter vor uns ein Auto im Fluss steckengeblieben ist. Wir würden gerne zu Hilfe eilen, trauen uns aber den knietiefen reißenden Gletscherfluss, der vor uns liegt selbst nicht zu überqueren. Ist ja auch egal wo wir bleiben und schlagen direkt vor dem Fluss unser Lager auf. wir verbringen den restlichen Tag damit unser Auto zu polieren. Ja ihr lest richtig, und wenn uns dabei jemand beobachtet haben sollte, muss er denken, die deutschen Spinnen ja völlig. mitten auf einer schlammstrasse für uns Schlamm hinter uns Schlamm, waschen ein paar verrückte ihr Auto und polieren es. der Grund : ein paar Kühe fanden unser Auto als einen perfekten Kratzbaum in dieser baumlosen Landschaft und haben sich ausgiebig an unserem Auto gescheuert und haben es mit ihren Hörnern über und über mit Kratzern versehen. wir gehen davon aus dass unser Vermieter, der etwa 150 kleine Kratzer an diesem Auto Mietvertrag vermerkt hat nicht zimperlich mit uns umgegangen wäre. Glücklicherweise stellt sich die polierpaste als hilfreich aus und wir können die meisten Schäden nach angestrengtem polieren beseitigen. Später gesellt sich noch ein französisches Päärchen, was die gleichen Bedenken hat zu uns.

In der Nacht fängt es an zu regnen. Über Stunden. Ich fürchte wir kommen nun vom Regen in die Traufe. Der Plan war den Fluss am frühen Morgen, wenn weniger Schmelzwasser ist zu durchfahren. Nun kommen diese Sturzfluten hinunter. Das ist die nicht so romantische Kehrseite von der Abgeschiedenheit und dem Abenteuer. Wir liegen im Dunkeln im Zelt und können nichts tun. Ob das Tal überflutet wird, Muren abgehen, die ohnehin schon schlammigen Abschnitte und die Flüsse völlig unpassierbar werden. Keine Ahnung. Wären wir gestern weitergefahren, wäre das besser gewesen. Wir sind immer noch auf 3500 meter Höhe und es ist gut möglich, dass wir für länger hier festsitzen. Internet und den aktuellen Wetterbericht gibts natürlich nicht. Es bleibt also nichts als sich schlsflos herumtuwälzen und dem Regen zu lauschen und darauf zu hoffen, dass morgen alles wieder besser aussieht. 1:45 Uhr, der Tegen lässz nach und ich versuche wieder einzuschlafen. Gute Nacht.

Am Morgen ist der Wasserstand nur unwesentlich gesunken. Gemeinsam mit den Franzosen machen wir uns auf den Weg und durchqueren beide wohlbehalten den Fluss. Die beiden haben den gleichen Autovermietee wie wir, haben aber Pech mit dem Auto. Die Batterie scheint hin zu sein und sie können ihren Wagen nicht starten. Zum Glück haben wir Startekabel dabei und können ihnen Starthilfe geben.

Die 40 Kilometer die jetzt kommen sind kein Zuckerschlecken. Durch den Regen der letzten Nacht sind die mudlöcher noch tiefer und schlammiger. Manchmal schleppen wir zu fünft Steine um ein Schlammloch passierbar zu machen, oft schwärmen wir aus um den besten Weg zu finden eine schwierige Passage zu umfahren und diskutieren den besten Weg. Georg ist der erfahrenste Offroadfahrer und entscheidet meistens wo es lang geht. Manchmal geraten wir auf der aufgeweichten Piste ins schleudern, als würde man im Schnee plötzlich bremsen und drehen uns einmal im Kreis.

Die Flussdurchquerungen sind so zahlreich, dass wir sie nicht mehr zählen, geschweige denn uns die Mühe machen sie zu filmen oder zu fotografieren. Wir sind sehr froh auf diesem Stück zu zweit unterwegs zu sein. So kann zur Not einer den anderen rausziehen. Irgendwann treffen wir Vater und Sohn, Vortag in einem dieser schlammlächer hängen geblieben sind, 36 Stunden haben sie warten müssen bis zufällig jemand kam der sie herausgezogen hat. nach 40 km schritttempo und endlosem gehoppel trennen sich unsere Wege aber vielleicht treffen wir uns auch wieder.

Wir biegen in einen Seitental ab um eine heisse Quelle und See aufzusuchen. Die heisse Quelle, untergebracht in einer kleinen baufälligen Baracke erweist sich als so heiss, dass Sascha gar nicht hinein kann, Georg sich aber immerhin mit dem heissen Wasser immer wieder übergiesst und ich nach einiger Gewöhnungszeit es tatsächlich schaffe mich zumindest für 30 Sekunden komplett unterzutauchen. Wie immer geniesse ich es sehr, ich liebe heisse Quellen!

Noch etwas mitgenommen von dieser Hyperthermie machen wir uns auf den 500 m höher gelegenen in 5 km Entfernung weiten Aufstieg zu einem See. Wie immer strengen mich die Aufstiege dieser Höhe von 3500 m mehr an als ich es normalerweise gewohnt bin. Dennoch ist der Aufstieg die Mühe wert, der See oder genauer gesagt die zwei Seen liegen wie Edelsteine in der weiten Landschaft.

Es sind immer diese besonderen wunderschönen Naturphänomene, die uns bezaubern. Es ist schon spät als wir zurückkommen und wir schlagen unser Zelt direkt neben der Strasse auf, was bedeutet, dass tatsächlich ein! Auto vorbei kommt und 2 Reiter in der Ferne.

ganz lieben Dank für eure Kommentare. Wir freuen uns sehr diese zu lesen, und auf diese Weise ein bisschen Kontakt zur Heimat zu haben.

Auf dem Pferderücken und unsere ersten 7000er

Morgens zieht es uns als erstes wieder in die heiße Quelle. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand in dieser weiten wilden Welt im Warmen zu treiben, was will man mehr. Solch eine Quelle im eigenen Garten zu haben…. aber wir werden etwas antriebslos, weil so viel Wohlgefühl jeglichen Grund auflöst irgendetwas zu tun. Da ist es vielleicht besser keine heiße Quelle im Garten zu haben. Wir reißen uns also mühsam los. 

Wir haben leise Zweifel ob der Sprit wohl reicht. Wir sind weit, weit weg von der Zivilisation. Weiter als je zuvor in meinem Leben. Die nächste Tankstelle kommt in etwa 200 Kilometern über einsame Offroad Täler an den Grenzen zu Xinjiang in China und später Kasachstan. Doch zunächst wollen wir das Kaniengital ganz in der Nähe erforschen. Nach wenigen Kilometern schreie ich halt. Ein Bergrutsch hat den Weg zerstört. Er ist zwar notdürftig repariert, aber die schmale Spur die durch das Geröll gegraben ist, ist so schräg an dem steilen Abhang und in der Tiefe der reißende Fluss,  dass ich dieses Experiment an dieser Stelle nicht wagen möchte. Mühsam quälen wir unser Auto rückwärts, bis wir an geeigneter Stelle wenden können. Es geht zu Fuß weiter.  Mal sehen wie lange Saschas Fuß das mitmacht. Wir kommen nach 30 Minuten an eine kleine Hirtenunterkunft. Es grasen 3 Pferde dort. Wie toll, wenn man die leihen könnte…. Na ja aber meine Sprachkenntnisse reichen dafür definitiv nicht aus.

Was hieß nochmal Pferd? Und was hieß leihen? Keine Ahnung. 

Aber wir könnten es ja versuchen? Gesagt, getan. Am Haus sind 4 mehr oder weniger zahnlose Männer, die uns mit Handschlag begrüßen. „Straßtwutje“ ( Guten Tag) das geht schon mal. „Atkuda?“ „Germania“ das geht auch. Jetzt wird es schwieriger:“ u vas yest 3 „(haben sie 3, zeigen auf ein pferd) jetzt ahmt Georg  gekonnt Reitbewegungen nach und ich zeige das Tal hinauf. Der Pferdebesitzer ist zunächst ablehnend, „niet vremini“ ( keine zeit) die anderen 3 sind zuversichtlicher. Also „dwa oder tri cechass? “ 2 oder 3 Stunden? „Da“ (ja) aber „tolka dwa Pferde?“ Sascha und ich sollen uns eins teilen und einer der Hirten kommt mit. Wunderbar es klappt. Bei der Frage was es kosten soll, sagt der Pferdebesitzer „patom“ (später). Und so dürfen wir nach wenigen Minuten vom Pferderücken aus das Tal erkunden. Es geht gemütlich das Tal hinauf, die Vegetation ist spärlich, ab und zu geht’s durch uralt schattige Birken, der wilde kaniengifluss neben uns, hoch oben die vergletscherten Berge. Es ist heiß und wir genießen diesen Ritt in vollen Zügen.  Soweit wären wir zu Fuß nie gekommen. Endpunkt ist ein Lager in dem sich Russen niedergelassen haben. Uum Glück keine politischen, ein Russe übersetzt, dass die Pferde jetzt eine Pause brauchen bevor es wieder zurück geht. Der Risse hat für eine deutsche Firma gearbeitet und kann ein wenig deutsch.

Als wir wieder zurück beim Hof sind, werden wir in due Hütte gebeten und bewirtet. Es gibt einen leckeren Hammeleintopf, Brot, Nudeln, Fleisch und Tee. Zusammen mit den Hirten essen wir und versuchen weiter eine bruchstückhafte Unterhaltung. Als ich zum Ende etwas bezahlen möchte, sagt der Pferdebesitzer ya ne snaju ( ich weiß nicht) Ich glaube wir waren die ersten Touristen die mit diesem Ansinnen auf ihn zukamen. Ich lege 1500 som auf den Tisch, etwa 19 € und er scheint einverstanden. Wir wandern hochzufrieden zurück zu unserem Auto und freuen uns über die Ursprünglichkeit die wir genießen durften. 

Es geht weiter zum Ak Tog Pass durch das obere Sari Jaz Tal. Auf eine enge Schlucht durchströmt von einem reissenden Fluss folgen  endlose grasbedeckte Berghänge, die sich bis zum Horizont in seichten Wellen erstrecken.  Dahinter treten eisbedeckte Felsriesen in Erscheinung. Doch auch sie sind nur die Vorhügel des eigentlichen Kammes, der aber, obwohl noch einmal 2000Meter höher, verborgen bleibt. Ich wiederhole mich, wenn ich atemberaubend schreibe. Es fehlen einfach die Worte dies unfassbare Weite zu beschreiben. Während wir vor 2 Tagen von der engen Schlucht fasziniert waren, fühlen wir uns jetzt in die Mongolei versetzt. Kann man geblendet von der Weite sein? Dann sind wir wirklich geblendet.

Wir passieren wieder einen checkpoint, die Soldaten sind sehr freundlich, wahrscheinlich erfreut über die Abwechslung. Zumindest wir haben auf den 45 Kilometern bis hierhin nur ein weiteres Auto, einen Militär laster gesehen. Am nöchsten Morgen wollen wir einen weiteren 4300 Meter hohen Berg mit beeindruckender Gletscherkuppe besteigen. Doch obwohl am Morgen die Gipfel in strahlendem Glanz leuchten und alles gefroren ist, beginnt es dann leise zu regnen und wir harren im Zelt aus um auf besseres Wetter zu warten.

Es regnet. In den Vormittagsstunden haben Sascha und ich bei tiefhängenden Wolken noch einen kleinen Berg bestiegen aber ab Mittag hat es sich eingeregnet. Wir sitzen hier fest, denn bei Regen den Pass zu befahren wäre zu gefährlich. Die Flüsse die durchquert werden müssen, sind sicherlich zu angeschwollen, vielleicht liegt weiter oben auch frischer Neuschnee. Aufjedenfall wird die „Straße “ zu matschig und gefährlich sein. Es gibt hier natürlich kein Internet und somit keine Möglichkeit einen Wetterbericht zu empfangen. Zu Hause macht sich vielleicht schon jemand Sorgen, weil es seit Tagen keine Nachricht von uns gibt. Gür uns heißt es einfach abwarten und auf besseres Wetter hoffen. Lebensmittel haben wir genug nur Trinkwasser wird knapp. Vielleicht sollten wir Regenwasser aufsammeln?

Doch dann am Abend reißt mit einem Mal der Himmel auf. Durch dunkle Wolken brechen die letzten Sonnenstrahlen und tauchen die Landschaft in ein überirdisches Leuchten. Die Mühsal den ganzen Tag wie drei Ölsardinen im Zelt bei klammer Nässe und Kälte ausgeharrt zu haben ist vergessen angesichts dieses besonderen Glanzes in dem die, den ganzen Tag in Wolken verhüllten Berge jetzt mit einem Mal erstrahlen. Die grünen Hügelweiten davor, teilweise angestrahlt, teilweise dunkel geben eine erstaunliche Tiefe und wir können uns nicht satt sehen an dieser verzauberten Welt. Wohlgemut kriechen wir nachdem das letzte Leuchten verglüht ist ins Zelt, morgen gibt es schönes Wetter- glauben wir.

Als ich morgens um 5:30 h aus dem Zelt schaue, liegt die gleiche düstere Wolkendecke auf dem Land wie am Vortrag.  Oh nein, nicht noch ein Tag im Zelt festgekettet. Im Moment regnet es nicht. Ich scheuche die beiden anderen auf und 30 Minuten später haben wir die nassen Sachen gepackt und fahren weiter Richtung Pass. Due Straße ist katastrophal. Aufgeweicht vom Regen, mit tiefen Matschlöchern, von denen man nie weiß wie tief sie sind. Nach einer halben Stunde szehen wir im dichtestem Nebel auf dem Ag Tok Pass.  Von hier sollte man eigentlich die 7000der sehen aber die Sicht reicht kaum 20 Meter weit. Sascha findet auf unserer alten russischen Karte einen Berg, der sich links neben uns befinden soll der 3700 Meter hoch und damit 300 Meter höher als der Pass ist. Der Gipfel könnte ja über den Wolken sein, vielleicht…

Ich bin sofort bereit es zu probieren.  Also die Wanderschuhe an und hinsus in den dichten Nebel.

Man sieht nichts! Nach 50 Metern ist das Auto verschwunden. Ohne GPS wäre es unmunmöglich sich zu orientieren, geschweige denn das Auto wiederzufinden. Doch Mithilfe des GPS ist es möglich. Plötzlich gaĺlopiert aus dem Nebel eine Pferdeherde auf uns zu. Sie erschrecken und nehmen reißaus. Dann gibt es erste Löcher im Nebel und die Sonne kommt durch. Am Gipfel sind wir ganz knapp über der Wolkendecke und haben eine wunderbare Sicht auf die 7000der. Erhaben und majestätisch stehen Sie da. Größer als alles, was wir bisher je an Bergen gesehen haben.