Die letzte Woche in Kirgisistan

Wir sind in unserer letzten Woche in Kirgisistan. Zwei Tage haben wir an dem Stausee Toktugul verbracht, dort war es heiß und wir konnten einfach mal abhängen, das hat sehr gut getan.

Der See liegt in einer wüstenähnlichen Badland- Landschaft. Tagsüber geht kein Windhauch und die Wasseroberfläche ist spiegelglatt. Zum Abend kommen Wind und Wellen.

Abendessen am Strand

Schatten ist nötig

Mal wieder polieren wir an unserem Auto Kuhschrammer von der letzten Kuhmassenpanik weg. Es tauchen 2 Schweizer auf, die sich sehr über die verrückten Deutschen wundern. Wir kommen ins Gespräch und stellen schnell gegenseitige Sympathie fest. Nach einem gemeinsamen 2. Frühstück haben wir Tipps ausgetauscht und machen schon Späße miteinander. Die beiden sind als Bergsteiger unterwegs und von daher für Sascha sehr interessant. Als wir uns verabschieden laden Sie ihn ein, in die Schweiz zu kommen und vielleicht mal eine gemeinsame Tour zu machen. Es fällt uns schwer, uns vom See loszureißen. Einfach mal fast nichts tun hat schon etwas.

Aber nach 2 Tagen wird es langweilig. Irgendwo vor dem Toktugulpass, der uns wieder zurück nach Bishkek führen wird, biegen wir eine Schotterpiste in ein Seitental ab. Sascha hat auf der Karte einen See entdeckt, wo wir hinlaufen wollen. Am Ende des Weges stehen ein paar Jurten. Gerade haben wir die Bergschuhe an als ein älterer Kirgise kommt und uns in seine Jurte einlädt. Also Schuhe wieder aus.
Gemütlich ist es in seiner Jurte, alles mit bunten Decken, sowohl an den Wänden wie auf dem Boden ausgelegt, in der Mitte ein großer noch nicht abgeräumter Fühstückstisch um den wir auf dem Boden sitzen. 3 seiner kleinen Enkelkinder sind bei ihm und bestaunen uns neugierig.

Wir bekommen mal wieder gegorene Stutenmilch, die meinen Magen 2 Tage beschäftigen wird.

Wir bekommen fleißig Kumiss, gegorene Stutenmilch eingeschenkt und er erklärt uns wie unglaublich gesund dieses Getränk sei. Seine Enkeltochter habe es sehr hübsch gemacht und gewachsen wäre sie auch. Sascha muss 2 Schalen trinken, damit er Kraft in den Bergen hat. Er ist erstaunt, dass Sascha mit seinen 18Jahren noch nicht verheiratet ist und schlägt gleich vor es doch mit seiner Enkelin zu versuchen (Sie ist etwa 5.) nur ein Spaß, er lacht selber herzhaft darüber. Er selbst zumindest trinkt niemals Tee, sondern immer nur Kumiss und als er hört dass ich nur zwei Kinder habe (Gasha du musst jetzt gerade auch als meine Tochter herhalten, das bekomme ich auf russisch nicht anders hin) meint er das liegt auch zweifelsohne an der fehlenden Stutenmilch. Und als ich dann noch mit meinem Enkelchen aufzutrumpfen versuche, meint er hätte zehn Enkel…

Kühe und Pferde gibt es in allen Musterungen, aber gepunktet wäre vielleicht eines für Pippi Langstrumpf

Nun irgendwann kommen wir dann doch los und laufen durchs Tal zu einem türkisen See. Sascha macht mal wieder einen Gipfel im Alleingang und wie immer bin ich nervös. Man verliert jemanden so schnell aus den Augen und Berge sind so groß, ich wüsste nie wo ich ihn suchen sollte, wenn mal was schief geht. Das Schweizer Pärchen hat uns ein GPS Gerät mit Satelliten Notfall Nachrichten empfohlen. Das funktioniert auch da wo Handys kein Empfang mehr haben. Ist zwar nicht ganz billig, wird er aber für die Weltreise auf jeden Fall verpasst kriegen.

Bis wir die Tour beendet haben und einen Zeltplatz suchen können, steht die Sonne schon tief, kein Wunder wenn man bedenkt wie spät wir dank des gastfreundlichen Hirten losgekommen sind. Wir finden zwar einen Platz, aber es ist kühl und ungemütlich trotz der geringen Höhe. Ein vorbeikommender Reiter erklärt mir, dass es am nächsten Tag regnen und noch kälter werden wird. Etwas missmutig blucken wir dem nächsten tag entgegen. Ich fange an, mich sehr auf zu Hause zu freuen: Ein Frühstückstisch, leckeres selbstgebackenes Baguette, ein gemütliches Bett, eine Badewanne, mein armer verdorrter Garten. Wir sind jetzt so lange unterwegs und ich habe keine Lust mehr, jeden Abend das Zelt aufzubauen in dem Auto herum zu wühlen um irgendetwas zu finden, den ganzen Staub zu ertragen.

Die Wanderung am nächsten Tag wird im Schneetreiben beendet. Es gibt zwei Tage schlechtes Wetter. Wir flüchten schleunigst aus dem Bergen und decken uns auf einem Markt mit massenweise frischem Obst ein, ein Eimer Pflaumen, ein Eimer Aprikosen, zwei Kilo Himbeeren ( für umgerechnet 2€). Unten im Tal ist es wieder heiß.

Zu spät, jetzt müssen erstmal die Schafe durch den 3 Kilometer langen Tunnel. Als nach einer dreiviertel Stunde die Durchfahrt wieder frei ist, überholen uns 6 Autos rechts und links um als erste in den Tunnel zu gelangen.

Noch ist das Wetter gut.

Schneeregen bricht die Wanderung ab.

Wieder im Tal

Wir biegen wieder in ein neues Tal ab und halten tapfer durch, die letzten Tage in Kirgisistan.

In dieser Nacht bekommen wir zum ersten Mal in Kirgisistan unerwünschten Besuch. Mindestens zwei Männer rütteln an unserem Zelt und leuchten mit einer Lampe. Mit lauten, bösen Schreien vertreiben wir sie. Keine Ahnung, was sie wollten. Vielleicht ausrauben? Vielleicht hat es damit zu tun, dass der Weg an dem wir stehen nach Kasachstan führt. Schmuggler? Vielleicht aber auch nur neugierige Leute.

Ein Gedanke zu „Die letzte Woche in Kirgisistan“

  1. Liebe Abenteurer*innen,
    das war ja eine spannende Reise durch eine überwältigend schöne Landschaft (obwohl es live bestimmt noch tausendmal eindrücklicher ist)! Nun wünsche ich euch, dass ihr die letzten Tage noch genießen könnt und gut zuhause landet. Zumindest die Schulferien-Rushhour auf den deutschen Flughäfen dürfte ein Ende haben. Und dann ab in die warme Badewanne und ins weiche Bettchen hüpfen 🙂
    Ich freue mich sehr auf unser Retreat und dich, Andrea, wiederzusehen.
    Alles Liebe und Gute
    Martina

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