Aller Anfang ist schwer

Aller Anfang ist schwer

Nova Skotia hatte uns mit sonnigem frühlingshaftem Wetter empfangen. Die Menschen hier sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Als wir am Flughafen nach dem passenden Bus suchten, brachte uns eine Frau fast bis zur Haustür unserer gebuchten Privatunterkunft. In einem kleinen gemütlichen Holzhaus verbrachten wir bei einem sehr netten jungen Paar unsere erste Nacht. Wären wir nicht so süchtig endlich in die Wildnis zu kommen, wäre es fast schade diese Menschen nicht ein wenig besser kennen zu lernen und ein paar Tage Halifax kennen zu lernen.

So aber hatten wir am Morgen schnell die Formalitäten erledigt, um unser Auto abzuholen, deckten uns mit Essen und Trinken ein und fuhren ans Meer.

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Ein toller Strand, aber windig und daher kühl. Sascha baute begeistert Sandburgen, die Eltern versuchten den etwas fehlenden Nachtschlaf der Reise nachzuholen. Ein Übernachtungsplatz zwischen Meer und Fluss, zwar direkt an der Straße doch für den Beginn sollte es reichen.

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Wir sind noch etwas paranoid von unserer Allgäuer Bauernerfahrung, der uns wie aussätzige Schwerverbrecher behandelte, weil wir es wagten auf seiner Wiese zu zelten. So erschrecken wir noch, wenn jemand hält und auf einen Schwatz zu uns kommt. Stattdessen sind die Menschen hier einfach interessiert an uns und unserem unüblichen Auto und laden uns ein zu einem Kaffee oder einer Dusche oder geben uns ihre Telefonnummer, wenn wir Hilfe bräuchten. Verglichen mit dem zugeknüpften Europa, wird uns hier mit sehr viel Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft begegnet. Wirklich jeder den wir treffen beginnt einen kleinen Schwatz.

Am zweiten Tag unternahmen wir eine lange Küstenwanderung. Sandbuchten, glattgeschliffene Granitfelsen, offene Tundralandschaften und zerzauster Krüppelwald durchsetzt von kleinen Tümpeln wechseln sich ab. Unterwegs treffen wir ein Stachelschwein, das sich aber nicht ausgiebig fotografieren lassen will. Leider schlägt zum Abend das Wetter um. Feiner Nieselregen und Nebel. Wir fuhren nach Halifax um uns mit dem fehlenden Outdoorequipment einzudecken um dann in den ersten Nationalpark Kejjummekojje zu fahren. Wir hoffen auf besseres Wetter. Mal sehen….

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Inzwischen sind wir in Kanadas Wildnis angelangt. Ein Wald so dicht, dass man nach wenigen Schritten völlig die Orientierung verloren hat. Wildspuren am Strand, aber Wild schrecken wir schon in der Ferne auf und wir sehen es nicht.

Es geht nicht alles glatt. Unsere Gasversorgung funktioniert nicht. Nach stundenlangem suchen hatten wir eine der zwei Stellen gefunden, die Gas verkaufen. Doch unser Adapter oder Schlauch ist undicht, dies hat zur Folge, dass sobald wir im Wagen kochen oder heizen ein durchdringender Gasalarm losgeht. Also keine Heizung und kochen draußen. Dauernd geht uns etwas verloren, oder das Navi funktioniert nicht, oder der Schlüssel für den Dachträger geht unwiederbringlich verloren. wir sind noch nicht wirklich eingespielt und relativ schnell nervös. Es ist sehr ungewiss ob dieses deutsche Gassystem sich in Kanada reparieren lässt….Ein Kanu haben wir auch noch nicht gekauft, weil es uns doch sehr groß erscheint und wir nicht wissen, ob wir das Dach mit unserer Popupkabine noch hochgestemmt bekommen.

Unsere erste Offroadstrecke samt Abenteuer haben wir schon hinter uns. Per Navi hatte ich eine nette Abkürzung durch den wilden Wald ausgewählt. Anfangs eine ordentliche Gravelroad, wurde der Weg schnell immer schmaler und enger, wenden unmöglich, hätten wir nur die Wahl gehabt einige Kilometer rückwärts. Egal, wir waren alle drei offen für ein kleines Abenteuer. Sascha und ich liefen vor und hinter dem Wagen, hielten die dicksten Äste zur Seite. Dann ein dicker Baum, der den Weg versperrte. Zum Glück hatten wir Saschas neue Säge dabei. Während die beiden Männer munter sägten (Sascha total begeistert endlich seine neue Säge auszuprobieren), ging ich den Weg weiter erkunden, ob noch mehr solcher Hindernisse auf uns warteten. Nach einer Viertelstunde kam mir in den Sinn, dass ich mutterellenallein durch Bärengebiet stapfte. Aber die waren gerade woanders unterwegs. Schließlich fanden wir eine nette Lichtung zum Übernachten….um kurz darauf festzustellen, dass jeder von uns ca. 30 Monsterzecken auf sich krabbeln hatte! Doch kein netter Platz. Wir fanden dann einen freien Schotterplatz, nicht Mücken aber doch zumindest weitestgehend zeckenfrei. In der Nacht ein solches Unwetter, dass aus dem ganzen Platz ein See wurde… Vielleicht sind wir doch zu sehr Weicheier für die echte Wildnis???

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