Bären hautnah

In den kanadischen Rockys, dem Waterton Lakes National park finden wir wieder wunderbar Einsamkeit. Wenn wir den Rangern ausführlich genug erzählen was wir suchen und was wir können geben sie uns Empfehlungen über unmarkierte Wege, auf denen wir meist völlig alleine sind. Lange und steile Wanderungen sind das. Einen Tag klettern wir auf einen Berg, der sogar ein Gipfelbuch hat, in den letzten 3 Jahren sind knapp 50 Menschen hier gewesen. Das ist sehr nach unserem Geschmack. Die Aussicht auf diesen Gipfeln ist so überwältigend, dass es schon schmerzt – Im Waterton haben wir dann auch unser erstes echtes aufregendes Bärenerlebnis. Auf dem Heimweg nach einer langen Tour sieht mal wieder unser Adlerauge Sascha noch in der Ferne 3 schwarze Wesen. Nein, Hunde sind es nicht, sondern eine Schwarzbärmutter mit ihren zwei Jungen, die uns seelenruhig auf dem Wanderweg entgegen trottet. Das ich ihr nun mit meiner dunkelsten Stimme lauthals erkläre, dass Sie bitte den Weg freimachen soll, beeindruckt sie nicht sonderlich. Sie kommt stetig weiter auf uns zu. Nur ihre beiden vorwitzigen Kinder stellen sich auf die Hinterbeine und schauen voller Neugier auf uns. Was tun? Der Weg ist hier einen Meter breit, rechts und links Wald. Bisschen eng um an einem Bären vorbeizugehen, von dem man laut Ranger mindestens 100 Meter Abstand halten soll. Ich zücke das Pfefferspray, Georg den Fotoapparat, das Herz klopft, wir werden noch ein wenig lauter und krakeelen herum, wie es sonst in der Bergwelt eigentlich nicht unsere Art ist.

Schließlich bequemt sich die Bärendame doch ins Gebüsch auszuweichen. Ist sie wirklich weg? Keine Ahnung, das Gelände ist sehr unübersichtlich. Sehr wachsam gehen wir weiter. Und siehe da, als wir an die Stelle kommen, wo sie ausgewichen ist, sitzt sie nur wenige Meter von uns entfernt grasend im Gras und mustert uns. Ihre Kinder, wohl wegen unseres Gelärms ein wenig vorsichtiger, haben sich weiter oben am Waldrand in Sicherheit gebracht. Sie scheint sich nicht auf uns stürzen zu wollen um ihre Kinder zu verteidigen, sondern ist entspannt am grasen. Wirkt eigentlich nicht sehr bedrohlich auf uns, obwohl wir viel zu nah sind. Wir wagen es ein paar Fotos zu schießen, was sie auch nicht sonderlich interessiert. Unsere Müdigkeit vom langen Wandern und die schmerzenden Füße sind wie weggeblasen, hellwach und sehr begeistert beenden wir diesen erlebnisreichen Tag.

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Inzwischen hat Sascha seine Bärenwette gewonnen. 9 Bären haben wir gesehen und natürlich ist keiner von uns traurig, dass er gewonnen hat. Wahrscheinlich werden es im Laufe der Reise sogar noch mehr.

Leider machen Saschas Füße die extrem langen Wanderungen nicht mehr mit. Er hat vorne und hinten blutige Blasen und hat die letzte Bergtour halb in Sandalen gemacht, was aufgrund des extrem steilen Terrains auch keine gute Lösung war. Bei der letzten Bergtour hat uns unsere Kletterin Gasha sehr gefehlt. Nur 100 Höhenmeter zum Gipfel fehlten, waren aber ohne Seil und Sicherung nicht zu bewältigen. Sascha war sehr unglücklich. Ich mache mir manchmal leise Sorgen, welche Risiken er als junger Mann eingehen wird, nur um irgendeinen Gipfel zu erreichen. Jetzt hört er ja noch auf mich, aber mit 20 wird er wohl kaum noch zurückschrecken, wenn seine Mutter sagt das sei zu gefährlich. Ich hoffe da mal auf den Einfluss seiner vernünftigen großen Schwester…

Wir machen jetzt mal eine Zwangswanderpause um Saschas Füße auszukurieren, doch das fällt uns allen schwer.

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