Weggeblasen in der Windriver Range

Wir wählen den steilen Weg auf den Table mountain. Das ist uns lieber als ein langer Aufstieg durchs Tal. Nicht so einsam wie erwartet, besteigen diesen Berg, der so wunderschöne Aussicht auf den Grand Teton bietet auch Familien mit ihren relativ kleinen Kindern. (1200 höhemeter und es ist mal wieder heiß) Ich kann mich nicht erinnern, dass wir so etwas unserem 6 jährigen Sohn angetan haben. Auch Jugendcamps aus den hier in der Nähe liegenden Sommerlagern sind unterwegs. Sascha muss sich mit den 14 Jährigen natürlich ein Wettrennen bieten und kann es kaum ertragen, dass seine Mutter da leider nicht mit hält.

Da trägt man sein Kind jahrelang die Berge hoch, ermuntert es, bespielt es, damit der Aufstieg ihm nicht zu lang wird, bietet jederzeit etwas zu futtern an, damit das Bergerlebnis auch ja positiv ist. Was ist der Erfolg: Kaum beginnt es dem Kinderstatus zu entwachsen, wird man erbarmungslos die Berge hinauf gehetzt. „ Wie Mama, du kannst nicht schneller?“

Die Aussicht ist mal wieder grandios.

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Die Tetons sind zwar kein großes, aber ein sehr steiles Gebirge. Von unserem schlimmer Erlebnis auf der Weiterfahrt nach dieser Tour habe ich ja schon erzählt. Am Abend möchte Sascha noch seinen Juniorranger im Grand Teton machen. Doch dieses mal beißen wir auf Granit. Voraussetzung dafür ist die Teilnahme an einem Kinderprogrmm mit einem Ranger. Es gäbe auch noch eins – 50 Meilen entfernt.Irgendwie leiden diese Ranger an einer Überbewertung ihrer selbst und ihrer eigenen Wichtigkeit. Mir tut mein Kind leid, was sich nur um diese Plakette zu kriegen mindestens 2 Stunden durch das Booklet gekämpft hat um diese Aufgaben zu lösen und damit vor allem seine Eltern genervt hat, die ständig unverständliches vom englischen ins Deutsche übersetzen mussten. Ich würde zwar eigentlich diesem bier ernsten Ranger am liebsten einen Vogel zeigen, stattdessen becirce ich ihn ein wenig und er gibt uns ein weiteres Aufgabenheft, mit dem wir uns durchs Visitorcenter kämpfen, um dann schließlich die von Sascha ersehnte Plakette zu erlangen. Ich hasse Nationalparks! Die spinnen, die Amis!

Ich weiß, ich wiederhole mich aber diese Nationalparks sind mir zu voll, zu überreguliert, zu eng. Die Ranger nehmen sich selbst zu wichtig. Alles wird vermarktet und ich rate jedem der die Natur liebt einen großen Bogen um jeden amerikanischen Nationalpark zu machen.

Wir hatten für den nächsten Tag eine weitere anstrengende Tour geplant. Doch wir verschlafen und über den Bergen hängen bedrohliche Gewitterwolken, die zwar fotografisch sehr szenisch sind, aber in den Bergen sicherlich wenig Freude bereiten. Stattdessen beobachten wir Büffel und Pronghorns und schwimmen in einer zwar nicht heißen, aber doch sehr warmen wilden Thermalquelle.

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Dann kehren wir Grand Teton den Rücken und fahren in die windriver Range, einem Wildernisgebiet, dem nachgesagt wird es sei das schönste Gebiet der amerikanischen Rocky mountains. Während die Nationalparks überreguliert sind, ist in den National Forest gebieten alles oder fast alles erlaubt. Das hat seine guten und natürlich auch seine problematischen Seiten.

Für uns ist es das Gefühl wieder frei atmen zu dürfen. Man darf z.B. einen Stein aufnehmen und mit nach Hause nehmen.(Streng verboten in National parks) wir finden einen wunderschönen Stellplatz am Greenriver, auf dem wir weiter südlich vor 6 Jahren mal gepaddelt sind. Der restliche Tag wird mit schwimmen, lesen, Yoga, Feuer machen verbracht.

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Am nächsten Morgen starten wir zu den Twin Lakes. Zwillingsseen, die mit einem nur minimalen Höhenunterschied direkt nebeneinander liegen. Zu Hause hatte ich mir einen Wanderführer von der windriver Range gekauft mit dem Resultat mir eine Wandermöglichkeit zu suchen, die nicht beschrieben ist. Wie erhofft wandert hier kein Mensch und die Bergseen geben eine wunderbare Postkartenidylle. Gerade als ich mich für mein übliches eiskaltes Gebirgsseebad ins Wasser tauchen will, hören wir etwa 300 Meter über uns am anscheinend unwegsamen Col Stimmen. Kurz tauchen zwei Gestalten mit einem Hund auf. Also muss es einen weglosen Weg geben. Wenn ein Hund dabei ist, kann es sich auch nicht um Bergsteiger handeln. Was ein Hund schafft, schaffen wir sicherlich auch. Die Abenteuerlust ist gepackt. Wir beenden rasch unser Mittagsmahl und suchen den leichtesten Aufstieg nach oben. Nach etwa einer Stunde und leichter Kletterei, die auch Georg locker bewältigt, finden wir uns auf dem Gipfel und haben tolle Aussicht auf die vor uns liegende Windriverrange. Steile Gipfel, von Gletschern blank geschliffene Wände und Bergseen in allen Farben. Kurz : einfach wunderschön.

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Allzu lange verweilen können wir leider nicht, denn der Rückweg ist weit. Inzwischen sind wir gut eingelaufen, aber saschas Bergschuhe machen ihm solche Blasen, dass er lieber in Sandalen geht und meine Füße tun nach 20 Kilometermärschen und aufwärts auch trotz der neuen Einlagen sauweh. Unser wunderschöner Schlafplatz, der die Note 1 plus verdient hat, direkt am grünen Greenriver in welliger Prärielandschaft zum Fuße der windriverrange ist auch noch frei. Mit Spaghetti und gegrillten Marshmallows beschließen wir den Tag. Eine Eule setzt sich auf einen Baum in unserer Nähe und begutachtet unser Abendessen. In der Nacht heulen Coyoten und wir sind rundum zufrieden.

Die windriver Range gefällt uns so gut, dass wir am südlichen Ende noch eine Wanderung unternehmen wollen. Der Tag, den es braucht vom nördlichen zum südlichen Ende zu fahren ist eine willkommene Erholungspause zwischen den anstrengenden Wanderungen. Wir wählen eine Abkürzung durch wüstenähnliches Sagebrushland über Dreckstraßen und finden uns vor Feldwegen, die im Nichts versanden. Das Navy hat uns in die Irre geführt.

Am Trailhead angekommen sind wir etwas enttäuscht. Es ist das letzte Ferienwochenende der nördlichen Bundesstaaten und alle Amis sind mit ihren Quads und Trailern unterwegs. Aber die Landschaft sieht hier so gar nicht gebirgig aus. Hügelige Kiefernwälder mit einem grünen Teppich aus huckleberrypflanzen, viele (überfüllte) Seen. Aber wo sind die Berge???

Nun gut, nachdem wir 100 Kilometer Umweg auf uns genommen haben um hier hin zu gelangen, werden wir hier auch wandern. Es geht zum islandlake. Ein großer Bergsee mit vielen kleinen glattgeschliffenen Felsinselchen, auf denen ein paar Kiefern wachsen. Der Weg ist „mal wieder“ weit und wir hoffen einen Aufstieg aus dem Felskessel zu finden, in dem der See liegt.

Unsere Routenfindungsfähigkeiten und insbesondere die von Sascha sind inzwischen sehr gut. Wir debattieren hin und her, wo man am besten hochkommt. Und als wir das Blockfeld hochklettern finden wir oben tatsächlich Steinmännchen. Wir sind also nicht die ersten, die diesen Aufstieg gewählt haben. Inzwischen wissen wir auch, woher die Wind River Range ihren Namen hat. Wir befinden uns auf 2800 Metern Höhe und es fegen sturmartige Böen über die Berge. Auf dieser Höhe ist das echt kalt und wir ziehen uns alles was wir haben an.

Sascha maschiert stoisch weiter den Berg hinauf und es ist wirklich unangenehm. Ein wenig erinnert es mich ans Slackline gehen. Während die Slackline unkontrolliert (zumindest bei uns Anfängern) hin und her wackelt, während man das Gleichgewicht zu halten versucht, torkeln wir hier ein wenig wie Betrunkene den Berg hinauf. Mal stemmt man sich gegen den Wind, dann schwächt sich die Böe kurzzeitig ab und man hat Mühe das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Als wir oben am Grat ankommen, bin ich völlig erschöpft. Am Grat selbst kann man nicht stehen, ohne umgeblasen zu werden. Wir sind auf 3500 Metern und essen frierend unser lunch.

Der Grat reicht natürlich noch nicht. Weitere 3 Kilometer diesen Grat entlang lockt ein Gipfel, der uns bessere Rundumsicht verschafft. Nach der Stärkung geht es etwas leichter und wir erklettern den Roaring Fork mountain. Es gibt sogar ein Gipfelbuch!!! Vor einem Jahr war der letzte Mensch hier oben und wir sind (zumindest nach Gipfelbuch) die deutschen Erstbesteiger. Hier oben ist der Wind nicht mehr so schlimm, wie auf dem Col und es ist auch möglich die Kamera einigermaßen ruhig zu halten um ein Foto zu knipsen ohne umgeblasen zu werden. Einer unserer Vorbesteiger schreibt ins Gipfelbuch: Wie froh wäre ich jetzt wieder bei meinem Auto zu sein…. Er hat recht. Der Weg ist heute unendlich weit. Wir befinden uns auf 12250 Fuß, laut Sascha irgendwas zwischen 3600 und 3700 Metern, die Kilometer gehen an die 25 und der Wind tut sein übriges.

Der Rückweg wird uns noch von einem Elch, der erstaunlich wenig Angst zeigt und sich sogar hinlegt, obwohl wir in der Nähe sind und ein paar Wapitis versüßt. Trotzdem sind wir völlig am Ende, als wir unseren Pickup erreichen. Schnell was essen und dann ins Bett kriechen. Es ist gerade 20.45 Uhr, als wir alle in den Erschöpfungsschlaf fallen. 1700 Höhenmeter haben wir zurückgelegt. Das ist mir eindeutig zu viel. Trotzdem war es schön. Aber jetzt steht mal was anderes an, als uns in den Bergen zu schinden. Wir machen uns auf zur Flaming Gorge. Dort sollte es wärmer sein und wir wollen ein wenig durch die Schlucht paddeln und uns ausrzuhen. Heute ist schon der 18.08.. Es sind auch noch 1200 Kilometer bis Denver zurück zu legen und die Zeit ist ja (leider) nicht mehr ewig.

2 Gedanken zu „Weggeblasen in der Windriver Range“

  1. … es ist so spannend was ihr alles erlebt! Wie schön du schreibst, da friert man fast schon selbst bei den Windböen, und fühlt sich erschöpft bis zum umfallen – ah jetzt ne heisse Quelle wäre gut!

    Wie schön! Toll, dass ihr uns so lebendig an allem teilhaben lasst. Und die Bilder sind irre.

    Dicken Kuss! Gasha

  2. Ist ja ein Wahnsinn, was ihr für Leistungen vollbringt. Ich fühle mich an unsere schlimmsten Touren erinnert, höher, schneller, weiter. Sascha hat wohl viel von seinem Großvater geerbt. Ihr solltet euch auch ein bisschen erholen. Es liest sich wie ein spannender Abenteuerromanen. Die Bilder sind großartig. Liebe Grüße M

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