Rund um Whistler

Rund um Whistler

Eigentlich wollen wir unsere Reise gemütlich und allmählich ausklingen lassen. Doch ein Abenteuer und Erlebnis reiht sich an das nächste, so dass ich nicht hinterherkomme mit dem Berichten.

Nach den gemütlichen Tagen am Setonlake waren wir wieder bereit für die Berge. Zunächst verfuhren wir uns erstmal tüchtig, worauf Sascha als Kartenkenner uns dann irgendwann aufmerksam machte. (Er kann uns auch immer sagen wie die berge und Gletscher, die wir von irgendeinem Gipfel aus sehen heißen)Völlig umsonst quälten wir uns eine eklige Dreckstraße mit Felsen und tifen Querrinnen hinauf und dann wieder hinunter. Etwas demoralisiert bei leichtem Nieselregen ereichten wir dann über eine weitere unmögliche Dreckstraße unseren nächsten trailhead. Die Mücken waren auch dort, der Ausgangspunkt war im tiefen dunklen Wald, alles schlammig, Feuer machen ist wegen eines campfireban im gesamten Bezirk aufgrund von Waldbrandgefahr untersagt und ich trauerte unserem Traumplatz am See hinterher.

Doch wenn wir uns erstmal eingerichtet haben, sind wir Dank unseres Pickups überall zu Hause. Dort wo zelten aufgrund des steinigen, schiefen Bodens unmöglich wäre, können wir es uns dennoch gemütlich machen. Das ist wirklich klasse und diese Reise wäre ohne dieses Auto mit seiner Allrad und Wohnmöglichkeit nicht möglich gewesen. Wir hätten dann nur auf geteerten Touripfaden und caampgrounds wandeln können. Nix für uns!

Am nächsten Morgen war der Himmel wieder frisch und klar, die Mücken hatten sich verzogen und alles war gut.Wenn ich meine beiden Männer nicht mit Gewalt aus dem Bett schmeißen würden, würden wir wahrscheinlich keine einzige Tour machen, bzw. immer erst um 12.00 Uhr starten. Von Georg werde ich als herzlos beschimpft, wenn ich ihn um 6 oder 7 wecke und Sascha murmelt etwas von „Reisekatze,  sein Stofftier) ist sein Vertreter und er wäre heute nicht in der Lage zu wandern. Ich bin da aber ziemlich erbarmungslos und scheuche sie beide aus den Betten.

Wenn wir dann erstmal unterwegs sind, sind sie mir sehr dankbar, dass ich ihnen zumindest das losgehen in der Hitze erspart habe. Ich will euch nicht mit weiteren Tourenbeschreibungen langweilen. Ein weiterer einsamer Gipfel, Bergseen in allen Farben von türkis bis blau, die wenn erreichbar immer als eine Bademöglichkeit genutzt werden. Es ist wirklich wunderbar, wie sehr unsere Familie eins ist. Uns fasziniert dasselbe, wir wollen dasselbe und wir ziehen alle an einem Strang.

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Einen Tag später waren wir in Whistler, im Tal war es sonnig aber unsere Berge lagen in dichtem Nebel. Wir sind jetzt schon sehr nah an der Küste und die Vegetation wird mehr und mehr zum Regenwald. An unserem Schlafplatz an einem See im Nieselregen und Nebel hatte Georg noch ein außergewöhnliches Bärenerlebnis. Am Morgen hockte er unbekleidet nur wenige Meter von unserem Auto entfernt auf dem Boden und war damit beschäftigt sein Clopapier mit dem Feuerzeug zu verbrennen, als er ein leises Schnauben hinter sich hört. Als er sich umschaut, steht eine große Schwarzbärin aufgerichtet 3 Meter von ihm entfernt und schaut ihn freundlich an. Dieser Freundlichkeit nicht ganz gewiß geht Georg doch mit recht energischen Schritten die 6 Meter zu unserem Pickup und schaut, ob sie ihn auch nicht verfolgt.

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Bei Bärenbegegnungen soll man sich ganz groß machen und laut sein, aber so unbekleidet auf dem Boden hockend, hätte sie ihn sehr wohl als Beute halten können. Sie zog es aber vor zu weiter Beeren zu mampfen. Georg wäre auch sicher ein zäher Brocken gewesen, vielleicht hat sie das auch erkannt.

Georg sagt zu uns ganz cool, gar nicht der Dramatik der Situation angemessen: „Da ist ein Bär“

Als Sascha und ich dann die Klettfenster des Pickups öffnen, bequemt sich die Bärin den Waldhang langsam Beeren fressend nach oben. Und siehe da: ein junges hüpft auf einen Baumstamm und läuft ihr hinterher und dann noch eins und wir können unseren Augen nicht trauen, die Bärenmutter ist schon weiter oben kommt noch ein Nachzügler aus dem Beerengebüsch. Drei Bärenkinder samt Mutter, alle mit schwarz glänzedem Fell, wunderschön anzusehen, diese majestätischen Tiere. Wir sind alle begeistert, leider war der Fotoapparat nicht griffbereit.

Der Regenwald hier ist faszinierend. Man fühlt sich wie in den Tropen – nur das Nadeln an den Bäumen sind und die Temperatur nicht ganz stimmt. Ansonsten strotzt alles nur so vor grün und Wachstum und Üppigkeit.

Einen Tag später kamen wir in den Einzugsberich von Vancouver und Squamisch und es war Wochenende. Ein sonst ganz einsames Tal war übervölkert mit Paddlern, Fetenfeieren und überwiegend jungen Leuten die am Fluss campierten. Irgendwo dröhnte Technomusik in einer Lautstärke, dass es selbst noch 3 Kilometer entfernt an einem reißenden lauten Fluß als dumpfes dröhnen zu hören war. Wir hassen Wochenenden. Dennoch hatten wir einen schönen Platz. Wenig später kamen 2 sehr nette junge Männer und fragten ganz höflich, ob Sie vielleicht neben uns campen dürften. Sie hatten sich morgens einen schönen Platz gesucht, waren wandern und als sie zurückkamen, war diese Fete neben ihnen im Gange. Beim Versuch den Nachbarn zu überreden seine Musik leiser zu machen, wurden sie eingeladen mit z feiern, der Typ war schon völlig high und sie suchten das Weite. So bekamen wir sehr nette Nachbarn und ich ergriff die Gelegenheit beim Schopfe und quetschte sie nach Wandermöglichkeiten in der Gegend aus.

Die beiden waren hardcorewanderer. Sie fahren die Abholzstraßen, die hoch in die Berge gehen hoch und schlagen sich dann durch den Wald querfeldein. Bushwacking nennt man das hier. Ich erwähnte das schon. Nun stellt euch bitte keinen heimischen Wald vor. Diese Wälder hier sind größtenteils völlig undurchdringllich. Massig Totholz liegt herum. Mannshohes Gestrüpp, man verliert im Wald sofort die Orientierung. Sie gaben uns eine halbe Stunde lang Tipps, die wir nicht mehr alle umsetzen werden können. Aber die Beiden waren sehr nach unserem Geschmack.

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Am nächsten Morgen versuchten wir uns dann im bushwacking. Ich sags euch, das ist hart. Während bei Sascha und mir die Abenteuerlust angestachelt war, war Georg nur am Fluchen, „Das sei nichts für ihn etc.“ Während Sascha ihn mit „ Papa wir sind gleich an der Baumgrenze“ motivierte 2 h durchzuhalten, meinte ich, er solle sich mal nicht so anstellen. So ein bisschen mannshohes Blaubeer getrüpp, wo einem die Beeren wie von selbst in den Mund hängen, sei doch nicht so schlimm. Bis wir in die ersten Wiesenmeadows kamen waren wir unzählige Male gefallen, in unzählige kleine Bachschluchten hinein und wieder hinaus geklettert, über Bäume balanciert und waren alle fix und fertig.Endlich an der Waldgrenze angelangt, läppische 300 Höhenmeter und bestimmt nur 1 oder 2 Kilometer, wurde das gehen leichter und genussvoll. Aber immer noch steil bergauf, weglos und sehr schweißtreibend. Viele Bärenspuren schafften mal wieder ein mulmiges Gefühl. Wenn man so weglos unterwegs ist, ist Hilfe sehr sehr weit weg, selbst eine Knöchelverstauchung würde sich zu einem ernsthaften Problem ausweiten. Schließlich erreichten wir den Gipfel und hatten Blick auf riesige Gletscher, ein vielfaches von den Alpengletschern. Toll! Die Mühe hat sich gelohnt und 100% alleine trotz Sonntag. Aber am Abend waren wir alle so etwas von fix und fertig, dass kann man sich nicht vorstellen.

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