Weit, Weit Weg

In Karakol haben wir uns mit Lebensmitteln eingedeckt, jetzt geht es tiefer in die Wildnis. Wir haben den Wagen so voll getankt wie nur möglich, um hoffentlich auch wieder zurückzukommen. Es geht eine 100 Kilometer lange Passstraße über einen 3800 Meter hohen Pass. Natürlich alles offroad nach Englicheck, mittlerweile einer Geisterstadt in der zu Sowietzeiten mal 2000 Menschen in einer Mine gearbeitet haben.

Das Wetter ist durchwachsen und wir scheuen uns zunächst, bei so unsicheren Bedingungen hoch in die Berge zu fahren, doch der Himmel reißt auf und wir erhaschen erste Blicke auf die hohen Gletscherberge. Also lassen wir uns weiter von der schlaglochübersäten Straße durchschütteln und holpern tiefer in die Berge hinein. Ein Schlafplatz ist schnell gefunden. Eigentlich kann man überall bleiben. Sollte doch mal ein Auto vorbeikommen, kann man davon ausgehen, dass uns begeistert zugewunken wird oder ein Reiter schaut vorbei und möchte mit uns plauschen, was wegen meiner geringen Russischkenntnisse nur sehr eingeschränkt möglich ist. Am nächsten Morgen ist es regnerisch. Da aber immer wieder die Sonne durchblitzt und es nie lange regnet, ziehen wir trotz drohender Wolken los. Wie schon bei den vorherigen beiden Wanderungen folgen wir hauptsächlich Kuhpfaden, die sich mal mehr mal weniger stark verlieren. Nachdem der erste Aufstieg geschafft ist, weitet sich die Landschaft in ein ausgedehntes, menschenleeres Hochtal. Das Wandern ist reine Freude, über Wiesen durchzogen von einem Bach in mäßiger Steigung. 

Ein bitterer Wehrmutstropfen ist Saschas Fuß. Trotz mehrtägiger Pause macht er wieder Schwierigkeiten und Sascha beschließt umzukehren. Das tut mir sehr leid. Da sind wir nun im Land unserer Träume und er hat soviel geplant und sich gefreut und ist jetzt so gehandycapt.

Georg und ich wandern weiter und erreichen nach dem Aufstieg auf einen Pass zwei wunderbare von schroffen Felswänden umrahmte Seen.

Es gibt zwar immer mal wieder etwas Hagel beziehungsweise Regen aber die Landschaft ist so grandios und wir werden auch nicht völlig nass, dass das der Freude keinen Abbruch tut. Vielleicht können wir in den nächsten Tageb Pferde leihen, um Saschas Füßen die notwendige Schonung zu geben. Nachmittags fahren wir weiter den Pass hinauf und lagern wieder an einem sehr schönen Platz. 

So lieblich unser Schlafplatz im abendlichen Sonnenlicht schien, so frisch und feucht ist es am morgen. Saschas Daunenschlafsack scheint hygroskopisch zu sein und die Feuchtigkeit der Umgebung in sich aufzunehmen. Georgs Schlafsack ist tendenziell eh etwas zu kalt. Nur ich bin mir meiner wasserabweisenden Daune und extrawarmen Fußteil perfekt ausgestattet. Da ich in der Mitte liege, wärme ich abwechselnd mal den einen mal den anderen.

Heute gehts über einen 3800 Meter hohen Pass. Die Landschaft wird immer rauer sowie karger und erinnert an den Pamirhighway. Oben angekommen wollen wir eine kleine Tour auf einen 4100 Meter hohen Gipfel machen. Die lächerlichen 300 Höhenmeter über steiles Geröll ziehen sich endlos. Die Höhe macht sich bemerkbar und mein Sturmschritt gleicht dem einer Schnecke. Vorbei an Schneewächten erhaschen wir Blicke auf die über 5000 Meter hohen schnee- und gletscherbedeckten Berge, die uns schon den Atem rauben. Die 7000der sind leider hinter Wolken verborgen.

Anschließend geht es den Pass abwärts nach Englicheck. Endlos fahren wir hinab, obwohl wir immer tiefer ins richtig hohe Gebirge hineinsteuern. Wir holpern durch eine tiefe, steile Schlucht mit unglaublich hohen zerklüfteten Felswänden vorbei an einem reißenden, wildschäumenden Gletscherfluss.

Ein Felssturz nach dem nächsten zeigt, wie oft dieser Weg unpassierbar ist. Meist ist die Straße nur notdürftig geflickt und gerade nur soviel Schutt beiseite geräumt, dass man gerade hindurchfahren kann. Dann kommt ein Checkpoint. Drei Soldaten und eine Schranke versperren die Weiterfahrt. Wir sind am Grenzkamm zu China, dem berüchtigten Xinyang. Hier darf nan nur mit Sondergenehmigung weiterfahren.

Die haben wir zum Glück und nach 20 Minuten sind unsere Papiere ausreichend geprüft und wir dürfen weiterfahren. Wir kommen nur langsam voran, zu faszinierend ist diese Schlucht, dass wir immer wieder anhalten, staunen und fotografieren müssen.

Der Höhepunkt liegt hinter Englicheck. An einer steilen Felswand, direkt neben dem brodelnden Gletscherfluss sprudeln heiße Quellen in 3 Badebecken. Ich liebe wilde heiße Quellen und könnte mein Leben damit verbringen sie aufzuspüren und darin zu baden. Klar, wie wir den restlichen Tag verbringen: In traumhafter Natur und völliger Einsamkeit dümpeln wir im heißen Wasser und erholen uns von den Strapazen des Viertausenders.

Heiße Quellen und Berglandschaften

Sascha hatte sich auf unserer ersten Tour übernommen. Er ist mit falschen Schuhen wesentlich weiter als wir auf 2 Berge gestiegen und hat sich den Spann durchgetreten. Jetzt ist Schonung angesagt. 

Wir fahren wieder hinunter zum Issy Kul von den hohen Bergen zurück ins Wüstenklima durch einen schönen Canyon direkt an den See. Es ist traumhaft: Ein menschenleerer Strand, herrliches, klares Wasser, das zum Baden einlädt. Im Hinterland sind wilde, schroffe Badlands , durch die wilde Kamele streifen (die wir leider nicht zu Gesicht bekommen). Das ganze eingerahmt von gewaltigen gletscherüberzogenen Bergen.

Wir faulenzen im Schatten unseres Tarps unterbrochen nur von erfrischenden Schwimmeinlagen. Warum ans volle Meer fahren, wenn man hier einen solchen Strand hat? Nachts schlafen wir nur unterm Innenzelt, die Sterne direkt über uns und angenehm frisch.

Am nächsten Morgen nach einem Bad zum Wachwerden fahren wir früh in 2 Canyons um gutes Fotolicht zu haben. Sascha macht sich ganz gut als Dronenpilot und erst von oben sieht man wie beeindruckend die schroffe Landschaft ist.

Nach einem letzten Bad im See geht es wieder in die Berge. Da wir auf der Suche nach Wasser in den winzigen Lädchen nicht fündig werden, halten wir bei einem Fahrzeug, das Kanister an einer öffentlichen Zapfstelle füllt. Sascha ist wiederholt beeindruckt von meinen russisch Kenntnissen als ich den Vater dreier Kinder frage, ob man das Wasser trinken kann. Er bejaht das und wir füllen unsere Kanister auf. Vielleicht ein Fehler?

Wir fahren hoch zu einer heißen Quelle, wo Georg und ich für je 200 Som (2,50€) ein Bad nehmen. Danach werden wir noch zu Tee und leckerem Brot mit selbstgemachter Marmelade eingeladen. Georg meint das Thermalwasser hätte sich positiv auf diverse Zipperlein seiner Knochen ausgewirkt. Urig war es allemal in die rustikalen Becken mit anderen Kirgisen und auch Russen zu steigen, direkt neben dem wilden Gletscherfluss. Alle Menschen sind immer sehr freundlich und neugierig und erproben ihre Englischkenntnisse, die deutlich dürftiger als mein Russisch sind und sich meist auf „hello“ und „how do you do“ beschränken. 

Am nächsten Morgen ist Sascha krank. Der arme Pechvogel. Erst den Spann durchgetreten und jetzt das. Vielleicht  das Wasser? Wir lassen ihn alleine im Zelt und ziehen nur zu zweit los.

Es wird eine sehr schöne, weglose Tour. Wir folgen Kuhpfaden zu hoch gelegenen Almen von da aus weiter über einen Grat mit wunderschöner Aussicht auf die ganz hohen Gletscherberge. So sind wir also auch ohne unseren Routenplaner und Fährtenführer Sascha in der Lage uns in den wilden Bergen zurecht zu finden.

Leider geht es ihm nach unserer Rückkehr immer noch nicht besser. Gliederschmerzen, Durchfall und Übelkeit. Wir hoffen auf den nächsten Tag.

Kirgisistan erste Schritte

Endlich, unfassbar, aber wahr,  es ist soweit, vor Corona geplant und dann wegen Corona verschoben, nun beginnt unsere Reise nach Zentralasien. Wir fliegen nach Kirgisistan unser fernes Traumziel seit 2 Jahren…

Dies denken wir zumindest, aber als wir auf dem Kölner Flughafen ankommen, ist dort die Hölle los. 2 jahre Pandemie und ein coronabedingt hoher Krankenstand hat das Flughafenpersonal massiv ausgedünnt. Wir wussten, dass wir 4,5 h für den security check einplanen sollten, doch was wir dort antreffen übertrifft alles Vorstellbare. Eine kilometerlange Schlange quält sich erst außerhalb des Flughafengebäudes und dann in endlosen Reihen innen durch beide Terminals. Wer nach 1 h in der Sonne gebraten endlich die Türe des Flughafens erreichend, glaubt das schlimmste geschafft zu haben, irrt gewaltig. Im inneren wartet man noch 5 weitere Stunden. Die Menschen sind alles in allem gefasst. Manch einer gibt auf und steigt auf Flixbus um ( bei unserem Ziel leider nicht möglich). Andere buchen einen zweiten späteren Flug, dann einen dritten, den sie mit etwas Glück vielleicht kriegen. Es gibt aber auch völlig aufgelöste, verzweifelte Passagiere, von Tränen bis Wut, ist alles dabei. Uns wird klar, dass die geplanten 4,5 h definitiv nicht reichen werden, um den security check zu passieren. Mit etwas Tricks und Schauspielerei, Sascha wird nochmal zum Kind, dass seine Eltern in der Schlange sucht, schmuggeln wir uns erfolgreich um 3 h nach vorne.

Gebracht hat es trotzdem nichts. Unser Flieger hebt erst anderthalb Stunden später ab, um nicht völlig leer nach Istanbul zu fliegen und wenigstens ein paar Passagiere an Bord zu kriegen, die den Marathon bewältigt haben. Unser Anschlussflug ist weg und so stranden wir gegen 4 uhr morgens in einem Istanbuler Hotel.

Die Weiterreise ist für den nächsten Nachmittag gebucht. Mir kommt eine indische Ashramreisende in den Sinn, die sich bei ihrem Meister über die anstrengende Reise bis nach indien beklagt. Er sagt nur lapidar: „Was stellen Sie sich so an, Sie haben ein bisschen rumgestanden und rumgesessen und dabei ganz nebenbei den halben Erdball durchquert“

Stimmt, vor allem rum gestanden- sehr lange.

Nach den ersten 3 Tagen in Kirgisistan bin ich schon völlig bezaubert. Soviele unterschiedliche Eindrücke. Das Land ist so schön wie ich es mir vorgestellt habe. Die Weite ist unfassbar.

Den ersten Tag sind wir mit der Logistik beschäftigt. Wie kriegen wir die simkarte ans laufen, wo gibt es gas zu kaufen, wie bekommen wir ausreichend Lebensmittel für die nächste Woche. Wir sind noch nicht eingspielt und suchen ständig irgendetwas. Aus Bishkek heraus geht es erst einmal direkt an der kasachischen Grenze entlang. Die Geschwindigkeitskontrollen sind so zahlreich wie in der Reiseliteratur angekündigt. Die Landschaft wird bergig, steppenmäßig und sehr trocken. Irgendwann in der Bhoomschlucht biegen wir von der Hauptstraße rechts ab. Der Konocheckcanyon, ein Canyon aus rotem, lehmigen Gestein ist unser Ziel. Über holprige offroadwege geht es ganz nach oben, so dass wir den Schlicht von oben bewundern können.

Von ein paar Eseln und Kühen abgesehen befinden wir uns schon in tiefster Einsamkeit. Es ist sehr windig und wir suchen einen Zeltplatz, der den starken Böen nicht völlig ausgesetzt ist. Es ist heiß und Sascha stolpert beim Holzsuchen über eine dicke Schlange. 1 Meter lang mit braunen Streifen.  Später erfahren wir, dass sie nicht giftig ist und ihr Biss nur eine schmerzhafte allergie auslöst.

Wir werden sehr vorsichtig, sowohl beim herumstreifen, wie beim nächtlichen pinkeln.

Es ist heiß. Im Schlafsack viel zu warm. Unsere erste Nacht in Kirgisistan ist unruhig.Doch so nach und nach finden wir uns ins Zeltleben ein. Am nächsten Mirgen fahren wir weiter über raue Straßen durch zauberhafte, rote Landschaften. Ein wenig steigen wir in die Schlucht hinab, doch zum ernsthaften Wandern ist es uns viel zu heiß. 

Weiter gehts zum Issykul, einem riesigen See umrahmt von hohen Bergen. Jede Abkühlung ist willkommen. Nach einem Bad fahren wir hoch in die Berge. Anfangs auf guter Gravelroad, wird das was wir fahren stetig steiler und wilder. Manchmal verfransen wir uns, weil Karte und Straßen(wir sind mit alten Sowietkarten unterwegs) nicht übereinstimmen. Manchmal müssen wir aussteigen um den Straßenverlauf zu finden. Es geht durch kleine Bäche und auch Schlammlöcher. Leider ist unser Fahrzeug beim offroad fahren nicht versichert und so ist immer auch ein wenig Nervosität dabei. Schließlich kommen wir ans Ziel: Ein kleiner See auf 2500 meter Höhe. Zu Saschas Begeisterung gibt es Kühe, ein kirgisischer Bauer kommt neugierig und lädt uns sogleich in sein Haus ein. Eine kleine Hütte in Sichtweite. Wir lehnen erst einmal dankend ab und wollen ihn am nächsten Tag besuchen.

Am Morgen wandern wir los. Schlappe 700 Höhenmeter und 14 km sagt die Karte. Doch die Entfernungen sind anders hier. Wir wandern durch unfasbar weite und riesige Täler, vorbei an Pferdeherden, die sich neugierig nähern, an wuschelugen Yakherden, die uns ignorieren und an Kuhherden, die uns beäugen. Man stelle sich die Alpen vor, vergrößere sie um das dreifache und nradiere 99 % der Besiedlung, Menschen und menschengemachter Veränderung aus. So ungefähr sieht es hier aus.

Wir sind begeistert und fasziniert. An einem See ist für Georg und mich erstmal Endpunkt. Sascha will weiter auf den Grat und übernimmt sich etwas. Abends tun ihm die Füße weh.

Als wir auf dem Rückweg in der Hütte des Hirten vorbei schauen werden wir von der Familie eingeladen was zu trinken.  2 Generationen leben den Sommer über in diesem einen Raum, der wie eine Jurte mit Fellen und Teppichen ausgestattet ist. Wir bekommen Brot, Fleisch, Aprikosen aufgetischt. Dazu gibt es Tee und Kumiss, vergorene Stutenmilch. Ich packe alle meine gelernten russischbrocken aus und wir versuchen uns ein wenig zu verständigen. Schade, dass ich nicht noch mehr gelernt habe aber für ein paar Infos haut es schon hin. Zum Abschluss bekomme ich das Baby auf den Arm und wir machen Fotos von uns allen. Das war ein sehr uriges und schönes Erlebnis. Wunderbar einmal kein störender Tourist zu sein sondern sich mit Neugier zu begegnen.

Sommer 2016 auf dem Grand Paradiso

Unsere Abenteuer auf dem Gran Paradiso: Entweder lesen oder direkt anschauen: Wir haben jetzt 5 Wochen unterschiedlichster, faszinierender, wunderschöner Berglandschaften hinter uns. Dank unserem bergbegeisterten Sohn haben wir mehr Gipfel bestiegen als ich erinnern kann (Sascha kann sie natürlich alle mit Namen und Höhe aufzählen, Doch außer den unendlich vielen Höhenmetern, und vielen gewaltigen Bildeindrücken, gab es auch geruhsame Pausentage an Badegumpen und viel leckeres französisches und italienisches Essen. Auf dieser Reise hatte ich keinen Blog geplant, weil wir ja nicht so lange weg sind und weil es hier in den Westalpen auch selten internetspots gibt. Doch jetzt bedauern wir es selbst all die verschiedenen Erlebnisse nicht so gut erinnern zu können und so will ich zumindest die Besteigung unseres letzten Höhepunktes, den Gran Paradiso 4050 Meter, beschreiben. Ehrlich gesagt, weder Georg noch ich kämen im Traum auf die Idee einen Berg zu erklimmen nur weil er ein Viertausender ist. Urlaub ist doch ausschlafen, baden, in der Sonne liegen….na ausspannen halt. Und muss es auch noch in solche eisigen Höhen gehen? Da kann man ja nicht mals gemütlich sein Picknick einnehmen….für uns eigentlich mit der wesentlichste Grund am Bergwandern….an schönen Plätzen gemütlich zu speisen. Nun, wenn man seinem Berg begeisterten Sohn einen Gefallen tun will, muss man wohl doch solche Berge gelegentlich erklimmen. Nicht, dass das Ganze an einem Tag zu machen wäre. Zunächst müssen wir mit Schlafgepäck zu einer Hütte aufsteigen um uns dort mit anderen Gipfelaspiranten in aller Frühe am kommenden Morgen an den Aufstieg zu wagen. Saschas Vorfreude war riesig, als die Hütte gebucht war. Mit schwerem Gepäck machten wir uns morgens daran die 750 Höhenmeter zur Hütte hinter uns zu bringen. Leider ist das Wetter an diesem Tage mäßig. So verbrachten wir die meiste Zeit mit etwa 80 Mitgästen wartend in der Hütte. Und das uns, wo wir doch die Einsamkeit lieben…..was tut man nicht alles für seinen Sprössling. Da meine italienisch Kenntnisse mehr als begrenzt sind, wusste ich nicht so genau, was ich gebucht hatte. Als man uns, wie allen andern dann zum Abendessen einen Teller mit ein paar Nudeln leicht rötlich gefärbt von mikroskopischen Mengen Sauce vorsetzte, fragten wir uns leicht verzweifelt, wie wir davon satt werden sollten, geschweige denn, mit diesen Kalorien einen Viertausender bewältigen sollten. Nur pappiges Weißbrot gab es in Massen. Sascha versuchte die Krise tapfer zu meistern und verspeiste pro 4 Nudeln ein Weißbrot. Er hatte bis zum Schluss noch Nudeln auf seinem Teller. Dann die Erlösung: Die Pasta war nur die Vorspeise. Es gab noch einen Hauptgang und eine Nachspeise. Eigentlich ganz lecker, wenn der Bauch nicht voll mit Pappbrot gewesen wäre. Ich schlug meinem Sohn, der sich leicht grünlich verfärbte vor mal draußen nach dem Wetter zu sehen. Die frische Luft half… Zum Abend versammelten sich einige Bergführer mit ihren Grüppchen vor der Hütte, erklärten die Benutzung von Pickel und Steigeisen und wie man als Seilschaft geht. Georg wurde in Anbetracht all der Profis und der uns unbekannten Ausrüstung immer stiller und stiller. Meine eigenen Gletschererfahrungen liegen 30 Jahre in der Vergangenheit und sind sicherlich nicht auf dem neusten Stand. Wir vereinbarten nur soweit zu gehen, wie wir uns alle sicher fühlten und auszuprobieren, wie wir mit Pickel, Seil und Steigeisen zurechtkommen würden. Mit gemischten Gefühlen begaben wir uns früh am Abend auf unser Schlaflager: eine etwa 1,40 Meter hoher Dachstuhl, auf dem 35 Matratzen lagen mit jeweils 0,05 cm Abstand von einem zum nächsten Schläfer, so ganz ausstrecken konnte sich höchstens Sascha. Es war übrigens jede Matratze besetzt. Mit Decken hingen wir uns unser Eckchen ab, um wenigstens ein wenig Privatsphäre zu haben. Die Nacht war angesichts der vielen Menschen auf engem Raum erstaunlich ruhig. Keine Schnarcher, nur ab und an ein Husten. Als dann um 2.00 nachts sich Unruhe breit machte und die ersten Bergsteiger den Schlaf“saal“ verließen, kamen mir leise Bedenken: waren wir vielleicht doch versehentlich im Everest Basislager gelandet? Sascha wurde natürlich auch wach und wollte, Feuer und Flamme sofort aufstehen und losmarschieren.Aber irgendetwas haben Eltern ja auch noch zu sagen 5 Uhr und keine Minute früher. Um 4.00 Uhr, als allerletzte standen wir dann auf. Der Hüttenwirt war schon munter und spülte fleißig Geschirr, von all denen, die vor uns aufgebrochen waren. Draußen war es noch stockdunkel und wir waren nicht mit diesen blendende Stirnlampen ausgestattet, die denjenigen, der sie nicht an hat blind machen, gegenüber dem, der einen damit anschaut. Blog-6 Der Mond scheint helle…. Aber der Mond schien und da Vollmond war, ließ sich der Weg über das erste Blockfeld auch so finden. Eine Lichterkette über den Berg verteilt vor uns zeigte so ungefähr den Wegverlauf an. Eigentlich schön, so im Mondlicht zu wandern, gegen 5.30 Uhr bemerkte ich der Morgen graut allmählich an, worauf Georg nur murmelte „Mir graut es schon den gesamten Morgen….“ Blog-2 Morgengrauen Nach etwa einer Stunde erreichten wir die Gletscherzunge. Ganz schön erschreckend steil. Die Seilschaften vor uns erklommen in unterschiedlichsten Abständen das steile Eis. Blog-4 Blog-3 Ein kalter Gletscherwind machte das Anlegen der Steigeisen und Knotenbinden zur Eisfingerprüfung. Dann ging es los. Gletscher kannte ich bis dato nur im Winter oder Frühjahr. Dann sind sie verschneit und man sieht mehr oder weniger Spalten. Im Spätsommer aber, wenn es tags heiß ist, schmilzt der Schnee und das Wasser gefriert in der Nacht wieder. Dieser Steilhang war also ein Eishang. Banges Fragen, ob Saschas Steigeisen 12 Zinken und unsere Grödel, nur 6 Zinken das halten würden. Sie hielten und mit jedem Schritt fassten wir etwas mehr Mut in unsere Ausrüstung. Georg vermied jeden Blick nach unten und Sascha versuchte tapfer immer wieder den Pickel ins Eis zu schlagen, um uns zusätzlich zu sichern. Was das aneinander angeseilt sein nun wirklich bringen soll muss mir mal ein Gletscherexperte erklären….doch dazu später mehr. Blog-14 Blog-10 Blog11 Nachdem wir den ersten Steilhang erklommen hatten, ging es erst mal weniger steil weiter und selbst Georg meinte „ach, an so einem Gletscherwandern könne er Gefallen finden. …bis zum nächsten Steilaufschwung. In den letzten Jahren sind die Alpengletscher massiv geschrumpft und so mussten wir zwischendurch auch immer wieder kleinere Geröllfelder überqueren, was mit Steigeisen an den Füßen sich ähnlich sicher anfühlt, als würde man auf Eierschalen laufen. Obwohl wir als letzte von der Hütte los marschiert waren, überholten wir mehrere Seilschaften. Einige Menschen waren unterwegs, die entweder nicht genug trainiert waren, oder Angst hatten und deswegen nur sehr schleppend vorankamen. Beim überholen stellte sich immer die Frage wer die sichere Spur verließ um den anderen passieren zu lassen. Irgendwann kam endlich die Sonne, zwar wärmten die Strahlen nicht aber dennoch wurde die gesamte Gletscher und Bergwelt in ein freundliches goldenes Licht gefärbt. Spalten, dunkel und tief tauchten auf, aber immer so schmal, dass man höchstens seinen Pickel in unergründlichen Tiefen hätte verlieren können. Blog-13 Blog-12 Ich habe immer gedacht über einen Gletscher zu wandern wäre ein langweiliges Stapfen über eine Eiswüste. Doch so ist es nicht. Diese Gletscherwelt ist so wild und gewaltig und ungezähmt, und damit sehr beeindruckend. Man ist so klein gegen diese Urgewalt. Irgendwann pfiff ein eisiger Wind , der Kopf gesenkt, stur geradeaus, Schritt um Schritt, immer auf die anderen achten, fühlten wir uns ein wenig in einen Everest Film versetzt. Das Gehen als Seilschaft hat seine eigene Voraussetzung. Keiner kann einfach schneller laufen, keiner kann einfach zurück bleiben, denn ein plötzliches Rucken am Seil, kann den anderen zum Straucheln bringen. Durchaus ein geeignetes Mittel um desolate Beziehungen zu trainieren. Vielleicht sollten wir es ins Programm aufnehmen? „Löse die Kälte in deiner Ehe mit der Eiseskälte des Gletschers?“ Schließlich erreichten wir das felsige Gipfelplateau. Blog-17 Blog-16 Blog-15 Blog-8 Einmal vom Eis herunter, wärmte die Sonne und wir konnten das überwältigende Gipfelpanorama auf die gesamten umliegenden Alpen von Matterhorn, Mont Blanc bis Monte Viso genießen. Die letzten Meter zur Gipfelmadonna (Die katholischen Italiener haben auf jedem Gipfel mindestens eine kitschige Madonna stehen) machte Sascha von mir gesichert im Vorstieg und wir waren beide ganz stolz, dass wir die Kletter und Sicherungstechnik gut hinbekamen. Umso dilettantischer gingen die beiden mit uns anwesenden von Bergsteigern geführten Gruppen vor und ich habe ernsthafte Zweifel, ob ich mein Gipfel verrücktes Kind einer solchen Führung anvertrauen wollte. Blog-9 Fast als letzte verließen wir den Berg und machten uns an den Abstieg. Auf das Eis hatte nun den ganzen Tag die Sonne geschienen und statt hartem Eis verwandelte sich der Gletscher in eine Mischung aus Sulz (einfach) und Eiswasserströme (unangenehm nass und schwierig), die teilweise Einbruch gefährdet schienen Bis zur steilen Gletscherzunge, die auch beim Aufstieg das unangenehmste Stück war, ging alles gut. Dann, auf den letzten Metern gab uns der Gletscher noch einen Denkzettel mit: Georg kam ins rutschen und meinte nur, ich kann mich nicht mehr halten. Sascha versuchte noch mit wenig Erfolg seinen Pickel einzuschlagen. Reflexartig versuchte ich Georg mit meinem eigenen Körper zu Stoppen und dadurch selber zu fallen, Sascha versuchte dies reflexartig ebenso und fiel auch. Heraus kam dabei ein wirrer Haufen Familie, Steigeisen Pickel die gemeinsam den Gletscher hinunterrutschte. Es war nicht schlimm, weil wir sanft gemeinsam in einen flachen Teil rutschten….aber was wäre wenn ….einer im wirklich steilen gefallen wäre. Hier fehlt es eindeutig an Ausbildung. Zu wissen dass man zur Seite springen muss und den Pickel ins Eis schlagen muss ist was ganz anderes als es dann auch zu tun.Also: Gletscherkurs für den bergverrückten Sohn ist schon so gut wie gebucht und inwieweit die Eltern sich weiter auf solche Abenteuer einlassen werden ist noch auszuhandeln. Der Rückweg war weit. Wir mussten schließlich 2000 Höhenmeter ins Tal absteigen. Sascha meinte den Tag unbedingt mit einem Sprint ins Tal abschließen zu müssen – nachdem wir uns auf der Hütte noch mit Apfelstrudel und Kaffee gestärkt hatten.Georg war so müde, wie ich ihn in unserer inzwischen 25 jährigen gemeinsamen Zeit noch nicht erlebt habe. Die Meinung über dieses Abenteuer gehen ein wenig auseinander: Georg „Gut, dass ich wieder festen Boden unter den Füßen habe. Demnächst bitte ohne mich. Vor lauter Aufregung habe ich die grandiose Landschaft nicht genießen können“ Andrea: „wunderschön. Ich hätte nicht gedacht, dass mich der Gletscher so faszinieren würde. Ich habe den ganzen Tag über nichts nachgedacht, weil ich so beschäftigt war alles wahr zu nehmen“ Sascha: „ Wann machen wir den Mont Blanc?“

Letzte Tage in den Rockys

Letzte Tage im Rocky Mountain national Park.

Wir haben uns nur schweren Herzens vom Echopark mit seinen steilen rot und sandfarbenen Wänden losreißen können und sind von der Wüste wieder in Richtung Berge unterwegs. Stundenlang fahren wir durch menschenleeres Gebiet mit stetig leerer werdendem Tank. Weit und breit keine Tankstelle, nichtmals irgendein Anzeichen für menschliche Besiedlung in Sicht. Das was auf dem Navi wie eine Ortschaft aussah, erweist sich eine Ansammlung verfallener Baracken.

An irgendeiner Kreuzung taucht dann nach ca. 250 Kilometern doch noch eiine klitzekleine Taankstelle auf. Glück gehabt.

Kurz vorm Ziel, dem rocky mountain National Park verdüstern mal wieder Rauchwolken den Himmel. Der Westen von USA und Kanada hatte im Winter viel zu wenig Schnee und im Sommer viel zu wenig Regen. Der Grund warum unsere Bilder oft so diesig erscheinen sind schlimme Feuer, die im Westen des Landes gewaltige Schäden anrichten. Jetzt ist vor uns eines und eine Straßensperre ist auch schon errichtet. Mist – es wird wohl negative Folgen haben wenn wir einfach durchbrettern? Zumal zwei schwerbewaffnete nette Officer uns verkünden, dass wir das Feuer mit nur etwa 300 kilometer Umweg umfahren können.

Nochmals Mist. Wir sind müde, haben den ganzen Tag im Auto gesessen und wollen eigentlich nur ankommen. Wir drehen also um und lassen uns vom Navi eine Route über ungeteerte backroads suchen. Wir finden eine, die nur zwei Kilometer hinter der Straßensperre wieder auf die gesperrte Straße führt. Naja, das erscheint uns dann doch zu dreist. Vielleicht ist das Feuer ja auch tatsächlich eine Gefahr. Allerdings liegt der Verdacht nahe, dass die Sicherheitsfanatischen und rechtsstreitigkeitenfanatischen Amis mal wieder übertreiben. Das ist kein Witz. Auf Wanderwegen findet man regelmäßig die abstrusesten Warnungen. „Vorsicht Flussbänke können überspült werden“. „Vom Waten in Flüssen wird abgeraten, aufgrund der Steine und der Strömungen. Man kann ausrutschen“ „Baden ist gefährlich, weil das Wasser kalt ist“ „Von Klippen kann man runterfallen“ Außerdem scheinen, glaubt man den zahlreichen Warntafeln, Bären permanent in Autos einzubrechen und Berglöwen ständig Wanderer anzugreifen…. Schade, dass wir nie einen gesehen haben…Die Fähigkeit zu denken und selbst achtsam zu sein scheint der amerikanische Staat seinen Bürgern abzusprechen. Nun,ja. Wir finden einen Umweg von etwa 100 Kilometern und beschließen uns nicht mit der amerikanischen Obrigkeit anzulegen.

Endlich im Nationalpark angekommen machen wir sehr schöne aber auch sehr hohe Bergtouren. Die Baumgrenze geht bis etwa 3500 Meter. Darüber liegt alpine Tundra, die weite Blicke erlaubt. Die Gipfel, die wir ersteigen liegen alle um die 4000 Meter. Doch ab 3500 merken zumindest Georg und ich die Höhe deutlich und meine Ideen in diesem Leben noch in den Himalaya zu fahren bekommen Fragezeichen.

Wir sind jetzt schon sehr im Einzugsbereich von Denver. Das bedeutet wildes freies Land zu finden wird fast unmöglich. Eingezwängt zwischen dicken Trailern, die mehr an eine luxuriöse Reihenhaussiedlung denken lassen, fühlen wir uns einfach nicht wohl. So müssen wir lange suchen, bis wir National Forest finden, der nicht privatisiert worden ist und mit KEEP OUT und NO TRESPASSING oder TRESPASSING STRICTLY FORBIDDEN Schildern zugenagelt ist.

Wir finden einen schönen Platz unter den gut duftenden Panderrosakiefern, mit Felsen zum Klettern für Sascha, Ausblick auf die hohen Berge und einem See, der allerdings wieder PRIVAT ist und mit KEEP OUT Schildern das baden zu einem heimlichen vergehen machen. Was für eine verrückte Welt, wo jede natürliche Ressource verkauft und zu Geld gemacht wird und sich das, was von unserem wunderbaren Planeten noch übrig ist die unter den Nagel reißen, die das Geld haben sich einen ganzen See zu kaufen.

Ich bin eindeutig kein Liebhaber von USA und sehne mich nach dem viel wilderen, weiteren Kanada. Dort kann man das Ende der Wildnis nicht sehen, wie es hier in USA meist der Fall ist. Die Kanadier sind um ein vielfaches offener, freundlicher und gesprächsaufgeschlossener als die Amerikaner. USA ist viel zahmer als Kanada.

Nach den vielen Wanderungen streike ich und verlange lautstark einen Ruhetag. Sascha muss unbedingt in eine Alpenvereinsgruppe, wo er sich mit Gleichaltrigen messen kann. Wenn es nach ihm ginge, geht es immer nur noch weiter und noch höher und das möglichst schnell. So sitzen wir heute den ganzen Tag unter Kiefern, lesen, tun nichts und ruhen uns aus.

In vier Tagen fliegen Sascha und ich heim und Georg muss sich alleine durch den Osten von USA bis nach Baltimore schlagen, um unser Auto dort zu verschiffen. Trotz meiner kritischen Anmerkungen was USA betrifft, haben wir tolle 5einhalb Wochen hinter uns. Angefüllt mit vielen wunderschönen Naturerfahrungen, Tierbeobachtungen, Bergtouren und Familienleben. Die nächsten Reisen liegen als Ideen schon in der Schublade. Norwegen, Island, Osteuropa….

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Letzte Tage in den Rocky Mountains

Letzte Tage im Rocky Mountain national Park.

Wir haben uns nur schweren Herzens vom Echopark mit seinen steilen rot und sandfarbenen Wänden losreißen können und sind von der Wüste wieder in Richtung Berge unterwegs. Stundenlang fahren wir durch menschenleeres Gebiet mit stetig leerer werdendem Tank. Weit und breit keine Tankstelle, nichtmals irgendein Anzeichen für menschliche Besiedlung in Sicht. Das was auf dem Navi wie eine Ortschaft aussah, erweist sich eine Ansammlung verfallener Baracken.

An irgendeiner Kreuzung taucht dann nach ca. 250 Kilometern doch noch eiine klitzekleine Taankstelle auf. Glück gehabt.

Kurz vorm Ziel, dem rocky mountain National Park verdüstern mal wieder Rauchwolken den Himmel. Der Westen von USA und Kanada hatte im Winter viel zu wenig Schnee und im Sommer viel zu wenig Regen. Der Grund warum unsere Bilder oft so diesig erscheinen sind schlimme Feuer, die im Westen des Landes gewaltige Schäden anrichten. Jetzt ist vor uns eines und eine Straßensperre ist auch schon errichtet. Mist – es wird wohl negative Folgen haben wenn wir einfach durchbrettern? Zumal zwei schwerbewaffnete nette Officer uns verkünden, dass wir das Feuer mit nur etwa 300 kilometer Umweg umfahren können.

Nochmals Mist. Wir sind müde, haben den ganzen Tag im Auto gesessen und wollen eigentlich nur ankommen. Wir drehen also um und lassen uns vom Navi eine Route über ungeteerte backroads suchen. Wir finden eine, die nur zwei Kilometer hinter der Straßensperre wieder auf die gesperrte Straße führt. Naja, das erscheint uns dann doch zu dreist. Vielleicht ist das Feuer ja auch tatsächlich eine Gefahr. Allerdings liegt der Verdacht nahe, dass die Sicherheitsfanatischen und rechtsstreitigkeitenfanatischen Amis mal wieder übertreiben. Das ist kein Witz. Auf Wanderwegen findet man regelmäßig die abstrusesten Warnungen. „Vorsicht Flussbänke können überspült werden“. „Vom Waten in Flüssen wird abgeraten, aufgrund der Steine und der Strömungen. Man kann ausrutschen“ „Baden ist gefährlich, weil das Wasser kalt ist“ „Von Klippen kann man runterfallen“ Außerdem scheinen, glaubt man den zahlreichen Warntafeln, Bären permanent in Autos einzubrechen und Berglöwen ständig Wanderer anzugreifen…. Schade, dass wir nie einen gesehen haben…Die Fähigkeit zu denken und selbst achtsam zu sein scheint der amerikanische Staat seinen Bürgern abzusprechen. Nun,ja. Wir finden einen Umweg von etwa 100 Kilometern und beschließen uns nicht mit der amerikanischen Obrigkeit anzulegen.

Endlich im Nationalpark angekommen machen wir sehr schöne aber auch sehr hohe Bergtouren. Die Baumgrenze geht bis etwa 3500 Meter. Darüber liegt alpine Tundra, die weite Blicke erlaubt. Die Gipfel, die wir ersteigen liegen alle um die 4000 Meter. Doch ab 3500 merken zumindest Georg und ich die Höhe deutlich und meine Ideen in diesem Leben noch in den Himalaya zu fahren bekommen Fragezeichen.

Wir sind jetzt schon sehr im Einzugsbereich von Denver. Das bedeutet wildes freies Land zu finden wird fast unmöglich. Eingezwängt zwischen dicken Trailern, die mehr an eine luxuriöse Reihenhaussiedlung denken lassen, fühlen wir uns einfach nicht wohl. So müssen wir lange suchen, bis wir National Forest finden, der nicht privatisiert worden ist und mit KEEP OUT und NO TRESPASSING oder TRESPASSING STRICTLY FORBIDDEN Schildern zugenagelt ist.

Wir finden einen schönen Platz unter den gut duftenden Panderrosakiefern, mit Felsen zum Klettern für Sascha, Ausblick auf die hohen Berge und einem See, der allerdings wieder PRIVAT ist und mit KEEP OUT Schildern das baden zu einem heimlichen vergehen machen. Was für eine verrückte Welt, wo jede natürliche Ressource verkauft und zu Geld gemacht wird und sich das, was von unserem wunderbaren Planeten noch übrig ist die unter den Nagel reißen, die das Geld haben sich einen ganzen See zu kaufen.

Ich bin eindeutig kein Liebhaber von USA und sehne mich nach dem viel wilderen, weiteren Kanada. Dort kann man das Ende der Wildnis nicht sehen, wie es hier in USA meist der Fall ist. Die Kanadier sind um ein vielfaches offener, freundlicher und gesprächsaufgeschlossener als die Amerikaner. USA ist viel zahmer als Kanada.

Nach den vielen Wanderungen streike ich und verlange lautstark einen Ruhetag. Sascha muss unbedingt in eine Alpenvereinsgruppe, wo er sich mit Gleichaltrigen messen kann. Wenn es nach ihm ginge, geht es immer nur noch weiter und noch höher und das möglichst schnell. So sitzen wir heute den ganzen Tag unter Kiefern, lesen, tun nichts und ruhen uns aus.

In vier Tagen fliegen Sascha und ich heim und Georg muss sich alleine durch den Osten von USA bis nach Baltimore schlagen, um unser Auto dort zu verschiffen. Trotz meiner kritischen Anmerkungen was USA betrifft, haben wir tolle 5einhalb Wochen hinter uns. Angefüllt mit vielen wunderschönen Naturerfahrungen, Tierbeobachtungen, Bergtouren und Familienleben. Die nächsten Reisen liegen als Ideen schon in der Schublade. Norwegen, Island, Osteuropa….

Die Fotos sind alle von Sascha. Die Kamera war das beste Geschenk, was er je bekommen hat. (seine Aussage)

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