{"id":1007,"date":"2026-01-31T18:59:41","date_gmt":"2026-01-31T16:59:41","guid":{"rendered":"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=1007"},"modified":"2026-02-01T17:50:04","modified_gmt":"2026-02-01T15:50:04","slug":"illegal-durch-den-nationalpark-los-glaciares","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=1007","title":{"rendered":"4. Illegal durch den Nationalpark Los Glaciares"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Mittag kommt Romain an, und nachdem wir uns mit Vorr\u00e4ten f\u00fcr 9 Tage und je 6 Litern Wasser, unser Trekking startet in der W\u00fcste, eingedeckt haben, geht es los. Z\u00fcgig erreichen wir nach einer halben Stunde Wartens den Abzweig der Stra\u00dfe zum Los Glaciares Nationalpark und lassen uns mitten im Nirgendwo absetzen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260131-WA0043.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260131-WA0043-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1008\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260131-WA0043-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260131-WA0043-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260131-WA0043.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen Romain und mir gab es wohl ein Missverst\u00e4ndnis dar\u00fcber, ob wir die kommenden 65km Nebenstra\u00dfe komplett trampen w\u00fcrden, oder, wenn dies nicht gelingt, auch zu Fu\u00df gehen w\u00fcrden. Ich habe kaum Zeit, den Schock zu \u00fcberwinden, als er den Rucksack schultert und loszieht, tr\u00f6ste mich dann aber damit, dass in den n\u00e4chsten ein bis zwei Stunden schon ein Auto kommen wird. \u00dcber diese Dauer werde auch ich es schaffen, bei 25 Grad in der prallen Sonne mit 30kg Gep\u00e4ck zu laufen. Bald verstummen unsere Gespr\u00e4che in der trockenen, hei\u00dfen Luft. Bei jedem leisen Ger\u00e4usch drehen wir uns voller Hoffnung um, in der Erwartung, die Staubfahne eines nahenden Fahrzeugs ausmachen zu k\u00f6nnen. Doch keines taucht auf. So geht es zwei, drei, vier dann f\u00fcnf Stunden lang. Meine F\u00fc\u00dfe schmerzen, meine steigeisenfesten, sprich sohlensteifen Schuhe sind nicht daf\u00fcr geeignet, in der Hitze \u00fcber flachen Grund zu laufen. Die Socken triefen vor N\u00e4sse vom Schwitzwasser, die Haut wirft Blasen, jeder Schritt schmerzt, und der Rucksack wird auch nicht leichter. Ich bin verzweifelt.Schlie\u00dflich erscheint endlich ein Auto. Aber aus der falschen Richtung. Wir halten es trotzdem an, bitten, betteln, bieten Geld an, doch man will uns nicht die verbleibenden 50km fahren. Nicht mal Wasser k\u00f6nnen sie uns geben. Zwei Kilometer weiter schaffen wir es noch auf eine Anh\u00f6he, wo zumindest ich in au\u00dferordentlich ersch\u00f6pftem Zustand insistiere, die Nacht zu verweilen. Romain hat eine andere Kondition. Er macht regelm\u00e4\u00dfig 100km L\u00e4ufe und bei 90kg K\u00f6rpergewicht f\u00e4llt es nicht so schwer einen 30kg Rucksack zu bew\u00e4ltigen wie mir mit inzwischen vermutlich nur noch 63kg Eigengewicht. Zwei Fahrzeuge rauschen in der einbrechenden Dunkelheit mit \u00fcber 100km\/h an uns vorbei, doch ebenfalls in die falsche Richtung. Am Horizont strahlen Cerro Torre und Fitzroy in der Abendsonne ohne ein einziges W\u00f6lkchen. Das passiert selten, in manchen Jahren gar nicht, und wir h\u00e4ngen hier drau\u00dfen in der Halbw\u00fcste fest, statt das gute Wetter in den Bergen zu nutzen und d\u00f6rren langsam vor uns hin. Der neue Tag beginnt mit neuer Hoffnung. Mit dem Sonnenaufgang ziehen wir los, steigen in ein Flusstal ab, wo es zwar vermutlich dreckiges, aber gefiltert trinkbares Wasser gibt. F\u00fcr einen Moment wird das Gelb der Landschaft von Gr\u00fcn abgel\u00f6st. Ein weiteres Auto kommt uns entgegen. Ein Ranger. Wo wir hinwollen, m\u00f6chte er wissen. Gl\u00fccklicherweise habe ich Romain vorher halbwegs gebrieft, sodass er nicht unsere Route verr\u00e4t, diese f\u00fchrt durch den Park und ist wie alle anderen Routen in den kommenden Wochen auch illegal. Das wei\u00df Romain nicht, ich habe es selbst nur nach und nach herausgefunden. Da er bereits dar\u00fcber, dass wir beabsichtigen, uns unerlaubter Weise in den Nationalpark zu begeben, nicht erfreut ist, ist es wohl besser so. Endlich zeichnet sich am Horizont die Rettung ab: Ein Pickup kommt auf uns zu und f\u00e4hrt als erstes Auto in unsere Richtung. Unsere Erleichterung ist unendlich. Doch der Pickup braust vorbei, hinterl\u00e4sst uns in einer Staubwolke und meinen ausgestreckten Daumen muss ich einziehen, um nicht den Seitenspiegel abzukriegen. Wir laufen noch gute 10km weiter, dann melde ich an, dass ich mit meinen Blasen, auf dieser Art von Untergrund sind sie besonders schmerzhaft, nicht mehr weiter laufen werde. Scheinbar gibt es am Ende der Strecke eine Lodge, Touristen werden dorthingekarrt. Eines dieser Autos halten wir an, doch obwohl drei freie Pl\u00e4tze und eine Ladefl\u00e4che vorhanden sind, will der Mann uns nicht mitnehmen. Nun wo wir wissen, dass die Lodgefahrer wohl einen Gro\u00dfteil des Verkehrs ausmachen und uns nicht mitnehmen werden, wird unsere Lage prek\u00e4r. Wir haben die H\u00e4lfte der Strecke zur\u00fcckgelegt, noch 3,7 Liter Wasser und werden uns sp\u00e4testens in einem Tag in einer Notlage befinden, wenn wir keine Mitfahrgelegenheit bekommen. Geht es bald darum, dieser lebensfeindlichen Ein\u00f6de zu entrinnen und wieder in die Zivilisation zu gelangen, ich w\u00fcrde ein Fahrzeug gewaltsam stoppen, auf die Ladefl\u00e4che springen oder notfalls besch\u00e4digen. Doch Romain ist dazu bei weitem nicht bereit und will jedem Konflikt aus dem Weg gehen, schl\u00e4gt stattdessen vor, die 32km in der Hitze zur\u00fcckzulaufen. Das w\u00fcrden wir heute oder morgen zwar vielleicht noch schaffen, doch danach w\u00e4ren meine F\u00fc\u00dfe aber f\u00fcr Tage im Eimer. So deutet sich der erste Konflikt bereits am zweiten Tage unserer gemeinsamen Zeit an.Drei weitere Fahrzeuge passieren uns, bleiben aber nicht stehen. Wir fassen den Plan, in der Morgenfrische des folgenden Tages zu versuchen, zu Fu\u00df wieder die Teerstra\u00dfe zu erreichen. Am fr\u00fchen Nachmittag passiert dann das Unglaubliche: Ein Pickup h\u00e4lt, die Rangerin nimmt uns nach kurzem \u00dcberlegen mit. So holpern wir also doch noch die verbliebenen 35km in Richtung Berge. Romain f\u00fchrt mit seinen Spanischkenntnissen, auch wenn diese nicht viel weitreichender sind als meine, ein angeregtes Gespr\u00e4ch mit der Rangerin. Tierlaute und Merkmale zu imitieren geht auch ohne Spanisch. Tats\u00e4chlich kommen wir uns bald vor wie auf einer Safari: Hunderte Guanacos, fremdartige V\u00f6gel mit langen Schn\u00e4beln, Grauf\u00fcchse und strau\u00dfen\u00e4hnliche Riesenv\u00f6gel, die nicht fliegen k\u00f6nnen. Also gibt es hier doch keine menschenfressenden Dinosaurier, unsere zwischenzeitliche Schlussfolgerung aus gigantischen, 20cm langen, einen Meter voneinander entfernten Fu\u00dfabdr\u00fccken und der Abwesenheit von menschlichem Leben.Idyllisch ist die pr\u00e4rie\u00e4hnliche Landschaft am Fu\u00df der Berge. Die Rangerin macht sehr klar, dass wir nicht von dem einzigen existierenden Wanderweg abweichen d\u00fcrfen und registriert unsere Namen und Verweildauer. Romain ist bereits drauf und dran, alle Trekkingpl\u00e4ne aufzugeben, denn unsere Route f\u00fchrt nat\u00fcrlich weit \u00fcber alles an vorhandenen Wegen hinaus. Mir bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als einen riskanten Plan auszuf\u00fchren: Die Rangerin zu fragen, ob wir am Fu\u00df der Berge an der Parkgrenze zum Viedma See laufen d\u00fcrften. Falls sie dies ablehnt und wir einfach verschwinden, wird nach uns gesucht werden. Offenbaren wir nicht unsere vermeintlichen Pl\u00e4ne, k\u00f6nnten wir schlicht mit einem der zur\u00fcckreisenden Autos mitgefahren sein, und niemand w\u00fcrde nach uns suchen, so meine \u00dcberlegung. Falls sie aber zustimmt, so k\u00f6nnte ich Romain \u00fcberreden, dass unsere Abreise ohne Auto kein Misstrauen erweckte. Es gelingt. Nun bleibt nur noch eine H\u00fcrde, denn aufgrund der zwei Tage langen Anreise geht uns das Essen aus. Mit einer Gruppe Australier, die ebenfalls am Campspot anwesend sind, unterhalte ich mich einige Zeit, und nach einer Weile bieten die weit gereisten und schon ordentlich betagten Rentner mir ganz von sich aus Nahrungsmittel an: Je zwei Eier, \u00c4pfel, Orangen, Schokolade und Fertignahrung. V\u00f6llig \u00fcberrascht \u00fcber diese Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, man bedenke, dieser Warenkorb hat hier selbst in den St\u00e4dten einen Wert von 40\u20ac, stelle ich fest, dass unserem Tourenstart morgen fr\u00fch nichts mehr im Wege steht.Um 5 Uhr im ersten Schimmer von D\u00e4mmerung brechen wir auf, schleichen uns hinter der Rangerstation vorbei und schlagen uns die n\u00e4chsten zwei Stunden durch dichten Wald in Richtung des Tales, dem wir folgen wollen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0019.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0019-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1009\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0019-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0019-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0019.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Fluss\u00fcberquerung und manche dichteren Geb\u00fcsche zwingen uns zu Umwegen, dann aber erreichen wir die Sohle des Hochtals, bedeckt von kleinen T\u00fcmpeln klaren Wassers, dicken Teppichen aus Moosen und Heidekr\u00e4utern, auf denen man bei jedem Schritt tief einsackt und einigen vereinzelten, hier nichtmehr sonderlich hohen S\u00fcdbuchen. Felsig brechen die auf ihren H\u00e4uptern flachen Berge ins Tal hinein ab, und der Fluss, der sich durch den ros\u00e9farbenen Granit seinen Weg bahnt, bildet kleine Becken, die bei anderen Temperaturen zum Baden einladen w\u00fcrden. Bald gelangen wir an einen Pass, wo sich die Landschaft erneut stark wandelt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0016.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0016-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1010\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0016-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0016-300x225.jpg 300w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0016-2000x1500.jpg 2000w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0016.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nur empf\u00e4ngt uns unnachgiebiger Wind, auch breitet sich vor uns eine weite steinige Hochfl\u00e4che aus, umrahmt von einigen Gletscherbergen. Mich erinnert die Landschaft sehr an Teile der Wind River Range. Die Hochebene durchquert, erwartet uns eine neue Steilstufe, diesmal in steilem Ger\u00f6ll und dahinter ein noch viel weiteres Hochplateau mit unfassbaren Dimensionen. Auf einer Anh\u00f6he tauchen am Horizont die stark vergletscherten Gebirgsz\u00fcge des Grenzkamms zu Chile auf, sowie einige Seen, die sich kilometerlang unter uns ausbreiten. Dank unserer Karte wissen wir, dass zu einem derer ein Wanderweg von einer Estancia, die nur per Boot erreichbar ist, f\u00fchrt. Ranger und uns denunzierend Touristen f\u00fcrchtend warten wir den restlichen Nachmittag ab, um die verbleibenden acht Kilometer der Hochebene erst am Abend zu durchqueren, um so allen anderen Besuchern aus dem Weg zu gehen.Der Wind nimmt an St\u00e4rke zu und der Abend beginnt hereinzubrechen, als wir uns an die Durchquerung des restlichen Hochplateaus geben. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0018.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0018-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1011\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0018-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0018-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0018.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr 5km folgen wir den Ufern eines ausgedehnten Sees, dar\u00fcber einige felsige Gletscherberge, zum Gro\u00dfteil aber abgerundete Kuppen aus schwarzem Ger\u00f6ll. Wir kommen uns vor wie im tibetischen Hochland. F\u00fcr eine Weile sind es nur das Rauschen des Windes und der stete Wellengang, die uns auf unserem einsamen Weg begleiten. Gelegentlich entspringt eine Quelle in der ansonsten kargen, nur an Fossilien reichen Oberfl\u00e4che, dann schimmern dichte Teppiche aus Moosen auf den dunklen Felsen \u00fcberall dort, wo ein Wasserlauf rinnt. Ein bet\u00f6render, Anis \u00e4hnelnder Duft geht von diesen aus, der so gar nicht in diese Ein\u00f6de zu passen scheint. Es ist bereits kurz vor 20 Uhr, als wir den See und die Hochebene endlich hinter uns lassen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0017.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0017-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1012\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0017-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0017-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260128-WA0017.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor uns erstreckt sich das weite Tal eines Gletschers, Kilometer breit und teils mit Eis gef\u00fcllt, dahinter die Berge an der Grenze zu Chile. Nach einer weiteren Stunde des Abstiegs, heute ist es Romain, dem die Kraft ausgeht, schlagen wir an einem gr\u00f6\u00dferen Fluss unser Lager auf. Mit diesem tut sich direkt das n\u00e4chste Hindernis auf, denn morgen geht unsere Tour auf seiner anderen Seite weiter. Entweder wir k\u00f6nnen ihn furten oder wir m\u00fcssen erneut 500 H\u00f6henmeter aufsteigen in eben jene Bergregion, aus der wir heute gekommen sind. Diese Perspektive l\u00e4sst mich unruhig schlafen, auch die knappe Ration von 250g Pasta tr\u00e4gt wenig zur S\u00e4ttigung bei. Die gr\u00f6\u00dfte Entt\u00e4uschung aber er\u00f6ffnet sich, als ich das vermeintliche \u00d6l dar\u00fcber gie\u00dfe. Essig statt \u00d6l habe ich teuerst erworben und ein halbes Kilogramm dessen unn\u00f6tig tagelang mit mir herumgeschleppt. Hier oben ohne Gem\u00fcse ist dieser vollkommen nutzlos, jedenfalls ist er in den Nudeln keine Bereicherung, so viel kann ich garantieren.F\u00fcnf mal \u00fcberquere ich den Fluss, einmal zum Testen, ob ich der Str\u00f6mung standhalten kann, zwei weitere Male mit dem Gep\u00e4ck. Er ist zwar 12m breit, geht uns an dieser Stelle aber nur bis ans Knie und ist harmlos zu \u00fcberwinden. Im Zickzackkurs die Bergflanke querend, h\u00e4ufig gezwungen weite Umwege aufgrund von Dickichten, Felsstufen oder Schluchten einzuschlagen, n\u00e4hern wir uns langsam dem Tal des Rio Norte an. In dieser Gegend weiden K\u00fche, die Flora der ansonsten dichten Moose und Flechten, dem federnden Untergrund und den Feuchtwiesen ist v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Dazu kommt die au\u00dferordentliche Trockenheit, in Folge derer die meisten der kleineren Seen und T\u00fcmpel kaum Wasser f\u00fchren. Nach zwei Stunden erreichen wir eine Anh\u00f6he aus gletschergeschliffenen Felsplatten. Einige gigantische Felsbl\u00f6cke liegen wie von magischer Kraft dort verstreut. Noch zeigen sich die Gletscher, die sie hierhergetragen haben am Horizont, dazwischen zahlreiche Seen und Felslandschaften. W\u00e4re es etwas w\u00e4rmer, b\u00f6ten die in kleinen Wasserf\u00e4llen und Gumpen herabstr\u00f6menden B\u00e4chlein eingefasst von Moosen und mannshohen S\u00fcdbuchen ein liebliches Bild, mit dem uns entgegenpeitschenden Wind und den dunklen Wolken aber kommt uns dieser Landstrich rau und unwirtlich vor. Sp\u00e4ter am Mittag zeigt sich die Sonne. Wir treffen auf einen Viehtreiberpfad und sind fortan etwas beunruhigt, wir k\u00f6nnten auf diesem Rangern begegnen, die uns sicherlich augenblicklich aus diese grandiosen Umgebung verbannen w\u00fcrden. Nicht selten bin ich erstaunt, wie zuverl\u00e4ssig meine per Satellitenbild erstellte Route durch das komplexe Terrain aus Felsstufen und Wald hindurchleitet und den leichtesten Weg findet. Mit der Ankunft im Tal des Rio Norte wandelt sich unsere Umgebung. Das tief eingeschnittene Tal ist eingefasst von hohen Felsw\u00e4nden, die den Wind abschirmen. Gro\u00dfe S\u00fcdbuchen gedeihen an seinem Grund an den Ufern eines m\u00e4chtigen, mal sich gem\u00e4chlich talabw\u00e4rts schl\u00e4ngelnden, mal in Stromschnellen herabtosenden Gletscherflusses. Dar\u00fcber befindet sich eine der h\u00f6chsten Felsw\u00e4nde Patagoniens, besetzt mit einigen H\u00e4ngegletschern, die fast bis zu uns hinabreichen. Auch wenn ein d\u00fcnner sich gelegentlich verlierender Pfad vorhanden ist, kommen wir bald nur noch langsam voran. F\u00fcr den Folgetag k\u00fcndigt sich schlechtes Wetter an, sodass wir es heute noch m\u00f6glichst weit schaffen wollen, doch 18km wegloses Gel\u00e4nde im Wald und die W\u00e4lder hier sind keinesfalls mit unseren aufger\u00e4umten europ\u00e4ischen zu vergleichen, lassen uns wieder volle 10 Stunden unterwegs sein, sodass wir \u00fcberaus ersch\u00f6pft am vorhergesehenen Lagerplatz oberhalb einer Mor\u00e4ne und des Sees, in den ein 2000 m hoher Gletscher am Gipfel des Cerro Norte entspringend m\u00fcndet, ankommen. So beeindruckend der Eisfall ist, uns ist die Gr\u00f6\u00dfe der Pasta Ration im Moment wichtiger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittag kommt Romain an, und nachdem wir uns mit Vorr\u00e4ten f\u00fcr 9 Tage und je 6 Litern Wasser, unser Trekking startet in der W\u00fcste, eingedeckt haben, geht es los. 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