{"id":1047,"date":"2026-02-08T12:46:41","date_gmt":"2026-02-08T10:46:41","guid":{"rendered":"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=1047"},"modified":"2026-02-08T12:51:41","modified_gmt":"2026-02-08T10:51:41","slug":"6-grenzuebergaenge-und-ein-gebrochenes-rucksack-tragegestell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=1047","title":{"rendered":"6. Grenz\u00fcberg\u00e4nge und ein gebrochenes Rucksack Tragegestell"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die letzten Tage nach unserem fordernden W\u00fcstentrekking waren recht ereignislos. Zwar hatten wir gutes Wetter, aber die geplante Durchquerung des Inlandeisfeldes um den Cerro Torre herum habe ich uns in letzter Minute aus mehreren Gr\u00fcnden abbrechen lassen. Zuallererst hatte Romain ein zu kurzes Seil eingepackt, sich ebenso wenig mit Spaltenbergungsmethoden besch\u00e4ftigt. Vielleicht war, was letzteres betrifft, unsere Kommunikation nicht klar genug. Als Bergsteiger hatte ich dies f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich gehalten und erwartet, dass auch jeder andere, der sich \u00fcber Gletscher bewegt, dies tut. Mit den uns verbliebenen 30 m Seil einen hinreichenden Flaschenzug bauen zu k\u00f6nnen, halte ich zwar nicht f\u00fcr unm\u00f6glich, w\u00fcrde das aber lieber ausprobiert haben, ehe es zum Pr\u00e4zedenzfall bei einem Spaltensturz k\u00e4me. Schlie\u00dflich, vom Gletscher noch weit entfernt, stoppte eine ernstere Fluss\u00fcberquerung unser Fortkommen, noch ehe wir in alpines Terrain vordringen konnten. Von daher endet die erste Etappe der Reise hier. Weiter soll uns unsere Route nach Norden in die vegetationsreichen und schwer zug\u00e4nglichen W\u00e4lder der Provinz O Higgins f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine ganze Weile ben\u00f6tigen wir, alle Eink\u00e4ufe in den Rucks\u00e4cken zu verstauen. Als wir es endlich geschafft haben, sind wir beim Trampen schnell erfolgreich. Ein spanisches Paar nimmt uns die ganze Strecke bis zum Lago Desierto mit und dies ben\u00f6tigt eine Weile, wenn man mit der Limousine nur mit 30 km\/h \u00fcber die Schotterstra\u00dfe f\u00e4hrt. Am Stra\u00dfenrand zeigen sich malerische W\u00e4lder, stille Seen und ein t\u00fcrkisfarbener Fluss, der zum Verweilen einl\u00fcde, doch das tut hier in den Bergen abseits der Pampa und der Touristenmassen fast jeder Ort. Noch einmal gr\u00fc\u00dft am Horizont der Fitzroy. Erst jetzt kurz vor Mittag k\u00fcndigt eine graue Wolkenfahne an seiner schlanken Spitze die Wetter\u00e4nderung an. Mal wieder h\u00e4tte man ihn erklettern k\u00f6nnen, zumindest das Wetter h\u00e4tte gepasst. Ob ich je zur\u00fcckkehren werde? Immer h\u00e4ufiger stelle ich mir diese Frage und wenn ich sie in den ersten Tagen klar mit ja beantwortete, bin ich mir nun nicht mehr so sicher. Kletterpartner findet man nicht auf der Stra\u00dfe, erst recht nicht solche, f\u00fcr Touren wie den Fitzroy. Da scheint es wie ein schlechter Scherz, dass man in diesem Touristennest Chalten von fast jedem gefragt wird \u201eHave you been to Fitzroy?\u201c erg\u00e4nzt um \u201eWe\u2018ve done it. Has been beautiful\u201c. Inzwischen habe ich aufgeh\u00f6rt, mich zu fragen, ob ich andauernd verkappten Bergsteigern \u00fcber den Weg laufe. Definitionen von am Gipfel gewesen sein, k\u00f6nnen offensichtlich divergieren. Vielleicht sollte ich ganz in diesem Sinne sagen \u201ePatagonia, I\u2018ve seen it\u201c und k\u00f6nnte beruhigt wieder abreisen, auch ohne einen einzigen alpinen Trek oder eine Klettertour absolviert zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Lago Desierto ist wundersch\u00f6n und heitert sogleich die Stimmung auf. Rundum in urspr\u00fcnglichsten Wald eingefasst, der sch\u00f6nste Regenwald, den ich seit Kanada bewandert habe, kommt es mir bald in den Sinn. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4914.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4914-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1049\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4914-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4914-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4914.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er ist von bestechender Farbe aus einer Mischung von dunklen Blau- und Gr\u00fcnt\u00f6nen, wie sie nur m\u00f6glich wird durch das stark verd\u00fcnnte Schmelzwasser der Gletscher weiter oben. Diese w\u00e4ren gewiss ein Ziel f\u00fcr sich, doch kommen von der Wetter\u00e4nderung abgesehen diese ebenso wenig in Frage aus selbigen Gr\u00fcnden wie die Durchquerung des Inlandeisfeldes. Eine Weile f\u00fchrt uns der Weg in anfangs munterem, schnell ersch\u00f6pfendem Auf und Ab am Ufer entlang, dann gewinnt er an H\u00f6he und das Wetter tr\u00fcbt sich ein. Im leichten Nieselregen erreichen wir den argentinischen Grenzposten am Ende des Sees am fr\u00fchen Nachmittag. Hier werden wir aufgehalten, weil wir nicht im Niemandsland zwischen den Staaten \u00fcbernachten d\u00fcrfen. Dies bedeutet f\u00fcr den Folgetag nicht nur eine lange Etappe von 24 km, sondern auch eine Nacht auf der Wiese vor dem Grenzposten, die von Enten wie Touristen gleicherma\u00dfen \u00fcberbev\u00f6lkert ist, mit \u00e4hnlichen Folgen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nacht \u00fcber regnet es viel und mein Schlafsack ist am Morgen so nass, dass ich mich frage, ob er je wieder werden wird wie zuvor, wenn man bedenkt, wie empfindlich Daune ist. Als erste stehen wir um Punkt 8 Uhr an der T\u00fcrschwelle des Grenzpostens und haben Augenblicke sp\u00e4ter die notwendigen Stempel im Pass und d\u00fcrfen weiter. Allm\u00e4hlich endet der Regen und die Wolken lichten sich. \u00dcber schlammigen Grund stapfen wir durch den S\u00fcdbuchenwald aufw\u00e4rts in Richtung Chile. Ohne Rucksack w\u00e4re dies ein spannender botanischer Spaziergang, doch so sind wir froh, \u00fcber jede Handvoll geschaffter Kilometer auch wenn das Terrain flach und leicht passierbar ist, von einigen umgest\u00fcrzten B\u00e4umen abgesehen. Auf chilenischer Seite empf\u00e4ngt uns eine Stra\u00dfe, Verkehr ist dort jedoch keiner, weil diese nur \u00fcber eine F\u00e4hrstrecke erreichbar ist. Ein gigantischer Flugplatz wirkt noch deplatzierter als die breite Schotterpiste, der wir durch meist abgeholzte oder abgebrannte W\u00e4lder folgen. Um 13 Uhr, zum ersten Mal waren wir auch was die Kilometerleistung betrifft halbwegs flott, erreichen wir den Grenzposten Chiles. Dieser Grenz\u00fcbertritt dauert deutlich l\u00e4nger, letztlich l\u00e4sst man uns aber ziehen, gl\u00fccklicherweise, ohne unsere Rucks\u00e4cke nach frischen Lebensmitteln zu durchsuchen, sonst w\u00e4ren wir des Zwiebelschmuggels verurteilt worden. Unsere zwei Zwiebeln sind uns dann Mittagsmahl an der Bootsanlegestelle. Beim \u00d6ffnen des Rucksacks erleide ich den bisher gr\u00f6\u00dften Schock dieser Reise und so manch anderer auch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Tragegestell des Rucksacks ist gebrochen an einer Stelle, wo es kompliziert zu reparieren ist. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4916.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"576\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4916-576x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1051\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4916-576x1024.jpg 576w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4916-169x300.jpg 169w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4916.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Rucksack ist das Schlimmste, das beim Reisen kaputtgehen kann. Ohne ihn hat man einen Berg Einzelteile, die nicht von A nach B zu tragen sind, die entweder in Form von Lebensmitteln und Wasser permanent notwendig sind oder aber aus teuren Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nden bestehen, die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter lebensnotwendig werden. Ich trage im Schnitt 25 kg mit mir herum und auch wenn dies scheinen mag, als w\u00e4re es viel, soll an einigen Beispielen verdeutlicht sein, wie minimalistisch ich unterwegs bin: Die Zahnb\u00fcrste ist abges\u00e4gt, zwei T-Shirts m\u00fcssen gen\u00fcgen, ebenso zwei Paar Socken, einmal Unterw\u00e4sche ist noch \u00fcbrig (und das trage ich), tagein, tagaus trage ich immer dasselbe Paar steigeisenfester Bergschuhe, ob bei Hitze oder Stadtspazierg\u00e4ngen und meine grunds\u00e4tzliche Regel beim Upgrade von Ausr\u00fcstung ist, 50 \u20ac pro 100 g gespartes Gewicht sind es wert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Aufstellung meiner Ausr\u00fcstung, die nach drei Wochen Trekking defekt oder teildefekt ist umfasst beide St\u00f6cke, Bergschuhe, Solarzelle, Powerbank, Handyladebuchse und nun auch noch den Rucksack.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4917.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4917-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1053\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4917-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4917-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4917.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entweder ich finde eine L\u00f6sung, das Tragegestell in O Higgins zu reparieren, dem n\u00e4chsten und nennenswertesten Dorf in 500 km Umkreis diesseits der Grenze, auch wenn es keine 100 H\u00e4user vorweisen kann, oder die Reise ist hier f\u00fcr mich zu Ende bzw. ich kann mich in irgendeinem Loch verkriechen bis Andrea kommt. F\u00fcr die F\u00e4hrfahrt von ca. 25 km d\u00fcrfen wir 120 \u20ac hinbl\u00e4ttern. Chile k\u00f6nnte, was die Preise betrifft, das argentinische Patagonien noch \u00fcbertreffen. Ersch\u00f6pft und zumindest ich demoralisiert erreichen wir die besagte Ortschaft und&nbsp;finden sogar einen g\u00fcnstigen Schlafplatz unweit des Ortes.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4915.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4915-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1052\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4915-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4915-300x225.jpg 300w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/4915.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten Tage nach unserem fordernden W\u00fcstentrekking waren recht ereignislos. 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