{"id":1115,"date":"2026-03-04T16:44:37","date_gmt":"2026-03-04T14:44:37","guid":{"rendered":"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=1115"},"modified":"2026-03-11T23:20:11","modified_gmt":"2026-03-11T21:20:11","slug":"endlich-komme-ich-zum-klettern-wenn-auch-nicht-im-besten-gelaende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=1115","title":{"rendered":"9. Endlich komme ich zum Klettern, wenn auch nicht im besten Gel\u00e4nde"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><\/h1>\n\n\n\n<p>Tobi ist ein ziemlich schr\u00e4ger Vogel, der in jedem Gesch\u00e4ft, in das er geht, erst mal \u00fcberschw\u00e4nglich des Personal begr\u00fc\u00dft und ein Gespr\u00e4ch beginnt. Zun\u00e4chst geht es zwischen uns kaum \u00fcber Smalltalk hinaus, der dann eher recht einsilbig verl\u00e4uft. Dies \u00e4ndert sich aber mehr und mehr. Nach der Tour wird er mich sogar zu sich in die USA einladen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir entscheiden uns, die n\u00e4chsten Tage eine Kletterei am Cerro Chocolate anzugehen. F\u00fcr die Nacht l\u00e4dt er mich auf den Campingplatz ein. Das erm\u00f6glicht mir zwar, die K\u00fcche zu nutzen, sodass wir uns ganz nach amerikanischer Art Hamburger bereiten k\u00f6nnen, doch f\u00fcr mich ist es \u00e4u\u00dferst ungewohnt, mein Zelt mitten in einem Ort aufzuschlagen mit Hundegebell und Motorenger\u00e4uschen die ganze Nacht hindurch sowie lauter Menschen, die meine Habe stehlen k\u00f6nnten. Der Eispickel liegt zur Selbstverteidigung zwar allzeit bereit, aber dieser reichlich komischen und peinlichen Szene w\u00fcrde ich lieber nicht beiwohnen m\u00fcssen, wie ich aus Furcht beraubt zu werden aus dem Zelt spr\u00e4nge und dabei m\u00f6glicherweise noch beobachtet w\u00fcrde. Meine Frucht ist nicht aus Paranoia geboren, sondern einzig aus dem Umstand, dass ich seit zwei Monaten die erste Nacht nicht in absoluter Einsamkeit zelte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6316.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6316-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1117\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6316-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6316-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6316.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch dieser Tag bringt uns nicht das perfekte Wetter. So starten wir erst um elf Uhr. Gl\u00fccklicherweise klappt das Trampen zum Ausgangspunkt sehr gut und erspart uns 6 km Fu\u00dfmarsch. Um das Eingangstor in den Nationalpark schleiche ich mich herum und erspare mir so den empfindlich teuren Eintritt. In den hohen Bergen regnet es, nur die scharf geschnittenen Konturen des Cerro Palo k\u00f6nnen wir f\u00fcr einen Moment zwischen den Wolken ausmachen. Die Berge hier sind spitz, ihre Grate von zerrissenen Zacken gepr\u00e4gt, doch was die Kletterqualit\u00e4t des Gesteins anbelangt habe ich schon aus der Entfernung meine Zweifel. Ich kann Tobi zum Wildcampen \u00fcberreden. So campieren wir direkt am Fu\u00df der Flanke, die uns am kommenden Tage zum Einstieg leiten wird. Er hat die Route schon einmal im Alleingang probiert und nicht nur einiges an Material beim R\u00fcckzug dort gelassen, sondern auch seine Eisaxt verloren. Als wir am n\u00e4chsten Morgen aufsteigen, gelingt es mir tats\u00e4chlich die Nadel im Heuhaufen beziehungsweise die Eisaxt im Blockfeld zu finden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6324.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6324-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1125\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6324-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6324-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6324.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Durchaus elegant baut sich die Wand \u00fcber uns auf, nur eine logische Linie zum Klettern durch sie hinauf zu finden erschlie\u00dft sich mir aus dieser Perspektive nicht. Wie auch immer, Tobi kennt den Einstieg, und dieser erweist sich auch als jene Stelle, auf die ich ohnehin geradewegs zugesteuert bin. Wir klettern in Wechself\u00fchrung, er \u00fcberwindet in einer ersten leichten Seill\u00e4nge den Vorbau, dann wartet auf mich eine Verschneidung im oberen f\u00fcnften Grad, die noch halbwegs passablen Fels bereith\u00e4lt. Dies \u00e4ndert sich aber in folgenden Seill\u00e4ngen. Ich traue dem Gestein nicht. Nicht dass alles lose w\u00e4re, doch l\u00e4sst sich die Festigkeit schwer einsch\u00e4tzen, und so ist man h\u00e4ufig gezwungen, kleinere Griffe zu w\u00e4hlen, weil die gr\u00f6\u00dferen und besseren etwas hohl klingen. Nicht sonderlich schnell \u00fcberwinden wir zwei weitere Seill\u00e4ngen im sechsten Grad, dann quere ich nach links heraus, weil die Wand \u00fcber uns zu kompakt wird. Folglich hat Tobi einen 20 m hohen Riss zu \u00fcberwinden, mit dem er volle anderthalb Stunden zu k\u00e4mpfen hat, weil das Gestein etwas nass ist und die Schwierigkeiten mit 6 bis 6+ an seinem Limit liegen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6326.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6326-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1120\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6326-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6326-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6326.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>In einer leichten Seill\u00e4nge ohne sonderlich viele Zwischensicherungen, dort wo wir einen Absatz erwartet hatten, befinden sich lediglich glatte, abweisende Platten, erreiche ich das obere Ende des unteren Wanddrittels. Eine geschlossen wirkende senkrechte Wand in der Sonne gr\u00e4ulich schimmernd baut sich \u00fcber uns auf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6342.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6342-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1121\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6342-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6342-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6342.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p> Nur zwei Risse f\u00fchren durch sie hindurch und auf diese sind wir ja angewiesen, da wir die Route g\u00e4nzlich selbst absichern m\u00fcssen. Der linke ist von Flechten und Moosen verstopft und entschwindet bald unseren Blicken, somit kommt dieser nicht infrage. Der rechte ist sauberer, aber auch steiler und erfordert eine Querung von 15 m ohne allzu viele Zwischensicherungen, um zu seinem Beginn zu gelangen. F\u00fcr diesen entscheide ich mich, kann die Querung ohne gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten hinter mich bringen, doch am Riss angelangt, stelle ich fest, dass dieser deutlich weniger festen Fels bereith\u00e4lt, als erwartet. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6320.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6320-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1122\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6320-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6320-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6320.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Zudem kann ich keine vern\u00fcnftige Sicherung legen, schiebe das Ende eines Klemmkeils an kleinen Felsnoppen \u00fcber und platziere einen Friend hinter einer Schuppe, der ich nicht wirklich mehr vertraue. Zwei unangenehme Meter im sechsten Grad h\u00f6her erreiche ich dann endlich den anvisierten Riss, dieser aber trennt einen abgespaltenen Felsturm von der Wand und je nachdem wie viel Spreizwirkung man auf ihn auswirkt, so meine Furcht, k\u00f6nnte der Turm sich g\u00e4nzlich l\u00f6sen. Auch wenn ich in eben dieser Passage den ersten und einzigen Schlaghaken der Route entdecke, muss sie also zweifelsohne hier entlangf\u00fchren. Dennoch ist mir diese Strecke zu heikel. Ich klettere volle 20 m mit den ebenso mittelm\u00e4\u00dfigen <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6339.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6339-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1123\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6339-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6339-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6339.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Zwischensicherungen wie im Aufstieg ab und wir umgehen die Wandstufe zu ihrer rechten, nicht ohne dass Tobi im Nachstieg einen gro\u00dfen Felsblock abtritt. Anschlie\u00dfend leitet uns ein Riss, ausnahmsweise einmal in festem Fels an den Sockel des Gipfelaufbaus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6328.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6328-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1124\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6328-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6328-300x225.jpg 300w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6328.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p> Letzterer ist eindeutig zu steil f\u00fcr uns und soll nur im Grad 6c zu erklettern sein. Ich habe meine Zweifel, so rissarm und geschlossen wie das Gestein wirkt, ob dies bei solider Absicherung m\u00f6glich ist. Die zwei Seill\u00e4ngen im Mittelteil haben uns viel Zeit gekostet, es ist bereits 3 Uhr. So dr\u00e4nge ich darauf, dass wir \u00fcber eine Rampe nach links die Wand m\u00f6glichst schnell verlassen. Durch alpines Schrofengel\u00e4nde f\u00fchre ich uns rasch an das Ende der Wand zu einem kleinen Pass, von wo wir zum Gletscher absteigen k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere n\u00e4here Umgebung ist durchaus spektakul\u00e4r, schwarze gezackte Felsspitzen, noch schmiegen sich einige steile und zerrissene Gletscher an ihre Flanken. Gegen\u00fcber steht der Cerro Castillo, doch da auch er aus dem gleichen Gestein besteht, wirkt mir der Name unpassend und sollte von Schloss eher zur Ruine abgewandelt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In einer zu Beginn 55\u00b0 steilen Schneerinne klettern wir so weit wie m\u00f6glich ab, m\u00fcssen einmal abseilen, dann sind wir auf dem Gletscher. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6330-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6330-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1126\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6330-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6330-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/6330-1.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die ersten Meter k\u00f6nnen wir elegant hinabgleiten und kleinere Spalten dabei \u00fcberspringen, Tobi erweist sich als exzellenter Skifahrer, weiter unten geht es \u00fcber blankes Eis hindurch zwischen gigantischen von oben herabgest\u00fcrzten Felsbrocken. Wiederholen muss ich eine Kletterei in diesem Gebiet definitiv nicht. Die Berge fallen an allen Ecken und Enden auseinander. M\u00fcde erreichen wir unser Camp, wo wir eine weitere Nacht verbleiben und am n\u00e4chsten Morgen absteigen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tobi ist ein ziemlich schr\u00e4ger Vogel, der in jedem Gesch\u00e4ft, in das er geht, erst mal \u00fcberschw\u00e4nglich des Personal begr\u00fc\u00dft und ein Gespr\u00e4ch beginnt. Zun\u00e4chst geht es zwischen uns kaum \u00fcber Smalltalk hinaus, der dann eher recht einsilbig verl\u00e4uft. Dies \u00e4ndert sich aber mehr und mehr. Nach der Tour wird er mich sogar zu sich &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=1115\" class=\"more-link\">Mehr <span class=\"screen-reader-text\">\u00fcber &#8222;9. 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