{"id":1178,"date":"2026-03-16T17:39:23","date_gmt":"2026-03-16T15:39:23","guid":{"rendered":"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=1178"},"modified":"2026-03-16T17:44:56","modified_gmt":"2026-03-16T15:44:56","slug":"9-b-trotz-hohem-einsatz-die-berge-des-colonia-valley-unerreichbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=1178","title":{"rendered":"9.b Trotz hohem Einsatz: Die Berge des Colonia Valley unerreichbar"},"content":{"rendered":"\n<p>Tobi hat mir vom Colonia Valley, wo er fr\u00fcher als Guide gearbeitet hat, so geschw\u00e4rmt, dass ich mir die Berge dort aus der N\u00e4he ansehen m\u00f6chte, auch wenn dies vier Tage zur\u00fcck nach S\u00fcden bedeutet.Gleich nachdem ich mich mit so viel Proviant eingedeckt habe, wie der Rucksack noch fassen kann, begebe ich mich auf den Weg s\u00fcdw\u00e4rts. Unerwartet schnell werde ich von einem chilenischen Touristen mitgenommen, der mit seinem Auto im Schnitt 27 Km\/h auf den Schotterstra\u00dfen f\u00e4hrt. Entsprechend ziehen sich die 150 km bis Rio Tranquilo, wo ich zwar eine gute H\u00e4lfte des Weges geschafft habe, aber die Nacht hereinbricht. Folglich habe ich nur wenig Vorlaufzeit um einen Lagerplatz zu finden, so verbleibe ich 20 m oberhalb der Stra\u00dfe zwar mit Sicht auf den wundersch\u00f6nen Lago Carrera, der zu jeder Tageszeit und Lichtstimmung v\u00f6llig anders aussieht, bin aber so sehr dem Wind ausgesetzt, dass ich kein Zelt aufbauen kann und die gelegentlich vorbeibrausenden Fahrzeuge auf der Stra\u00dfe zu h\u00f6ren bekomme. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7126-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7126-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1179\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7126-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7126-300x225.jpg 300w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7126-2000x1500.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Mein Ziel lockt mich und am folgenden Tag ist au\u00dfergew\u00f6hnlich gutes Wetter. Da will ich keine Stunde, die ich in den Bergen sein k\u00f6nnte, verschenken. Deshalb stehe ich vor 8 Uhr am Stra\u00dfenrand zu einer f\u00fcr s\u00fcdamerikanische Verh\u00e4ltnisse au\u00dferordentlich fr\u00fchen Zeit. Tats\u00e4chlich gelingt es mir um 11:00 Uhr an der F\u00e4hre \u00fcber den Rio Baker zu sein. Diese entpuppt sich als Flo\u00df, das an einem massiven, st\u00e4hlernen Tau \u00fcber den breiten Strom gezogen wird. Den Fahrer eines kleinen Viehtransporters bequatsche ich mit meinen Spanisch Brocken so lange, bis er zustimmt, mich bis dorthin, wohin er f\u00e4hrt, mitzunehmen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7768.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7768-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1180\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7768-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7768-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7768.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Das verk\u00fcrzt mir den Zuweg gut um die H\u00e4lfte. In der br\u00fctenden Mittagshitze laufe ich zu Fu\u00df weiter, irgendwann ert\u00f6nt das erhoffte Motorenger\u00e4usch. Ein brandneuer Pickup taucht hinter mir auf. Im perfekten Englisch erkl\u00e4rt mir der Fahrer, dass er zwar nicht meinen Weg nehmen m\u00fcsste, bietet aber nach kurzem \u00dcberlegen an, mich ein gutes St\u00fcck dorthin zu bringen. Zuvor helfe ich ihm, einige Salzs\u00e4cke auf seinen Pickup zu laden. Er berichtet mir, dass er Jurist sei, sich dann aber f\u00fcr ein Leben hier drau\u00dfen entschieden habe: Es sei hart, aber die Natur entsch\u00e4dige f\u00fcr alles, auch wenn er gro\u00dfe Schwierigkeiten mit den Nachbarn habe. Vor f\u00fcnf Jahren habe es ein verheerendes Feuer gegeben, weil ein Nachbar auf der anderen Flussseite seine Asche im Wald abgeladen habe. Dieses habe sich rasant ausgebreitet und den Rio Baker \u00fcbersprungen. Die Kiefernplantagen auf der anderen Seite des Flusses wirkten als Brandbeschleuniger und h\u00e4tten dem Feuer beinah erlaubt, Cochrane zu erreichen. Er berichtet mir auch, dass man sich bis vor nicht allzu langer Zeit in diesem Land habe Grund aneignen k\u00f6nnen, indem man den Wald nieder gebrannt habe und sich dann blo\u00df noch als Besitzer im Grundbuch habe eintragen lassen m\u00fcssen. Brandrodung gebe es noch immer, dabei wachse das Gras f\u00fcr die Rinder unter B\u00e4umen besser und wenn man Chemikalien f\u00fcr die Landwirtschaft nutze, k\u00f6nne man das Wasser nicht mehr trinken, dann werde alles ohnehin sinnlos. Ich bin erstaunt \u00fcber diese progressive Haltung. An einem Tor h\u00e4lt er an, das Grundst\u00fcck seiner Nachbarn will er offensichtlich lieber nicht befahren. Zum Abschied meint er, vor drei Tagen sei hier eine Expedition durchgekommen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7772.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7772-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1181\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7772-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7772-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7772.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p> Alleine w\u00fcrden es die wenigsten versuchen und ohne Boot sei es ohnehin kaum m\u00f6glich. Meinem Ziel abermals 10 km n\u00e4her laufe ich beschwingten Schrittes das Tal aufw\u00e4rts. Am Horizont sind Ausl\u00e4ufer des Eisfeldes und einige ferne aber doch imposante Felspitzen aufgetaucht. Zahlreiche kleinere Fl\u00fcsse muss ich furten, dann erreiche ich das letzte Geh\u00f6ft, das scheinbar verlassen ist und schlage mich dort in den Wald. Nach wenigen 100 m suche ich mir am Fluss einen Platz zum Zelten. Es ist sp\u00e4t genug und ehe ich in die steile Schlucht \u00fcber mir hineingerate, will ich ausgeruht sein. Um Brennstoff zu sparen, koche ich auf dem Feuer. Beim Anz\u00fcnden bin ich schockiert, dass blo\u00df als ich ein Feuerzeug an die \u00c4stchen halte, eine Stichflamme aus diesen hervorschie\u00dft als w\u00e4ren sie Benzin getr\u00e4nkt. Die Worte des Farmers sind mir noch lebhaft in Erinnerung.Obwohl ich schon am Vorabend gesehen hatte, was mich erwarten w\u00fcrde, war es mir irgendwie gelungen, meinen Optimismus zu bewahren. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7770.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7770-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1182\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7770-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7770-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7770.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Aber nun schwindet er zusehends mit jedem weiteren Meter, den ich mich tiefer in den Wald hinein wage. Nat\u00fcrlich wei\u00df ich, dass es W\u00e4lder gibt, die schlicht unpassierbar sind, auch dass es diese in Patagonien gibt, doch die Berge locken. Das, was mich da oben erwartet, k\u00f6nnte ein zweiter Bugaboo sein. Jedem, dem dieser ein Begriff ist, wird wissen, dass er das \u00c4quivalent an Perfektion hinsichtlich Sch\u00f6nheit von Granitbergen wie alpinem Klettern ist. In der ersten Stunde schaffe ich 600 m Strecke. Ber\u00fccksichtigt man die Beschaffenheit des Terrains ist das viel. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7769.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7769-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1183\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7769-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7769-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7769.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei jedem Schritt bin ich dazu gezwungen, mich durch ein Dickicht zu w\u00fchlen, \u00fcber umgest\u00fcrzte B\u00e4ume zu klettern und all dies an einem etwa 40\u00b0 steilen Abhang, der unter mir in den sch\u00e4umenden Fluss m\u00fcndet und \u00fcber mir kein Ende zu finden scheint. Ich \u00fcberwinde einen Erdrutsch, kann Einblick auf den oberen Verlauf des Tales erhaschen. Der steilste Teil ist ganz klar der erste, vielleicht die H\u00e4lfte davon habe ich schon \u00fcberwunden. Doch die zweite H\u00e4lfte ist ohne jeden Zweifel noch ruppiger als die erste. Bachbetten m\u00fcssen \u00fcberwunden werden. Teils sind sie so steil, dass ein Weiterkommen nur m\u00f6glich ist, wenn ich mich an den St\u00e4mmen an ihren Seiten hinabhangele. Entlang einer Felswand quere ich, steige eine Steilrinne ab und sehe, dass mich auf der anderen Seite ein ebenso steiler Aufstieg erwartet. Mein Stock bricht durch und ich habe schlussendlich genug. Bis zur Waldgrenze sind es noch 10 km, etwas mehr als einen Kilometer habe ich geschafft. Nicht nur ein einziges un\u00fcberwindbare Hindernis h\u00e4lt mich auf sondern schlicht die Summe aller f\u00fcr sich \u00fcberwindbaren Hindernisse zusammen. Wenn ich dieses Tal bis zu seinem Ende aufstiege, bed\u00fcrfte es allein, um den waldigen Teil zu \u00fcberwinden, 20 Stunden. In eine solche Abgeschiedenheit kann ich nicht verantworten, mich mutterseelenallein zu begeben. F\u00fcr ein derartiges Unterfangen willige Begleiter zu finden, halte ich zwar ebenso f\u00fcr nahezu ausgeschlossen, doch mir bleibt nichts als die Umkehr, fast schon Flucht will ich es nennen, hinaus aus dieser gr\u00fcnen H\u00f6lle, wo jeder Meter hart zur\u00fcckerobert werden muss. Als ich wieder halbwegs gangbaren Untergrund vorfinde und eine knappe Stunde abgestiegen bin, stelle ich fest, dass sich mein Eispickel vom Rucksack verabschiedet hat und fluche laut. Ich h\u00e4nge an ihm, habe ich mit ihm doch Bergsteigen gelernt und brauche ihn noch f\u00fcr weitere Touren. Jedoch ist es unwahrscheinlich einen Eispickel, der sich in seiner Farbe kaum von den \u00c4sten unterscheidet, in diesem Unterholz wiederzufinden. Grenzt es doch an Unm\u00f6glichkeit, hier zweimal den gleichen Weg einzuschlagen, w\u00e4hrend die Sicht maximal 2 m betr\u00e4gt. Es hilft nichts, ich muss wieder hinauf und ihn suchen. Eine Stunde lang klettere ich hektisch ohne Rucksack zwar etwas leichter, aber noch immer \u00e4u\u00dferst beschwerlich, den Hang hinauf und finde nichts. Im Abstieg zur\u00fcck nehme ich mir vor, stets den leichtesten, logischsten Weg einzuschlagen, in der Hoffnung, dass ich ihn auch zuvor gew\u00e4hlt habe, als ich den Eispickel verloren habe. Tats\u00e4chlich, als ich schon fast dagegen sto\u00dfe, sehe ich ihn in einem Baum h\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7771.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7771-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1184\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7771-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7771-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7771.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn es eines gibt, dass ich augenblicklich nicht mehr gewillt bin zu tun, sind es Weglos-Eskapaden im patagonischen Unterholz. Doch bin ich zwei Tage hierhin getrampt und dann noch einmal 20 km in das Colonia Tal gelaufen, um diesen Ort zu erreichen. Bei diesem Aufwand m\u00f6chte ich mich nicht so leicht geschlagen geben. Daher fasse ich den Plan, in einem Seitental unterhalb abermals mein Gl\u00fcck zu versuchen, werde aber vorerst vom Regen unterbrochen und verbringe den restlichen Tag im Zelt, froh nun nicht dort oben im Wald, auch noch bei N\u00e4sse meinen Weg finden zu m\u00fcssen.In dem Seitental, wo ich es am folgenden Tag probiere, stehen meine Chancen besser, so meine \u00dcberlegung, weil ich insgesamt blo\u00df 4 km zu \u00fcberwinden habe, ehe ich auf die Waldgrenze treffen kann. Anfangs folge ich dazu dem Bachbett, doch dieses wird bald ebenfalls zur Schlucht, die ich linker Hand verlasse. Nach insgesamt 300 m gebe ich auf. Hier ist es nicht der Wald, der mich aufh\u00e4lt, sondern mannshohes Dornengestr\u00fcpp. Wie fast \u00fcberall in den Gegenden, wo Stra\u00dfen oder Viehweiden nahe sind, ist der Wald abgebrannt. Was nachw\u00e4chst ist dornige, niedrige Vegetation. Hier aber ist sie zu hoch, als dass ich hindurch kommen k\u00f6nnte. Gerade zu l\u00e4cherlich wirkt es, an 3,7 km nicht sonderlich steilem Gel\u00e4nde zu scheitern. \u00c4u\u00dferst sonderbar beziehungsweise \u00e4rgerlich ist auch, dass von den zw\u00f6lf Tagen guten Wetters, die ich in den letzten zwei Monaten erlebt habe, acht auf jene Tage fielen, an denen ich fern der Berge von einem Massiv ins n\u00e4chste wechselte, so auch heute. Da Mitfahrgelegenheiten auf den ersten zwei Dritteln des Weges ausbleiben, bleibt mir nichts anderes \u00fcbrig als 25 km in der Hitze unter praller Mittagssonne \u00fcber die Stra\u00dfe zur\u00fcck in Richtung Zivilisation zu laufen. Die F\u00fc\u00dfe schmerzen, der Rucksack dr\u00fcckt, am schlimmsten aber: Das Ganze erscheint mir absurd unn\u00f6tig. Mit einem Auto k\u00f6nnte man hier problemlos 70 Km\/h fahren, mehr noch auch mit einem Auto br\u00e4uchte man sich gar nicht in diese Gegend begeben, zumindest wenn man die Absicht hat, hier auf Berge zu steigen. Ohne ein Boot, mit dem man den Rio Colonia hinauf kann, ist dies nicht m\u00f6glich. Dies wei\u00df ich leider erst jetzt. Da h\u00e4tte Tobi etwas deutlicher in seinen Angaben sein d\u00fcrfen. Immerhin, die Route hatte ich ausgearbeitet, dies kann ich ihm nicht vorwerfen. Dass ich aber nicht der erste bin, der an dieser scheitert, diese Information h\u00e4tte ich gerne fr\u00fcher gehabt.Nicht viel besser ergeht es mir, als ich nach 25 km mit 28 kg auf dem R\u00fccken in 5 Stunden die Carretera Austral, f\u00fcr die erste H\u00e4lfte des Tages das sehnlich  herbei gew\u00fcnschte Ziel, erreiche und feststelle, dass es auch hier nicht einfach mit dem Trampen ist. Auch wenn es hier im Gegensatz zu der vorherigen Dirt Road gen\u00fcgend Verkehr gibt, werde ich nicht mitgenommen. Doch noch immer ist es hei\u00df, ich habe kein Wasser mehr, und die Nacht naht in gro\u00dfen Schritten. Nach einer Weile beschlie\u00dfe ich, dass meine Lage so misslich wird, dass ich Fahrzeuge anhalten sollte. Auch wenn ich keinen Lift bekomme, sollte ich zumindest nach Wasser fragen k\u00f6nnen. Dabei mache ich die unerfreuliche Erfahrung, dass es nicht einfach ist, ein vorbeifahrendes Auto anzuhalten. Die Stra\u00dfe hat ungef\u00e4hr zwei Fahrbahnbreiten. Zu winken, sich die Sonnenbrille auszuziehen und sich in die Mitte zu stellen hat den Effekt, dass ich vermutlich noch bedrohlicher wirke, als ich es als wilder Tramper ohnehin schon tue, mit der Folge, dass man in riskanten Man\u00f6ver um mich herumkurvt. Dreimal wiederholt sich dies und ich gebe schon die Hoffnung auf. Da h\u00e4lt unerwartet ein Fahrzeug auf der Gegenseite und der Fahrer fragt, ob alles in Ordnung sei. Wasser kann er mir keines geben, aber immerhin einen Liter Fruchtsaft. Damit werde ich die Nacht wohl \u00fcberstehen k\u00f6nnen. So kehre ich vom Versuch, Fahrzeuge anzuhalten, wieder zum Trampen zur\u00fcck. Irgendwann finde ich einen Pickup, auf dessen Ladefl\u00e4che ich steigen kann und komme ein gutes St\u00fcck weiter. Leider h\u00e4lt dieser an der Grenze des Patagonia Nationalpark an. Ich habe nat\u00fcrlich keineswegs die Absicht, Eintritt zu zahlen und mich zu registrieren, marschiere also schnurstracks weiter in Richtung meines Zieles, um gerade noch zu sehen, wie mein vorheriger Lift an mir vorbei in meine Richtung f\u00e4hrt. Nun r\u00e4chen sich meine schlechten Spanisch Kenntnisse und damit die fehlenden Kommunikationsm\u00f6glichkeiten. Da ich zu dieser sp\u00e4ten Stunde nicht mehr viel Verkehr erwarte, laufe ich noch zwei weitere Kilometer auf der Stra\u00dfe, um dann oberhalb des Lago Cisnes in der steppenartigen und sehr staubigen Landschaft mein Zelt aufzuschlagen, nachdem ich eine Fl\u00e4che daf\u00fcr von den hier omnipr\u00e4senten stacheligen Str\u00e4uchern befreit habe. In der Ferne gl\u00e4nzen die Schneegipfel des Eisfeldes silbrig in der letzten Abendsonne. Dort hatte ich hingewollt. Sie gelten als eines der exklusivsten bergsteigerischen Ziele weltweit \u2013 zurecht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7774.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7774-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1186\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7774-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7774-300x225.jpg 300w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7774.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tobi hat mir vom Colonia Valley, wo er fr\u00fcher als Guide gearbeitet hat, so geschw\u00e4rmt, dass ich mir die Berge dort aus der N\u00e4he ansehen m\u00f6chte, auch wenn dies vier Tage zur\u00fcck nach S\u00fcden bedeutet.Gleich nachdem ich mich mit so viel Proviant eingedeckt habe, wie der Rucksack noch fassen kann, begebe ich mich auf den &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=1178\" class=\"more-link\">Mehr <span class=\"screen-reader-text\">\u00fcber &#8222;9.b Trotz hohem Einsatz: Die Berge des Colonia Valley unerreichbar&#8220; <\/span>Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1178","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1178","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1178"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1178\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1187,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1178\/revisions\/1187"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}