{"id":973,"date":"2026-01-19T06:53:57","date_gmt":"2026-01-19T04:53:57","guid":{"rendered":"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=973"},"modified":"2026-02-01T17:49:04","modified_gmt":"2026-02-01T15:49:04","slug":"patagonien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=973","title":{"rendered":"1. Patagonien"},"content":{"rendered":"\n<p>Es geht also wieder los, denke ich, als ich aus der klirrenden K\u00e4lte und der nach Schnee riechenden Luft in den Bus steige. Ungew\u00f6hnlich ist es, eine 48 st\u00fcndige Reise mit drei Fl\u00fcgen zun\u00e4chst mit 5 Stunden Fahrt im Regionalverkehr zu beginnen. Mir ist Bange zu Mute. Meist bin ich bei der Abreise nicht nerv\u00f6s, heute schon. Alle Schritte haben so logisch auf eine Expedition nach Patagonien hingef\u00fchrt, erst das abgebrochene Auslandsjahr vor meinem Bachelor, die Untauglichkeit Mitteleuropas als Destination f\u00fcr alle, die dem Tourismus und seinen Begleiterscheinungen zumindest ein St\u00fcck voraus sein wollen sowie schlie\u00dflich meine langen Ferien in diesem Winter, dass ich erst jetzt beginne, mich zu fragen, inwieweit ich meinem Vorhaben gewachsen sein werde. In drei Monaten nach unz\u00e4hligen zu Fu\u00df erwanderten Kilometern, gr\u00f6\u00dftenteils weglos, hochalpin, \u00fcber Gletscher und Mor\u00e4nenlandschaften f\u00fchrend, durch Fl\u00fcsse, illegalen Grenz\u00fcbertritten, \u00fcberhaupt einem grunds\u00e4tzlichen Verbot der Art und Weise, in der ich im backcountry unterwegs sein werde, den Unbilden des patagonischen Wetters und schwierigen Kletterrouten werde ich darauf vielleicht eine Antwort kennen.<br><br>Wolken umspielen das Flugzeug, im Osten geht die Sonne auf, im Westen kann ich durch eine der wenigen nicht heruntergelassen Sichtblenden Einblick auf einige Berggipfel erhaschen. Nun bin ich also angekommen, in Patagonien, dem Mythos schlechthin: Noch heute unter Entdeckern ein sagenumwobener Ort, unter Kletterern eine der extremsten Destinationen. Die gr\u00f6\u00dften Granitw\u00e4nde der Erde wie auch die gr\u00f6\u00dften Eisfl\u00e4chen au\u00dferhalb der Polregionen sind hier zu finden. Ungez\u00fcgelt treffen die St\u00fcrme, die sich in den warmen Wassern des Pazifik aufgeladen haben, auf die Berge und bescheren einer ganzen Gegend den Ruf, das schlechteste Wetter weltweit zu haben. Rau und sch\u00f6n ist diese Wildnis und eine der letzten ihrer Art.<br><br>Schnell ist mein Gep\u00e4ck da, und ich verlasse den kleinen Flughafen, trampe mit dem ersten Auto in Richtung Stadt. Am westlichen Horizont zeigen sich die Berge, am \u00f6stlichen hingegen erstreckt sich die Pampa, soweit das Auge reicht. Der Einkauf in dem, was sich Supermarkt nennt, ist eine frustrierende Erfahrung. Nicht nur, dass die Auswahl sehr begrenzt ist, auch sind die Preise hoch. 20$ f\u00fcr 1 l haltbare Milch, 10$ f\u00fcr 100g Schokolade oder 9$ f\u00fcr 200g Trauben. Nur mittelm\u00e4\u00dfig mit Proviant eingedeckt ziehe ich los in Richtung El Chalten, muss daf\u00fcr zun\u00e4chst bis ans Ende der Stadt 5 km zu Fu\u00df zur\u00fccklegen, ehe ich trampen kann. Entgegen meinen Erwartungen beziehungsweise dem, was man im Internet liest, klappt dies erstaunlich gut. Mit 140 km\/h auf den schnurgeraden Stra\u00dfen sind die 300 km bis zu meinem Zielort schnell \u00fcberwunden. Das letzte St\u00fcck nimmt mich ein Argentinier mit, der seit einem Jahrzehnt jeden Sommer in El Chalten verbringt und mir berichtet, dass aktuell Jagd auf Wildcamper gemacht werde, beinahe zu allen Wanderrouten Eintritt verlangt werde, zumindest dies hatte ich schon eine Woche vor meiner Abreise erfahren und dass die Preise in den Superm\u00e4rkten dort noch einmal 50 % h\u00f6her als in El Calafate sind. Davon kann ich mich dann bei meinem zweiten Einkauf direkt mit eigenen Augen \u00fcberzeugen. Das St\u00e4dtchen erinnert viel eher an einem schweizer Skiort und hat S\u00fcdamerika beziehungsweise Argentinien kaum etwas gemein. Teure Bars mit dr\u00f6hender Musik und schicke Restaurants reihen sich aneinander, auf den Stra\u00dfen flanieren amerikanische und europ\u00e4ische Touristen zwischen Taxis und vermieteten Gel\u00e4ndewagen. Hoch dar\u00fcber zeigen sich die W\u00e4nde des Fitzroy Massives, nur die Gipfel sind in Wolken verborgen. Da dies f\u00fcr Patagonien au\u00dfergew\u00f6hnlich gutes Wetter ist und bei gutem Wetter wohl ohnehin alle Kletterer, mit denen ich mich f\u00fcr eine Route zusammentun k\u00f6nnte, in die Berge gezogen sind, \u00e4ndere ich spontan meine Planung und steuere den Zustieg zur Aguja Guillaumet, dem n\u00f6rdlichsten Zacken und einem der am leichtesten ersteigbaren im Kamm \u00fcber El Chalten an.<br><br>In der vollen Mittagshitze starte ich, in so gar nicht patagonischem Wetter. Nach 48 Stunden Flug und nur wenig Schlaf bin ich zwischenzeitlich etwas ausgelaugt und taumele talaufw\u00e4rts in Richtung des n\u00e4chsten Baches, wo ich meine Trinkwasserflasche auff\u00fcllen und eine Rast einlegen kann. Hinter einer Wegbiegung erkenne ich pl\u00f6tzlich eine kleine Holzh\u00fctte, habe ein ungutes Gef\u00fchl dabei, gehe langsam einige Meter darauf zu und als ich auf einem Schild \u201eTarifas\u201c angeschrieben sehe, mache ich gleich drei Schritte r\u00fcckw\u00e4rts und verschwinde hinter dem n\u00e4chsten Strauch. Nur 30 $ pro Tag, g\u00fcnstig im Verh\u00e4ltnis zum Torres del Paine oder dem Perito Moreno Gletscher. Durch den Wald schleiche ich au\u00dfen herum und folge nach einer Weile wieder dem Pfad, der durch m\u00e4rchenhaften S\u00fcdbuchenwald f\u00fchrt. Verknorzelte hunderte von Jahren alte B\u00e4ume recken ihre Flechten \u00fcberzogenen \u00c4ste zum Himmel empor und formen dabei ein lichtes Kronendach. Darunter wogt in einer sanften Brise fr\u00fchlingsgr\u00fcnes, kniehohes Gras, durchsetzt von einigen Blumen. Die Szene scheint einer Beschreibung aus Herr der Ringe perfekt zu entstammen, nur die B\u00e4ume m\u00fcssten nur noch anfangen zu sprechen.<br><br>Eine ganze Weile folge ich dem Tal, bis ich linker Hand steil aufw\u00e4rts in Richtung meines Gipfelziels abzweige. G\u00e4nzlich ohne Serpentinen geht es geradewegs empor. Auch wenn mir von entgegenkommenden Wanderern das Kompliment gemacht wird, dass ich sehr dynamisch aufw\u00e4rts stiege, f\u00fchle ich mich doch alles andere als das, will nur noch ankommen, eine Etappe von <a href=\"geo:0,0?q=12 km     und 1200 H\u00f6henmetern reicht nach dieser\">12 km und 1200 H\u00f6henmetern reicht nach dieser<\/a> Anreise doch allemal. Um halb acht Uhr abends schlage ich mein Lager an den Ger\u00f6llfeldern unterhalb einer Gletscherzunge auf. F\u00fcr einen Augenblick rei\u00dfen die Wolken \u00fcber mir soweit auf, dass man nicht nur die Aguja Guillaumet erkennen kann, die ich in den folgenden Tagen erklettern will, sondern auch den Fitzroy unglaublich hoch dar\u00fcber. Im einsetzenden Nieselregen baue ich das Zelt auf und kann mich als sehr gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass es in der Nacht nicht allzu stark windet.<br><br>Dies \u00e4ndert sich am n\u00e4chsten Morgen. Wiederholt r\u00fctteln sich die Verankerung des Zeltes los, selbst als ich die Schn\u00fcre um 30 Kilo schwere Steine spanne, \u00e4ndert sich daran nichts. Der Wind frischt mehr und mehr auf und mein neues Hilleberg Zelt scheint nicht sonderlich windstabil zu sein, sodass ich dieses abbaue und da abgesehen davon, dass keine Kletterpartner in Sicht sind, das Wetter zum Klettern auch ohnehin zu schlecht w\u00e4re, mich entschlie\u00dfe, einen kleinen Spaziergang in Richtung Paso Cuadrado zu machen. Unterwegs werde ich von einem Regenschauer \u00fcberrascht und entdecke gerade im rechten Moment eine kleine H\u00f6hle, die mich davor bewahrt, v\u00f6llig durchn\u00e4sst zu werden. \u00dcber Schneefelder erreiche ich den Grat. Auf der anderen Seite des Kammes tun sich beeindruckende Gletscher unter mir auf, die Berge dar\u00fcber h\u00e4ngen in Wolken und so kann man nur erahnen, welch elegante Felsgestalten sich dort verbergen m\u00fcssen. Gelegentlich lichten sich die Wolkenfetzen und geben einen Ausschnitt der Szenerie frei. Kurz vor dem westlichen Cerro Electrico gebe ich auf, befinde den Grat f\u00fcr unm\u00f6glich, da viel zu steil in br\u00fcchigem Fels. Erst bei meiner R\u00fcckkehr stelle ich mithilfe des Topos fest, dass dieser vor vier Jahren von Alex Honnold erstbegangen wurde. Die Auffassungen dar\u00fcber, was unm\u00f6glich ist, divergieren bekanntlich. Immer wieder regnet es, auch wenn die Regenschauer nur kurz sind, sie sind so unvorhersehbar, dass ich mich nur in meiner H\u00f6hle einrollen kann und etwas deprimiert in einem dunklen 50 cm hohen, aber immerhin trockenen Loch liege. Mir fallen die Worte des seligen Reinhard Karls ein: &#8222;In Patagonien Bergsteigen, das ist wie im K\u00fchlschrank sitzen und 50 DM Scheine verbrennen&#8220;. Genau so kommt es mir auch gerade vor, nur dass es inzwischen 20.000er Peso Noten sind. Immer mehr frischt der Wind auf, auch wenn der Wetterbericht nur von B\u00f6en bis 70 km\/h spricht, passiert es mir doch bei einem kleinen Spaziergang, dass ich tats\u00e4chlich aus dem Stand gerissen werde, w\u00e4hrend ich gerade \u00fcber einen Block balanciere. Noch habe ich nicht begriffen, was geschieht, da befinde ich mich schon 2 m tiefer. Nur durch Gl\u00fcck kann ich die Kante, auf der ich soeben noch gestanden hatte, mit den H\u00e4nden fassen.<br><br>An meinem zweiten Tag in Patagonien kann ich bereits folgende Beobachtung aufstellen: W\u00e4hrend es in Europa f\u00fcr gew\u00f6hnlich eine Art von Regen gibt, der je nach Windrichtung senkrecht oder horizontal f\u00e4llt, gibt es hier drei weitere: Erste Art: Man befindet sich im Umkreis von 200 m einer Wasseroberfl\u00e4che oder eines Wasserfalls. Steht der Wind g\u00fcnstig wird, einem ein heftiger Wasserschwall entgegen geblasen, der am ehesten noch an Wasserwerfer, wie sie auf Demonstration eingesetzt werden, erinnern k\u00f6nnte. Zweite Art von Regen: Im Umkreis von 1 km gibt es ein leicht angetautes Schneefeld, der Wind ist heftig genug, um dessen Oberfl\u00e4che aufzuwirbeln und selbst au\u00dfer Sichtweite des Schnees einem eine so heftige Ladung Eiskristalle ins Gesicht zu blasen, dass man laut aufschreit. Dritte Art von Regen: In gro\u00dfer Entfernung befinden sich feuchtigkeitsgeladene Wolken, diese k\u00f6nnen durchaus in 2 &#8211; 3 km H\u00f6he sein. Auch wenn \u00fcber einem strahlend blauer Himmel ist werden unvermittelt prasselnde Regentropfen herbeigeweht.<br><br>Der Tag zieht sich ziemlich in die L\u00e4nge, mehr als einmal frage ich mich, ob es sinnvoll ist, die Zeit zu warten. Wenn ich Kletterpartner f\u00fcr die Tour morgen finde, w\u00e4re es das allemal. Am sp\u00e4ten Abend umrunde ich den See und steige zum Hauptcamspot an dem Piedra Negra ab, um zu sehen, ob ich mich mit Kletterern dort zusammen tun kann. Die erste Seilschaft, zwei Deutsche, wollen wissen, was ich bereits an Touren gemacht habe. Die gro\u00dfen Namen fehlen nat\u00fcrlich in meinem Tourenbuch. Wie ung\u00fcnstig das sein kann, wird mir jetzt erst bewusst. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0004.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0004-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-975\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0004-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0004-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0004.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich entscheiden sie sich dagegen, mich mitzunehmen, meinen sie h\u00e4tten Angst, ich w\u00fcrde sie zu viel Zeit kosten und erkl\u00e4ren, ihr morgiges Vorhaben w\u00e4re f\u00fcr sie eine gro\u00dfe Tour. Das w\u00e4re es f\u00fcr mich nicht. Aber das hilft mir nun auch nicht. Nat\u00fcrlich kann ich nicht abstreiten, dass es mit einem gewissen Risiko behaftet ist, sich mit jemand v\u00f6llig fremdem anzuseilen, aber wer hier am Ende der Welt klettert, von dem sollte man doch erwarten k\u00f6nnen, dass er versteht, was er tut. Ich versuche mein Gl\u00fcck bei der zweiten Seilschaft, doch noch ehe ich den Satz beendet habe, werde ich unterbrochen. Missmutig stapfe ich zur\u00fcck zu meiner H\u00f6hle, nicht ohne dabei vom Wasserfall unter mir ordentlich durchn\u00e4sst zu werden. Es sieht ganz danach aus, als h\u00e4tte ich anderthalb Tage umsonst in Regen und K\u00e4lte hier oben ausgeharrt, noch schlimmer, eines der raren Wetterfenster am folgenden Tag werde ich ohne Klettern verstreichen lassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0001-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-978\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0001-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0001-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0001.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><br><br>Nun, wo ich aufgrund der sp\u00e4ten Stunde ohnehin gezwungen bin, eine weitere Nacht hier zu verweilen, beschlie\u00dfe ich, am folgenden Morgen mein Gl\u00fcck am Cerro Electrico zu versuchen. \u00dcber seinen Normalweg ist dieser \u00fcber 2000 m hohe Berg, eine Gletschertour, ob er von dieser Seite auch besteigbar ist, dar\u00fcber kann ich nur mutma\u00dfen, aber die Teile der Flanke, die ich einsehen kann, wirken begehbar.<br><br>Der Morgen erwartet mich mit ziemlich frischen Temperaturen, von vielleicht -3 Grad, die mich zu einem Aufbruch noch vor <a href=\"calendar:T1:4:00 \">4:00 <\/a>Uhr bewegen. \u00dcber Blockfelder der unangenehmeren Art stapfe ich Hang aufw\u00e4rts im kleinen, kaum mehr als 2 m weit reichenden Lichtkegel der Stirnlampe. Als ich weit genug von allen Routen entfernt bin, wo im Laufe des Tages Menschen vorbeikommen k\u00f6nnten, deponiere ich meinen Rucksack und steige folglich unbeschwerter aufw\u00e4rts. Einem kleinen R\u00fccken folge ich in Richtung Grat, muss aber zweimal Steilstufen in leichter Kletterei umgehen. Dar\u00fcber erreiche ich eine weitl\u00e4ufige ger\u00f6llige Flanke, nicht minder instabil und unangenehm als erwartet. Ihr entstiegen stehe ich pl\u00f6tzlich der aufgehenden Sonne gegen\u00fcber, weiter erstreckt sich unter mir die Pampa, rechts glitzert silbrig der Lago Viedma. Zu meinen F\u00fc\u00dfen entspringt ein wild zerkl\u00fcfteter Gletscher, zu seiner rechten streben die Spitzen des Fitzroy Massivs himmelw\u00e4rts. Wie viel zu schmal geratene hohe Felst\u00fcrme, jeglicher Schwerkraft widersprechend, wirken diese Riesen, die mit W\u00e4nden von 1000 m aufwarten. Ohne diese Berge gesehen zu haben, kann man sich nicht vorstellen, dass sie existieren. Dann treffen die ersten Sonnenstrahlen auf die h\u00f6chsten Spitzen, sie beginnen, feuerrot zu leuchten, nur verh\u00fcllt von einigen Wolkenfetzen, zurecht tr\u00e4gt der Cerro Chalten den Namen rauchender Berg. Auch die K\u00e4mme dahinter entbl\u00e4ttern sich mehr und mehr aus ihrem Wolkenkleid. Aus den Wolkenb\u00e4nken \u00fcber dem Inlandeis gehen Regenschauer nieder, gestreift von den schr\u00e4g stehenden Sonnenstrahlen leuchten sie in surrealem Orange. Mehrmals muss ich das Bild auf meiner Kamera mit der Wirklichkeit abgleichen, frage mich zwischenzeitlich schon, ob meine Kamera einen farblichen Defekt haben k\u00f6nnte. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0002-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-977\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0002-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0002-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0002.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Sek\u00fcndlich \u00e4ndert sich das Bild, oft so schnell, dass ich gar nicht rechtzeitig ein Foto aufnehmen kann von der neuen Lichtstimmung, der neuen Bergspitze, die soeben frei wird um dann wieder in den Nebeln zu verschwinden. Von nun an kann ich dem Grat folgen, gelegentlich \u00fcber Schnee meist aber \u00fcber das zu Tale rutschende Ger\u00f6ll. Am Gipfel angelangt bin ich kurz erstaunt, dass dies wirklich gelungen ist, so g\u00e4nzlich ohne Planung oder das Wissen \u00fcber vorherige Begehungen und bleibe lange sitzen, um das Panorama zu bestaunen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0003-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-976\" srcset=\"https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0003-768x1024.jpg 768w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0003-225x300.jpg 225w, https:\/\/wildnistrip.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/IMG-20260113-WA0003.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p> Der Blick verliert sich in Eisbergen oder h\u00e4ngt sich auf in den klar geschnittenen Konturen der Felsw\u00e4nde, die unz\u00e4hligen von Kletterrouten ihren Charakter verleihen, schweift nach Norden ab, wo der Pass sich befindet, den ich in einigen Wochen mit Romain \u00fcberschreiten will, um nach Chile zu gelangen.<br><br>Ein langer Abstieg von 1500 m erwartet mich. Nicht selten blicke ich wehm\u00fctig hinauf zu dem Pfeiler, den ich heute hatte klettern wollen. Vier kleine Punkte zeigen sich dort oben, aber nicht so weit oben, dass ich mit ihrer Geschwindigkeit nicht h\u00e4tte mithalten k\u00f6nnen. Aber kalt muss es dort sein bei diesem Wind, mehrmals muss ich innehalten, um mir, obwohl nur die Trekkingst\u00f6cke haltend und nicht kletternd, die H\u00e4nde aufzuw\u00e4rmen. Wird es mir gelingen, hier in den n\u00e4chsten zehn Tagen noch zum Klettern zu kommen? Es ist einer der Gr\u00fcnde, warum ich 9000 km geflogen bin.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht also wieder los, denke ich, als ich aus der klirrenden K\u00e4lte und der nach Schnee riechenden Luft in den Bus steige. Ungew\u00f6hnlich ist es, eine 48 st\u00fcndige Reise mit drei Fl\u00fcgen zun\u00e4chst mit 5 Stunden Fahrt im Regionalverkehr zu beginnen. Mir ist Bange zu Mute. Meist bin ich bei der Abreise nicht nerv\u00f6s, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wildnistrip.de\/?p=973\" class=\"more-link\">Mehr <span class=\"screen-reader-text\">\u00fcber &#8222;1. Patagonien&#8220; <\/span>Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-973","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/973","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=973"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/973\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1038,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/973\/revisions\/1038"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=973"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=973"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wildnistrip.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=973"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}