Cascade National Park Die Alpen von USA

Der North Cascades National Park, indem wir die vergangenen Tage verbracht haben nennen sich die Alpen von USA. Sie sind steil und schroff und eigentlich eines der niederschlagsreichsten Gebirge der USA. Nicht dieses Jahr. Es ist heiß und der Wald mit all seinen Flechten ist knochentrocken. Wir haben einige wunderschöne Touren hier gemacht mit Aussicht auf die fantastische Gipfelwelt und auch selber zwei Gipfel erklommen. Sascha hat direkt am ersten Tag sein Junior Rangerabzeichen absolviert. Was bedeutet, dass man je nach Alter ein Büchlein mit Fragen zur Umwelt und Natur natürlich auf English beantworten muss. Die Rangerin die sich seine Antworten durchlas und ein kleines Gespräch mit ihm führte, nahm ihn dann mit feierlicher Zeremonie den Schwur ab die Natur zu schütze und seinen Freunden und seiner Familie davon zu erzählen. Dazu gab es dann ein Abzeichen und eine Anstecknadel.

Weil es so unglaublich heiß ist, haben wir am zweiten Tag ein Kanutour auf dem wunderbaren blautürkisen Skagriver gemacht. Das war die erste Einweihung unseres Bootes auf einem Fluss, zwar ohne whitewater aber doch mit ordentlicher Strömung und einigen Schwällen und Wellen. Bei der Hitze war es dann eher angenehm, wenn ich vorne ab und zu von einer eiskalten Welle geduscht wurde. Sascha ist eindeutig mehr Gämse als Fisch. Ihm waren die kleinen Ministromschnellen eher suspekt und erst als er feststellte, dass wir nicht so schnell kentern, konnte er die Geschwindigkeit auch genießen.

Skagriver-2 Skagriver-3

Bei knapp 40 Grad konnte mich auch das eisige Gletscherwasser nicht vom Schwimmen abhalten, obwohl man dabei immer nur knapp dem Herztod entrinnt, ist einem kaum im Boot schon wieder warm. Um später wieder zum Auto zu kommen musste ich trampen. Auf der Straße hätte man ohne weiteres Spiegleier und Steaks braten können. Zum Glück kam nach 15 Minuten eine nette Familie aus Ohio, mit 4 Kindern im Auto, mit denen ich direkt ein angeregtes Gespräch übers homeschooling und reisen hatte. Vielleicht hätten wir gut zusammen gepasst. Sie suchten nämlich immer eine Familie mit der sie zusammen reisen könnten und fanden nie jemanden der verrückt genug war. Sie brachten mich bis zu unserem Pickup um gleich darauf die nächsten Tramper aufzugabeln. Sascha fand die Sache mit der Schule von zu Hause aus natürlich sehr interessant.

Auf unserer nächsten Tour wurden wir regelrecht gebraten. Nur die Aussicht in einen kühlen Bergsee zu springen hielt mich am Leben – um dann festzustellen, dass der See in einem so tiefen Talkessel lag, dass die Erfrischung eine weitere Stunde Gegenanstieg bedeutet hätte. Dann doch lieber der Gipfel. Die Aussicht mal wieder grandios – aber es müssen echt Bekloppte sein, die bei dieser Hitze 1000 Höhenmeter machen.

Trapperpeak-2 Trapperpeak-1

Die letzten 5 Kilometer zurück zum Pickup habe ich im Halbdelirium verbracht Immer in Gedanken an das kühle Bächlein neben unserem Lagerplatz, in dass ich mich sofort eintauchen würde und dem festen Entschluss solange es so heiß ist aufs Kanu umzusteigen.

Der nächste Schlafplatz war dann an einem abgelegenen Bergpass auf 2000 Meter Höhe geplant. Meine beiden Fotografen ließen ihr Abendessen kalt werden um die grandiose Gipfelaussicht mit 360 Grad Rundumsicht bei Sonnenuntergang und gleichzeitigem Mondaufgang auf 1000 Bildern festzuhalten. Sascha macht mit seiner neuen Kamera ganz tolle Fotos und hat gute Ideen und macht auch ganz andere Bilder als sein Papa. Natürlich will er immer besser sein. Wo hat dieser Junge nur diesen Ehrgeiz her?

Auf dem Pass wurde es dann irgendwie doch nichts mit Paddeln, weil da dummerweise kein Fluss war. Dafür eine weglose grandiose Gratwanderung 10 Kilometer immer rauf und runter mit ständigem Panoramablick. Die Hitze war erträglich, weil auf dem Grad immer ein würziger Kiefernduft getränkter Wind wehte.Weglos hieß auch menschenleer, also ganz nach unserem Geschmack.

Hartspass-2 Hartspass-1

Auf dem Rückweg vom Pass hatten wir dann als Premiere unseren ersten Platten. Mitten auf der staubigen Roughroad. Erstmal alles Gepäck auf die Straße stellen um an das unter der Sitzbank verstaute Bordwerkzeug zu kommen. Leider ist nach den letzten 10.000 Kilometern über Kanadas Wildnisstraßen soviel Dreck auf dem Mechanismus das Reserverad, was unter dem Auto hängt abzulassen, dass sich erstmal gar nichts tut.

Was nun? Mitten in der Pampa und kein Reservereifen? 2 nette amerikanische Jungs kommen vorbei und fragen ob wir Hilfe brauchen? Ja, brauchen wir. Allein dass jemand da ist hebt schon die Moral. Irgendwann klappt es dann auch. Mit vereinten Kräften und völlig verstaubt bringen wir den Wagen wieder ans Rollen.

Nach einem reinigenden Bad in einem Fluss müssen wir eine Stelle finden, wo unser defekter Reifen repariert wird. Die Route über einsame Sträßchen wird erstmal gestrichen und wir fahren durch heißes Wüstenland und Quadratkilometer riesige Getreidefelder Richtung Spokane. Das ganze Land ist in einen milchigen Dunst getaucht, weil ein riesiges Feuer weiter im Süden wütet. Kein Wunder bei dieser Trockenheit.

2 Kommentare

  1. Barbara Kasper

    Hallo ihr Lieben,

    das hört sich ja mal wieder alles ziemlich spektakulär und ziemlich verrückt an (ich denke da mal an Bergtouren bei 40 Grad…), aber wen wundert das noch, wenn man an das letzte Jahr denkt!
    Jedenfalls sind es wieder tolle Fotos und es macht großen Spaß von euren Reiseeindrücken zu lesen.

    Ganz liebe Grüße

    Barbara

  2. Hallo, Ihr lieben Rocky-Fans,

    das klingt ja wieder sehr abenteuerlich für die kurze Zeit, die Ihr da seid! Als wärt Ihr schon Monate unterwegs, ach was, als hättet Ihr nie was anderes gemacht als aufregende Touren…

    Herzlichen Glückwunsch an Sascha für das Junior-Rangerabzeichen!

    Euch noch viel Vergnügen!

    Liebe Grüße aus der wettertechnischen Achterbahnzone (heute so, morgen so und das alles ziemlich extrem) von Martina

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