
Endlich ist es soweit und ich muss nicht mehr aus der Ferne um Saschas Sicherheit bangen, sondern besuche ihn für die nächsten 4 Wochen.
Die deutsche Bundesbahn besticht mal wieder durch ihre Unzuverlässigkeit. Gleich 2 ICEs hintereinander fallen aus, sodass Georg, der mich aus der Eifel nach Montabaur gebracht hat und schon wieder fast zu Hause gewesen ist, dreht um und bringt mich mit 160 Stundenkilometern gerade noch rechtzeitig zum Flughafen. Spannend wird es dann nochmal bei der Einreise in Chile. Die Umsteigezeit ist knapp und der Zoll stürzt sich auf meine Tasche, die voller verbotener Lebensmittel ist. Mein hektisches Fragen, wo ich nun hinmuss und wie das Wechseln des Flughafens in 15 Minuten zu bewältigen ist, lässt eine Zollbeamtin sich meiner Erbarmen und sie winkt mich gnädig durch. Im Galopp sprinte ich zum nationalen Flughafen und erreiche auch hier 3 Minuten vor Schließung des Schalters den Checkin. Da ich noch tiefenentspannt vom Retreat in der letzten Woche bin, nehme ich diese kleinen Hindernisse mit Gelassenheit.
Die Wiedersehensfreude ist groß. Wir holen unser Auto ab, kaufen großzügig ein und übernachten an einem See, um am nächsten Tag unser erstes Trekking zu beginnen.

Sascha ist ein super Reiseführer und findet den Startpunkt unserer Route, wie auch den manchmal schwer auszumachenden Pfad mit traumwandlerischer Sicherheit. Direkt zu Beginn ist ein Windbruch über den Weg gegangen und wir müssen mühsam Bäume mit unserem schweren Gepäck überklettern.

Der Wald wird, je weiter wir uns von der Zivilisation entfernen, immer mehr zum Urwald mit majestätischen Baumriesen. Leben und Sterben ist hier in wuchernder Dichte so eng beinander wie nirgends sonst. Wenn einer dieser Urwaldriesen fällt, schlägt er eine 100 Meter breite Lichtung in den Wald, wo sich sofort neue, junge Vegetation breitmacht. Flechten, Farne und Moose strotzen vor prallem Leben.

Überall strömt Wasser von den Seiten. Entsprechend matschig ist oft der Weg und es geht stetig auf und ab. Die Wegführung scheint wenig logisch, weil jeder Baumsturz zu einem Umweg von 100 Metern führt. Immer wieder nähern wir uns dem wilden türkisen Gletscherfluss, dem der Weg bis zu einem gewaltigen Wasserfall folgt.

Ich sehe keine Möglichkeit, wie es diese 300 Meter hohe Steilwand hinaufgehen könnte. Doch tatsächlich sind im Wald neben dem gewaltigen Wasserfall Seile gespannt und man kann sich diretissima nach oben hangeln. Oben angelangt sind wir über der Baumgrenze in einem gletschergeschliffenen Talkessel.

Die Avellanotürme ragen elegant in die Höhe, dazwischen bläulich schimmernde Gletscherfelder mit gewaltigen Eisabbrüchen. Darunter schimmern 2 türkise Gletscherseen. In einen davon springe ich natürlich direkt hinein. Sascha findet den besten Zeltplatz mit Aussicht auf alle diese Naturschönheiten gleichzeitig. Er macht sich weiter auf zum Gipfel. Dazu bin ich nach 1000 Höhenmetern recht schwierigen Geländes zu erschöpft. Ich sonne mich, pflücke Beeren und halte ein nettes Schwätzchen mit 2 Auswanderern, die von einer Gletschererkundungstour zurück kommen und auch hier oben zelten.

Sascha kommt 3 h später hochzufrieden von seiner Bergtour zurück. Die Durchquerung dieses Gebietes, die wir ursprünglich vorhatten, scheint ihm nicht machbar. Da auch das Wetter nicht halten wird, kehren wir am nächsten Tag den weiten Weg zurück zum Ausgangspunkt.