Unsere nächste Tour weiter im Norden im Quelat Nationalpark führt uns in tiefsten Regenurwald. Am Vortag hatten wir bei unserem Autovermieter den nicht funktionsfähigen Autoschlüssel ausgetauscht und waren am Abend nicht mehr weit gekommen. So starten wir am Morgen mit dem Auto bei Dunkelheit, um vermeintlichen Touristenmassen in dem beliebten Nationalpark zu entgehen .2 h müssen wir bis dorthin fahren.

Nur ein über den Fluss gespanntes Seil zeigt, dass wir uns am Beginn des Pfades befinden.

Wir tauchen ein in einen atemberaubenden Regenwald. Moose, Farne, Flechten, alles ist grün überwuchert. Wir sind im feuchtesten Teil Patagoniens angekommen, wie wir in den nächsten Tagen noch merken werden.

Nach wenigen Metern blockiert ein Schild eine zerfallene Brücke. Pfad geschlossen wegen umgestürzter Bäume. Während in mir ein kurzes Zögern auftaucht, sagt Sascha nur „Super, keine Touristen“ und marschiert ungebremst weiter. Der Wald ist unglaublich schön und der verfallene Pfad ist noch sichtbar, nur die Überquerungen des kleinen Flüsschens über glitschige Baumstämme mahnen mich zur Vorsicht, während Sascha darüber tänzelt.

Die Passage mit den umgestürzten Bäumen ist wie erwartet abstrengend, aber machbar und bald stehen wir an einem wunderschönen Gletschersee, umrahmt von einem Felskessel mit Wasserfällen.

Oben in der Steilwand glänzen weiß die Hängegletscher, die vor wenigen Jahren noch bis zum See gingen. Ab und zu donnert es und ein Eisblock bricht ab und stürzt über die Steilwand in den See.

Ein wunderbares Szenario. Zurück am Auto fahren wir noch anderthalb Stunden weiter, um bei einer geplanten Teepause festzustellen, dass wir beim frühmorgendlichen Aufbruch unseren Kocher liegen gelassen haben. Kurzes Zögern, aber nicht mehr kochen zu können, ist keine Option und so fahren wir die dreieinhalb Stunden wieder zurück und bewundern die schöne Landschaft dann schließlich zum dritten Mal ausgiebig.

Ein Schönwettertag ist uns noch gegönnt, bevor das Regeninferno losbricht.

Über ganz Patagonien zieht sich ein ausgedehntes Regentief. Ich habe noch nie soviel massiven Dauerregen am Stück erlebt (doch, vielleicht in Slowenien). Man kann das Auto nicht für eine Minute verlassen, ohne völlig durchnässt zu werden. Den Morgen verbringe ich in einem feinen Thermalbad im Wald, Sascha gefällt es nicht, aber ich finde es wunderbar, von oben kalt beregnet, mich bei 37 bis 42 Grad im warmen Wasser aufweichen zu lassen. Mittags gehen wir essen und ich versuche, eine kleine Hütte zu mieten. Zelten bei fieser Art Dauerregen geht gar nicht für mich. Doch dann entscheiden wir um und nehmen die Fähre am gleichen Abend, weil die für den nächsten Tag schon ausgebucht ist. Um weiter nach Norden zu kommen, sind die Fähren unumgänglich, weil es hier keine Straßen durch den Regenwald gibt. Im Fährbüro fragen uns 2 Tramper, ob wir sie mitnehmen können. Schnell das Auto umgepackt und dann können die beiden sich mit ihren großen Rucksäcken irgendwie dahineinfalten. Nichts ahnend, dass sie dort die nächsten 6 h ausharren müssen.

Nach den anderthalbstunden Fahrt durch prasselnden Dauerregen stehen wir in einer langen Autoschlange am Fährenstart. Nur weit und breit keine Fähre. So wird unsere unerwartete Reisegemeinschaft in unerwartete Länge gezogen. Zum Glück sind uns die beiden sehr sympathisch. Reiseerlebnisse werden ausgetauscht. Tipps weitergegeben, Kekse und Apfelringe geteilt. Die beiden sind sehr abenteuerlich gereist. Sie von der Schweiz bis Peru getrampt mit Segelern und Containerschiffen und dann von Peru alleine bis nach Patagonien. Hier hat sie ihren Freund getroffen und die beiden sind viel über die wilden Flüsse Patagoniens gepaddelt. Am Ende haben wir uns ein wenig angefreundet und Adressen werden getauscht für zukünftige Touren in den Alpen. Derweil regnet es, nein, es schüttet und man kann nur kurz das Fenster öffnen um zu lüften. Nach dem ersten Fährstück verabschieden wir uns. Für Sascha und mich geht es noch 4 h weiter auf der nächsten Fähre.irgendwann um 2 Uhr nachts werden wir ankommen und im prasselnden Regen unser Zelt aufschlagen, wenn wir dann ein flaches Plätzchen dafür finden. Und morgen und die nächsten 6 Tage….regnet es.