Nachdem die letzten Quellen unerreichbar für mich waren, wir aber leidenschaftliche Heißbader in wilder Natur sind, haben wir uns ein neues Ziel der Begierde ausgesucht. Termas de Chilluhan. Nur 700 Höhenmeter und nur 3,68 Kilometer. Das ist doch nichts, denken wir. Schaffen wir noch locker am späten Nachmittag – denken wir.Dann ist es doch 17:30 h, als wir mit unserem Trekkinggepäck losmarschieren. Nach 40 min zügigem Marschierens erreichen wir einen Pass und glauben uns fast am Ziel.

Fehleinschätzung, wir haben gerade mal die Hälfte geschafft. Mal wieder beginnt der Schnee und das Laufen wird mühsamer. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir den 2. Pass und nach ein paar zaghaften Versuchen in das Tal der heißen Quellen abzusteigen wird klar, dass wir über den Bruchharsch, in dem man nicht selten bis zum Oberschenkel einbricht, noch mindestens 1 h brauchen würden.

Sascha schlägt vor, auf dem Pass zu nächtigen, ohne Zelt, weil dafür der Wind zu stark ist. Ich bin mittelmäßig angetan, aber Aufgeben und wieder absteigen will ich auch nicht. Ich bin gänzlich unerfahren mit Nächtigen auf 2500 Metern Höhe bei minus 5, Wind und ohne Zelt. Sascha baut eine Mauer aus Steinen als Windschutz. Der Abendhimmel mit Sonnenuntergang ist grandios.

Ich mummele mich in alles, was ich habe und krieche in den Daunensack. Sascha ist wesentlich kälteresistenter als ich und bereitet das Abendessen alleine zu.Freiwillig wäre ich hier nie geblieben. Aber es ist muy impressionante. Der Sonnenuntergang, die leuchtenden schneebedeckten Vulkane, die aufziehende Milchstrasse und der zunehmende Mond sind großartig. Mein Schlafsack hält trotz dem kalten Wind warm und so ziehe ich in der Nacht nach und nach Regenjacke, Daunenjacke, Socken und Thermohose aus und bin immer noch warm.Sascha ist tiefenentspannt, während dies für mich eine neue und existenzielle Erfahrung ist.

Am Morgen sind wir froh über die ersten Sonnenstrahlen und genießen den Sonnenaufgang. Auch wenn ich mich ein wenig schutzlos gefühlt habe, war diese Übernachtung sehr schön. Frohgemut steigen wir in das Tal der heißen Quellen hinab. Zunächst finden wir eine 34 grad warme Moderbrühe.

Nett aber draußen ist es noch so frisch, dass wir uns einmal ins warme Wasser getaucht nicht mehr hinauswagen. Die Badeerfahrung wird nochmal schöner, als wir ein kleines Sprudelbecken finden. Nach 2 h ausgiebigem Faulenzen im warmen Wasser wollen wir das Tal weiter erkunden. Allerdings kommen wir nicht weit. Hinter der nächsten Geröllrippe eines ehemaligen Vulkanausbruchs stürzt sich ein 46 Grad heißer Fluss in die Tiefe und vereint sich mit einem weiteren 28 Grad kühlen Fluss.

Wir lassen uns direkt am Zusammenfluss nieder und genießen die wilden Whirlpools, mal kalt, mal heiss und alles dazwischen.

Das alles befindet sich in grandioser Landschaft unter einem schneebedeckten Vulkan mit gelben und ockerfarbenen Felsen.

Condore schrauben sich in stahlblauem Himmel in die Höhe. Wir sind beide einstimmig der Meinung, dass sich alle Mühen gelohnt haben um dieses Paradies zu genießen – ganz alleine sind wir an einer der schönsten heißen Quellen, die wir kennen.

Whow. Das klingt mindblowing und überwältigend.