Winter in Bugaboo

Winter in Bugaboo

Wenn man von der ersten Woche in Nova Skotia absieht, hatten wir die letzten Wochen durchgängig Sonne und heißes Wetter. Nun sind wir im tiefsten Winter gelandet. Im Bugaboo provincial park warten imposante Gletscher mit mächtigen Felsgipfeln dazwischen auf. Es ist ein Paradies für Bergsteiger und eines der berühmtesten Klettergebiete der Welt. Die Anfahrt hierhin gab schon atemberaubende Blicke auf gewaltige Gletscher frei. Leider trübte das Wetter ein. Es regnete die ganze Nacht ununterbrochen und auch am Tag hörte der Nieselregen nicht auf. Nach und nach tröpfelten die Bergsteiger, die oben am Gletscher campiert hatten zwar mit leuchtenden Augen aber klitschnass hier unten am Trailhead ein. Oben sei Winter erzählten sie und der Gletscher, der am Vortag eher blau schimmerte, war am nächsten Morgen, wenn die Nebelschwaden mal einen Blick erlaubten weiß. Auch die Baumspitzen weiter oben sind mit Neuschnee überzogen. Wir wollten unbedingt näher an den Gletscher heran wandern und da das Wetter es noch nicht erlaubt, wollten wir abwarten bis besseres Wetter kommt.

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Eine Kuriosität dieses Parks ist, dass die Stachelschweine sich auf Autoreifen spezialisiert haben. Wenn das Auto nicht komplett mit Hühnerdraht umwickelt ist, zerbeißen sie Reifen, Bremsleitungen und alles, was sie erreichen können. Das kann einen übel erwischen, wenn man 60 km weit von menschlicher Hilfe ist.

 

Für uns hatte das Einpacken des Autos in Hühnerdraht jedoch den unangenehmen Nebeneffekt, dass dieser eine prima Leiter für die Mäuse ist. Anfangs dachten wir noch wir hätten sie versehentlich mit auf dem Boden stehenden Lebensmittelkisten eingeschleppt. Nachdem ich jedoch mit selbstkonstruierten Fallen 30 min lang versuchte sie (vergeblich) zu fangen und mir die Mäuse munter über die Füße sprangen und Sascha feststellte, dass sich nicht etwa um eine oder 2 handelte, sondern mindestens 5 oder 7 Mäuse, die in unserem Auto und mit unseren Vorräten eine Fete feierten, wurde uns klar, wie sie ins Auto kamen. Was tun? Die Lebensmittel rausholen und riskieren einen Bären anzulocken oder sie von den Mäusen fressen zu lassen? Wir entschieden uns für letzteres. Eine Nacht später hörten wir dann verdächtige Nage-und Schabgeräusche am Auto. Sollte sich tatsächlich ein Stachelschwein durch den Draht einen Weg gebahnt haben? Ich wie immer direkt hellwach, springe aus dem Auto um den Missetäter zu stellen. Aber bis ich draußen bin, ist er weg. Also wieder in den warmen Schlafsack gekuschelt. Es sind ungefähr 5 Grad. Kaum liege ich geht es schon wieder los. Dieses mal muss Georg, schlaftrunken oder nicht mit hinaus. Wieder nichts zu entdecken. Mitten in der Nacht schleppen wir weitere Steine heran, um den Draht noch besser zu befestigen. Dieses mal bleibe ich draußen und halte Wache. Doch wir scheinen den hungrigen Nager vertrieben zu haben. Eiskalt ist mir, als ich mich dann endlich wieder ins Bett lege. Am kommenden Morgen ist Saschas Stuhl angenagt. Ein Verlust, den wir verkraften können, ihn aber nachdem die Mäuse schon ein Loch in seinen wertvollen Rucksack geknabbert haben zutiefst erzürnt. Sascha schmiedet alle möglichen Rachepläne. Glücklicherweise muss ich den Tierschutzverein nicht einschalten, weil er den Übeltäter nicht erwischt…..

Den Regentag auszuharren, erst unser zweiter Regentag auf der gesamten Reise, hat sich sehr gelohnt. Die Bugaboo Spires, dass sind mächtige bis 3400 Meter hohe Granitblöcke, die inmitten gewaltiger Gletscher liegen. Von all den wunderschönen Landschaften die wir inzwischen gesehen haben ist diese die schönste und beeindruckendste. Wir machen wunderschöne Touren zwischen und um die Spires und sind berauscht von dieser fantastischen Bergwelt. 1400 Höhenmeter täglich, die zwar anstrengend sind, aber allemal die Mühe wert. Bis auf die Bergsteiger, die wohl noch etwas verrückter als wir sind und in mehrtägigen Klettertouren diese senkrechten Granitwände bezwingen, sehen wir meist keinen Menschen. An einem Abend lernen wir Mark, einen Kanadier aus British Columbia kennen. Nach einigen gemeinsamen Gläsern Wein, wird unsere bisherige Route über den Haufen geworfen. Er meint wir sollten unbedingt nach Jasper und gibt uns mehrere Wandertipps. Was solls, fahren wir also 1000 Kilometer mehr. Wer weiß schon, wann wir nochmals hierhin kommen. Mit neuen Plänen fahren wir bei 35 Grad weiter Richtung Golden.

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